Verdächtige identifiziert

Stuttgarter Krawalle und der „Stammbaum“: Weitere Festnahmen nach umstrittener Polizei-Auswertung

Polizisten in Schutzkleidung nähern sich in der Stuttgarter Innenstadt einer Menschenmenge
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Ende Juni lieferten sich junge Menschen eine Straßenschlacht mit der Stuttgarter Polizei

Eine Straßenschlacht zwischen jungen Menschen und der Polizei in Stuttgart machte bundesweit Schlagzeilen. Mittlerweile wurden insgesamt 53 verdächtige Personen festgestellt.

  • In Stuttgart kommt es Ende Juni zu Auseinandersetzungen zwischen jungen Menschen und der Polizei.
  • Dabei werden mehrere Polizisten durch die gewalttätigen Angriffe verletzt. Eine Statistik enthüllt genaue Daten zu den Tätern. (Erstmeldung vom 24. Juli)
  • Zwei weitere junge Männer wurden festgenommen. 53 Verdächtige sind mittlerweile identifiziert. (Update vom 30. Juli)

Update vom 30. Juli: Nach den Krawallen in Stuttgart, bei sich Ende Juni mehrere hundert Menschen in der Landeshauptstadt eine Straßenschlacht mit Polizei lieferten, wurden weitere Verdächtige verhaftet. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten, nahmen die Beamten zwei junge Männer, 17 und 18 Jahre alt, am Donnerstag im Landkreis Ludwigsburg fest.

Der Jüngere soll einen Stuhl auf einen Streifenwagen geworfen und die Reifen zerstochen haben. Der 18-Jährige steht im Verdacht, ebenfalls einen Streifenwagen beschädigt und Flaschen geworfen zu haben. Zudem soll er sich an den Plünderungen eines Geschäfts beteiligt haben. Die beiden Deutschen kamen in Untersuchungshaft. Insgesamt hat die Polizei seit den Ausschreitungen in der Nacht zum 21. Juni 53 Verdächtige identifiziert. 18 Personen sitzen in Untersuchungshaft, bei 10 Verdächtigen wurde der Haftbefehl gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt.

Stuttgarter Krawalle und der „Stammbaum“: Umstrittene Polizei-Auswertung da - das sind die Ergebnisse

Erstmeldung vom 24. Juli:

Stuttgart - Ende Juni sorgten Krawalle in Stuttgart für Aufsehen. Mehrere hundert Menschen lieferten sich in der Nacht vom 20. auf den 21. Juni in der Innenstadt der baden-württembergischen Landeshauptstadt Straßenschlachten mit der Polizei. Dabei wurden 32 Polizisten verletzt, es entstand zudem erheblicher Sachschaden.

Die Personalien von 50 Tatverdächtigen wurden anschließend erfasst. Die Polizei kündigte an, im Rahmen ihrer Ermittlungen eine Recherche zu Migrationshintergründen auch bei Tatverdächtigen mit deutschem Pass zu betreiben - was den Beamten heftige Kritik einbrachte.  Von einer „Stammbaumrecherche“ war die Rede.

Nun liegen die ermittelten Daten vor. Eine interne Auswertung der Polizei zeigt auf, welche Personengruppen in die gewalttätigen Ausschreitungen involviert waren.

Krawallnacht in Stuttgart: Großteil der Täter polizeibekannt

Laut Informationen der FAZ, der die Polizei-Statistik vorliegt, sind unter den 50 Verdächtigen 20 junge Erwachsene in einem Alter von unter 21 Jahren sowie 15 minderjährige Jugendliche. Insgesamt 33 der erfassten Personen sind schon zuvor polizeibekannt gewesen - vorwiegend durch Delikte im Bereich von Diebstahl, Körperverletzung und Drogen. Die übrigen 17 Verdächtigen hatten bisher keine Konflikte mit dem Gesetz.

Die überwiegende Mehrheit der registrierten Verdächtigen (44) kommt aus Stuttgart (28) oder der Region (16). Es habe laut der polizeilichen Untersuchung keinen organisierten „Krawalltourismus“ gegeben, die Personen seien nicht als Gruppe angereist. Vielmehr habe sich der Gewaltexzess spontan entwickelt, die Attacken gegen die Polizisten sind offenbar aus Zweier- und Dreier-Gruppen erfolgt.

Video: Stuttgart plant nach Krawallnacht Videoüberwachung

Die Nationalitäten und der Migrationshintergrund der Verdächtigen sind breit verteilt. Von den 50 Personen haben 28 einen deutschen Pass, 20 sind ausländischer Herkunft, bei zwei Personen konnte bislang keine Nationalität festgestellt werden.

Stuttgart-Krawalle: Migrationshintergrund bei Teilnehmern - Polizei-Daten liegen vor, Debatte läuft weiter

Von den 28 Deutschen haben acht keinen und 20 einen Migrationshintergrund. Die ausländischen Verdächtigen kommen aus Afghanistan, Bosnien-Herzegowina, Griechenland, dem Irak, Kroatien, Lettland, Marokko, Nigeria, Polen, Portugal, Rumänien und Somalia. Die Geschlechterverteilung ist dagegen eindeutig. Unter den 50 Personen befinden sich lediglich zwei Frauen.

Mit der Erhebung dieser Daten muss die heikle Debatte nicht beendet sein. Der CDU-Politiker Ruprecht Polenz etwa äußerte am Freitag indirekt Kritik am Vorgehen - „Stuttgart hat einen Migrationsanteil von 45 Prozent – in Deutschland hat jede/r 4. #Migrationshintergrund“, zitierte er auf Twitter aus einem Artikel der taz. „Wie könnte bei diesen Zahlen der Migrationshintergrund überhaupt relevant sein?“

Nach dem Einsatz von Stuttgart kursierte auch eine Tonaufnahme eines Polizisten, auf der sich der Beamte rassistisch geäußert haben soll. Laut Stuttgarter Polizei wurde der Vorfall überprüft. (kh)

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