Umsetzung ginge auf Kosten von Hessen

Suedlink: Bayerns Vorschlag könnte Jahre kosten

Sorgt für Verwunderung: Ilse Aigner (CSU).

Kassel. Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) plädiert für eine Verlegung der Stromtrasse Suedlink - die soll auf Kosten von Hessen gehen und würde den Bau verzögern

Ein Vorschlag aus Bayern sorgt in Hessen für heftigen Gegenwind: Die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) plädiert für eine Verlegung der Suedlink-Trasse nach Westen. Dadurch würde die Stromtrasse, mit der ab 2022 Strom von der Nordsee nach Bayern transportiert werden soll, statt durch Bayern hauptsächlich durch Baden-Württemberg und Hessen gehen. Der hessischen Landesregierung passt dieser Vorschlag gar nicht. Schließlich ist der Bau der Leitung ohnehin umstritten.

Am Wochenende berichtete der Bayerische Rundunk (BR) über die Idee Aigners. Hintergrund: die unterfränkische Region dürfe nicht zur nationalen Stromdrehscheibe werden. Aigner, so der BR, habe indirekt eine Blockade der Netzausbaupläne angekündigt. Denn neben Suedlink gibt es noch eine weitere Trasse, die von Thüringen nach Bayern führt.

Das Thema schlug offenbar jetzt auf, weil eine Vorschlagsfrist für den Netzentwicklungsplan 2024 am vergangenen Freitag endete - das vermuten einige Politiker. Gestern legte der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) nochmal nach. Baden-Württemberg brauche den Suedlink ohnehin. Nun gehe es nur darum, wo man einen Zweig nach Bayern führe. „Der kann nur durch Hessen gehen,“ betonte Seehofer.

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Nicht nur, dass die hessischen Landtagsabgeordneten den plötzlichen Vorschlag für dreist und unverschämt halten. Die Idee aus Bayern könnte für eine erhebliche Verzögerung des Trassenbaus führen.

Denn durch die Verlegung würde Suedlink auch an einer anderen Stelle enden. Statt in Grafenrheinfeld in Unterfranken wäre der Endpunkt in Grundremmingen und liefe dem Vorschlag Bayerns zufolge damit nur ein Stück über bayerisches Terrain.

Eine Änderung würde viel Verzögerung bedeuten und könnte Jahre dauern, sagte Markus Lieberknecht, Pressesprecher von Tennet, dem künftigen Netzbetreiber. 2022 sollen die letzten Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Ob Suedlink bis dahin fertig wäre, stellt Lieberknecht in Frage.

Schließlich müsste auch der Netzbedarf neu berechnet werden. Das sieht auch das hessische Wirtschaftsministerium so: Der Vorschlag würde eine Gesetzesänderung bedeuten, sagte Sprecher Wolfgang Harms. Das Bundesbedarfsgesetz müsste unter Beteiligung des Bundesrates geändert werden. „Das ist nicht besonders aussichtsreich. Wir halten das für ein Ablenkungsmanöver.“

In den kommenden zwei Wochen soll die Bundesnetzagentur ihre Pläne für das künftige deutsche Stromnetz vorlegen.

Stimmen aus Hessen:

Tarek Al-Wazir (Grüne, Wirtschaftsminister): Zum Vorschlag aus Bayern: „An Dreistigkeit nicht zu überbieten.“

Timon Gremmels: (SPD, Energiepolitischer Sprecher): „Statt gemeinsam für eine Bedarfsüberprüfung und mehr Erdkabel zu kämpfen, will Seehofer eine Lösung zu Lasten Hessens. Bouffier muss seinen Unionsfreund und den bayrischen Energieseperatismus stoppen.“

Florian Rentsch, (Vorsitzender der FDP-Fraktion): „Mit dem Vorschlag Aigners und der Rechtfertigung Seehofers erreicht die Debatte um die SuedLink-Trasse eine neue Dimension der Absurdität! Wenn weiterhin Populismus statt Vernunft die Energiepolitik in unserem Land dominiert, wird die Energiewende vollständig gegen die Wand fahren.“

Volker Bouffier (CDU, Ministerpräsident): „Egal, was in Bayern gedacht, geredet oder geschrieben wird, es wird keine Verlagerung der Trassenführung gegen die hessischen Interessen geben.“

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