Kasseler Konzern setzt im Abwehrkampf auf Hilfe des Wirtschaftsministers

K+S sucht nach einem Retter - auch bei Sigmar Gabriel

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Gespräche in Berlin: Die K+S AG (im Bild das Kaliwerk Werra) bittet Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) um Hilfe. Gesprochen wurde auch über einen Einstieg der Staatsbank KfW.

Kassel. Der Kasseler Salz- und Düngemittelkonzern K+S will die Übernahme durch den kanadischen Rivalen Potash verhindern – und sucht dabei auch Hilfe bei Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). Das berichtete das Handelsblatt.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie bestätigte am Mittwoch, dass es „mehrere Gespräche mit den Beteiligten“ gegeben habe. Zu den Inhalten wollte man sich aber nicht äußern. Dabei sei auch ein Einstieg der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) im Gespräch gewesen, schrieb das Blatt unter Berufung auf Wirtschaftskreise.

Der Plan: Die KfW kauft K+S-Aktien, um eine Sperrminorität von 25 Prozent aufzubauen. K+S würde quasi einen alternativen Käufer – einen weißen Ritter – engagieren, und dafür die Möglichkeit einer Kapitalerhöhung nutzen. Dazu stünde K+S genehmigtes Kapital zur Ausgabe von 19 Millionen Aktien zur Verfügung.

Soll es richten: Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel.

Ein Einstieg der KfW-Staatsbank setzt aber voraus, „dass ein übergeordnetes Interesse“ besteht. Käme es zu einer Übernahme durch Potash, wären in Deutschland 10 000 Beschäftigte betroffen, allein an den Standortenin Nord- und Osthessen sind es 5900. K+S fordert gerichtsfeste Vereinbarungen hinsichtlich Standort- und Beschäftigungssicherung. Einen möglichen KfW-Einstieg wollte K+S gestern nicht kommentieren. Pressesprecher Michael Wudonig: „Wir prüfen alle uns zur Verfügung stehenden Optionen.“

Aus Sorge um die Arbeitsplätze sprach sich vergangene Woche im hessischen Landtag eine große Mehrheit für eine Unterstützung des Kali-Konzerns und gegen eine Übernahme durch Potash aus. „Uns geht es um die Standorte, uns geht es um die Arbeitsplätze“, sagte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU).

„Aus meiner Sicht gibt es keine überzeugenden Antworten von Potash zu Standort- und Beschäftigungsgarantien. Gleiches gilt für die Frage wie das hohe Invest wieder verdient werden soll“, sagte Thorsten Schäfer-Gümbel, Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion gestern. All das mache ihn „bösgläubig und deshalb werde ich meine bescheidenen Möglichkeiten nutzen, damit K+S eigenständig bleibt“.

Frage des Kartellrechts

Mit einem konkreten Übernahmeangebot könnten sich die Kanadier viel genauer bei den Kasslern umschauen. Bei einer so genannten Due-Diligence-Prüfung müsste K+S einen sehr tiefen Blick in die Bücher erlauben. „Dabei wird jede Ecke des Konzerns ausgeleuchtet, da werden Dinge offengelegt, die man der Konkurrenz besser nicht verrät, etwa die Vertriebswege in Brasilien“, sagt Oliver Schwarz, Analyst bei Warburg-Research. In Brasilien könnte es „kartellrechtlich interessant werden. Dort hat der vergrößerte Potash-Konzern eine deutlich stärkere Marktposition.“ Fraglich ist, ob die Wettbewerbshüter in Brasilien einer Übernahme zustimmen würden. Keine Bedenken hat Schwarz in Europa: In Großbritannien soll eine größere Mine in Betrieb gehen, beliefert werde Deutschland mit Kaliprodukten aus Russland, Weißrussland und Israel. Potash sei auf dem europäischen Markt bislang kaum vertreten, sie würden quasi nur das Geschäft von K+S übernehmen.

K+S hatte Anfang Juli Übernahmegespräche mit den Kanadiern abgelehnt, unter anderem weil das Potash-Angebot mit 41 Euro pro Aktie als zu niedrig erachtet wurde.

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