Energieversorger Mainova will Pflanzen züchten, um Kohlendioxid abzubauen

Super-Alge gegen Abgase

Futuristischer Anblick: Janine Schneider, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Landschaftsökologie der Uni Gießen, sieht sich in einem Frankfurter Mainova Heizkraftwerk verschiedene Algensorten an. Foto: dp a

Frankfurt. Neun Reagenzgläser mit einer blubbernden, leuchtend grünen Flüssigkeit sind im Frankfurter Heizkraftwerk West aufgebaut. Was aussieht wie ein Experiment aus dem Hause Düsentrieb, ist der Versuch des hessischen Energieversorgers Mainova, seine CO2-Bilanz zu verbessern. Zusammen mit Umweltwissenschaftlern der Universität Gießen sucht Mainova die Super-Alge – eine, die bei der Photosynthese möglichst viel Kohlenstoffdioxid verbraucht.

Dafür leiten die Wissenschaftler im Kraftwerk freigesetztes Rauchgas in eine Nährlösung mit unterschiedlichen Mikroalgen. Die sich unter diesen Bedingungen am besten entwickelnde Art soll ab Frühjahr 2012 in einem Becken auf dem Dach des Kraftwerks gezüchtet werden und dort einen Teil des bei der Energieproduktion entstehenden Treibhausgases vernichten.

800 Kilogramm Algen sollen dabei jährlich produziert werden, wobei etwa 1,6 Tonnen CO2 abgebaut werden könnten. „Wir können das Rauchgas entweder in die Luft ablassen oder versuchen, es sinnvoll zu nutzen“, erklärt Mainova-Technikvorstand Peter Birkner.

Anstatt teure CO2-Zertifikate zu kaufen, könne man an den gezüchteten Algen sogar noch verdienen, indem man sie wieder in Kraftstoff umwandle oder an die Kosmetik- oder Tierfutter-Industrie verkaufe. Die von den Algen gebundene Kohlenstoff-Menge ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, sagt Bernd Epple, Professor am Institut für Energiesysteme und Energietechnik an der Universität Darmstadt – im Vergleich zu den 900 000 Tonnen CO2, die das Frankfurter Kraftwerk jährlich ausstößt.

In dem Verfahren sieht er aber durchaus einen Beitrag zur CO2-Reduzierung. Die Emissionen aller deutschen Kraftwerke auf diese Art einfangen zu wollen, sei allerdings illusorisch. „Da bräuchte man wahrscheinlich die Fläche von ganz Deutschland“, vermutet Epple. Mainova will die Algenzucht in Zukunft dennoch im großen Stil betreiben. „Wer weiß, vielleicht haben wir ja im nächsten Jahr schon die Superturbo-Alge“, sagt der Technikvorstand.

Viel Potenzial vorhanden

Auch andere Energieversorger suchen nach biologischen Methoden zur CO2-Fixierung. RWE beispielsweise hat mit der Zwingenberger Biotech-Firma Brain eine Methode entwickelt, mit Mikroorganismen Kohlendioxid zu binden. Vorteil dieser Methode: Die Organismen können ohne Licht in einem geschlossenen Behälter arbeiten, während die Algen zur Photosynthese Licht benötigen.

Diesen speziellen Mikroorganismen könne man zum Beispiel beibringen, Bio-Plastik herzustellen. „Es steckt noch wahnsinnig viel Potenzial in unbekannten Algen“, sagt Algenforscherin Janine Schneider von der Universität Gießen. Von schätzungsweise einer Million Algenarten seien bisher nur rund 300 000 bekannt. (lhe)

Von Stephanie Kirchner

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