Südlink: Vorfahrt für Erdkabel bleibt

Kassel. Es bleibt dabei - auch in Nordhessen und Südniedersachsen gilt weiter, was Kanzlerin Angela Merkel (CDU), SPD-Chef Sigmar Gabriel (SPD) und der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer Anfang Juli verabredet haben.

Beim Stromnetz-Ausbau sollen neue Hochspannungstrassen vorrangig mit Erdkabeln gebaut werden - wenn es um die Übertragung von Gleichstrom geht. Und damit um die Südlink-Verbindung zwischen Wilster an der Elbe und Grafenrheinfeld in Bayern, die mit einiger Wahrscheinlichkeit quer durch unsere Region und westlich an Kassel vorbei laufen könnte. In weiten Bereichen heißt das: neu planen.

Für ein zweites Großprojekt, nämlich Wahle - Mecklar, das aus dem Raum Braunschweig die Übertragungskapazität in den Raum Fulda erhöhen soll, gilt die Erdkabel-Vorfahrt aber nicht. Diese Leitung soll östlich an Kassel vorbei. Nur acht von 230 Kilometern sind mit Erdverkabelung geplant - dafür ist dieses Projekt schon im Genehmigungsverfahren der Länder Hessen und Niedersachsen. Für Südlink hat die Bundesnetzagentur noch nicht einmal Trassenkorridor-Vorschläge des Netzbetreibers Tennet akzeptiert.

Der große Unterschied zwischen Südlink und Wahle - Mecklar: Südlink überträgt Gleichstrom, Wahle - Mecklar aber Wechselstrom. Und für Wechselstrom-Leitungen „ist der Einsatz von Erdkabeln aus Kostengründen riskanter und aus technischen Gründen erheblich schwieriger“, hieß es aus dem Bundeswirtschaftsministerium auf Anfrage unserer Zeitung.

Unmöglich ist er nicht: Westlich von Göttingen sind 5,5 Kilometer der Wahle-Mecklar-Trasse in Erdverkabelung geplant. Der Grund: Freileitungen stünden zu nahe an Siedlungsbereichen. Weitere 2,4 Kilometer Erdkabel zweigen nördlich von Einbeck zum Pumpspeicherkraftwerk Erzhausen ab - hier hat das Kabel laut Netzbetreiber Tennet technische Ursachen.

Ganz vom Tisch sind längere Erdkabel für neue Wechselstrom-Leitungen allerdings nicht. Auf der Netzausbau-Liste sollen laut Bundesregierung zwei weitere Vorhaben für streckenweise Kabel im Erdreich vorgesehen werden, um „belastbare Betriebserfahrungen im realen Netzbetrieb zu sammeln“.

Bundesrat und Bundesregierung liebäugeln trotz höherer Kosten und fehlender Praxiserfahrung mit der unsichtbaren Alternative zu den 70 Meter hohen Mastenreihen quer durchs Land. Es geht um Kritiker und Bürgerinitiativen entlang der Trassen: „Durch eine Teilerdverkabelung kann möglicherweise die Akzeptanz gesteigert werden, indem insbesondere optische Eingriffe in das Landschaftsbild reduziert werden“, schreibt das Bundeskabinett an die Länderkammer.

Gruppen von Gegnern auch in unserer Region, die den Leitungsbau ganz grundsätzlich als überflüssig ablehnen, dürfte dieses Argument nicht überzeugen. Anders Tjark Bartels, SPD-Landrat von Hameln-Pyrmont und Sprecher des Bündnisse der 21 Landkreise, die Südlink nicht von vornherein kippen wollen, allerdings mehr Erdverkabelung fordern: „Aufgabe der Landkreise ist es nun, den Fortgang des Gesetzgebungsverfahrens genau zu begleiten und dafür Sorge zu tragen, dass der Vorrang für Erdverkabelung nicht durch zu viele Ausnahmen verwässert wird“, sagte Bartels unserer Zeitung.

Das komplette Papier der Bundesregierung

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