Hohe Schadstoffwerte – Stadt: Autos sollen bis Donnerstag möglichst stehenbleiben

Stuttgart schlägt Luftalarm

Alarm auf großen Leuchttafeln: Die Stadt Stuttgart appelliert an alle Autofahrer, wegen schlechter Luftmesswerte bis kommenden Donnerstag besser auf Busse und Bahnen, Fahrrad oder Fahrgemeinschaften umzusteigen. Foto: dpa

stuttgart. Gleich nach dem Startwochenende, an dem Stuttgart seinen Plan für bessere Luft in Kraft gesetzt hat, wurden gestern Warnglocken geläutet: Miese Schadstoffwerte in der Schwaben-Hauptstadt – derart schlechte Luft, dass bis einschließlich Donnerstag Feinstaub-Alarm gilt.

Auto stehen lassen, Bus und Tram nutzen, als Pendler lieber per Regionalbahn in die City fahren: Mit solche Appellen versuchte Stuttgarts OB Fritz Kuhn (Grüne) seit Sonntag, die erste Wochenhälfte in Baden-Württembergs Hauptstadt möglichst autofrei zu bekommen. Zusätzlich hatte OB Kuhn darum gebeten, Holzöfen nicht mehr anzufeuern – in Baden-Württemberg heißen sie auch Komfortkamine. Die Wirkung des Feinstaubalarms im berüchtigten Talkessel am Neckar blieb gestern sehr überschaubar. Noch war die klirrend-kalte Luft klar, was sich nach der Prognose von Meteorologen aber schnell ändern dürfte.

Mit Bitten und Beschwörungen will Stuttgart seinen zweifelhaften Ruf als deutsche Hauptstadt der schlechten Luft loswerden. Aber: „Hilft die Freiwilligkeit nicht, folgt Zwang“, so der OB. Wenn Schadstoffwerte bis Ende 2017 nicht nachhaltig zurückgingen, werde es auch Fahrverbote geben müssen, sagte Kuhn.

Dem OB, dem grün-rot regierten Baden-Württemberg und der Bundesregierung sitzt die EU-Kommission im Nacken: Brüssel führt gegen Deutschland ein Vertragsverletzungsverfahren, weil – in Stuttgart extrem – zulässige Grenzwerte für Feinstaub und Stickstoffdioxid (NO2) vielfach überschritten werden. Brüssel fordert Taten, Feinstaub und Stickoxide machen Menschen krank. Auch deshalb rufen Umweltverbände nach ehrlicheren Verbrauchs- und Abgasangaben der Autobauer, ernsthaften Konsequenzen aus dem VW-Betrugsskandal um CO2 und Stickoxide.

Lange bevor VW den Betrug mit Abgaswerten im September 2015 zugab, warnten die Verbände vor Schmu: „Entscheidend sind nicht die Emissionen, die auf einem Prüfstand gemessen werden, sondern die Emissionen, die tatsächlich bei der Nutzung auf der Straße in die Luft gelangen. Die Bundesregierung muss durch Messungen auf der Straße die immer eklatanteren Abweichungen im realen Leben aufdecken und unterbinden“, sagte etwa Verkehrsexperte Axel Friedrich, bis 2007 Abteilungsleiter im Umweltbundesamt (UBA), schon im Herbst 2013.

Zu mehreren Dutzend Großstädten und Regionen, die die EU-Kommission wegen schlechter Luft im Visier hat, zählt neben Stuttgart auch Kassel. (mit dpa)  kommentar

Von Wolfgang Riek

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.