Experte fordert höhere Steuern

Studie: Raucher belasten die Krankenkassen

Höhere Steuern auf Zigaretten? Experten sehen dies auch als eine Möglichkeit, um Kinder und Jugendliche vom Rauchen abzuhalten. Foto: dpa

Raucher sind für die Krankenkassen teurer als Nichtraucher. Das ist das Vorabergebnis einerAnalyse des Wirtschaftswissenschaftlers Tobias Effertz von der Universität Hamburg. Er hat herausgefunden, dass Raucher 500 Euro pro Quartal mehr kosten als Nichtraucher. Das wären 2000 Euro Mehrkosten im Jahr.

Das liege vor allem daran, dass die Therapien für raucherbedingte Krankheiten im medizinischen Bereich aufwendiger und damit teurer würden, sagt Effertz. „Die durchschnittlichen Kosten eines Rauchers im Gesundheitssystem sind trotz verkürzter Lebenserwartung deutlich höher, als die Summe der eingezahlten Krankenkassenbeiträge eines Rauchers“, erklärt Effertz.

Zu diesem Ergebnis ist Effertz gekommen, indem er sogenannte Routinedaten der gesetzlichen Krankenversicherung entsprechend dem Bundesdurchschnitt repräsentativ angepasst und ausgewertet hat. Die Daten fassen sämtliche Krankenkassenleistungen getrennt für Raucher und Nichtraucher zusammen.

Erst im Juli kam bei einer Studie des Helmholtz Zentrums München heraus, dass ehemalige Raucher für die Krankenkassen teurer als Raucher sind. „Das zweifle ich sehr stark an“, hält Effertz entgegen. Er schreibt: „Zahlreiche wissenschaftliche Befunde weisen eine niedrigere Mortalität und einen besseren allgemeinen Gesundheitszustand nach Beendigung des Rauchens nach. Ein Rauchstopp vor dem 60. Lebensjahr kann die Lebenserwartung eines Ex-Rauchers der eines lebenslangen Nichtrauchers wieder angleichen. Deswegen können meine Forschungsergebnisse die Resultate des Helmholtz-Zentrums nicht bestätigen.“ Die stationären Krankenhausaufenthalte und Medikamente, etwa bei Krebstherapien oder anderen raucherbedingten Lungenerkrankungen, gehören laut den Ergebnissen aus der Analyse von Tobias Effertz zu den teuersten Positionen, welche die gesetzlichen Krankenkassen für Raucher tragen müssen.

Doch was kann der Staat tun, um die Subventionierung der Raucher durch die Nichtraucher im Gesundheitssystem auszugleichen? „Das ist relativ leicht. Der Staat muss die Steuern auf Zigaretten und auf Tabakprodukte insgesamt weiter erhöhen“, sagt Effertz. Damit würde man erreichen, dass die Kosten, die der Raucher dem Gesundheitssystem aufbürdet, mit in den Kaufpreis der Zigaretten eingepreist werden, sagt Effertz. Die richtige Höhe der Tabaksteuer sei dabei entscheidend. Gleichzeitig sind höhere Tabaksteuern und damit höhere Preise eines der wirkungsvollsten Mittel, um Kinder und Jugendliche vom Rauchen abzuhalten sowie erwachsene Raucher zum Aufhören zu bewegen, sagt Effertz.

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