Auf dem Genfer Automobilsalon sind vor allem kompakte Modelle

SUVs sind im Trend: Vor- und Nachteile der Wagen

Der beliebteste SUV: Der Tiguan von VW ist auch in Genf dabei. Sechs der acht geplanten neuen Modelle sollen einen Allradantrieb haben. Der 180 PS starke Benziner mit 7,3 Liter Normverbrauch stößt 168 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Zu haben ab April ab knapp 35 000 Euro. Foto: VW

SUVs liegen im Trend. Die Zwitter von Limousine und Geländewagen machten 2015 hierzulande über 20 Prozent der Neuzulassungen aus.

Es könnten noch mehr werden: Auf dem Genfer Autosalon fahren die Hersteller ihre neuen SUV-Modelle auf.

Die Autohersteller kommen am SUV nicht mehr vorbei. Mehr als 600.000 der Limousinen mit Geländewagen-Anleihen rollten 2015 neu auf Deutschlands Straßen, und im Januar verzeichnete das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg bei den Zulassungszahlen ein Plus von 22 Prozent im Vorjahresvergleich. Noch mehr schafften nur noch Sportwagen (+37,7 Prozent). Doch woher kommt die Liebe zu den Hochgebockten?

Die Käufer 

Urvater der SUVs: Der Toyota RAV 4. Neu aufgelegt gibt es ihn als Hybridmodell mit Benzin- und Elektromotor. Foto: Toyota

Seit etwa fünf Jahren beobachten auch nordhessische Autohändler einen Trend zu den Ablegern des Geländewagens. „Besonders ältere Menschen entscheiden sich für einen SUV, weil sie in den Wagen höher einsteigen und somit besser aussteigen können“, erklärt Karl-Heinz Ahrend, Verkaufsleiter des Autohauses Ostmann in Wolfhagen. Der höhere Komfort sei für viele Kunden ausschlaggebend.

Denn die Autokäufer kommen in die Jahre: Wer sich 2015 ein neues Fahrzeug angeschafft hat, war nach einer Analyse des CAR-Instituts an der Universität Duisburg-Essen im Schnitt 53 Jahre alt. Das liegt deutlich über dem Schnitt der Gesamtbevölkerung von knapp 44 Jahren. Weil manche SUVs bereits ab 12.000 Euro zu haben sind, sei die Käuferschicht aber ganz unterschiedlich, sagt Ahrend.

Die Vorteile 

Mehr Überblick und Sicherheitsgefühl: „Der Fahrer hat mehr Autoraum um sich, als bei einem Kleinwagen, so fühlt man sich sicherer im Straßenverkehr“, erklärt ein Verkäufer der BMW Niederlassung in Kassel. Oftmals geht es aber auch nur um das Prestige. „Die Wagen sind einfach hip“, sagt Jürgen Neuwelt, Prokurist bei Auto Damm Nissan in Kassel. Der beliebte VW Tiguan und der Nissan Qashqai seien nur unwesentlich länger als ein Golf. Viele der SUVs sind, besonders wenn sie mit Allradantrieb ausgestattet sind, außerdem wirklich für Fahrten im Gelände geeignet.

Die Nachteile 

Der Spritverbrauch der Wagen liegt deutlich über dem Verbrauch von kleineren Autos. Der Cw-Wert, der den Luftwiderstand eines Fahrzeugs misst, sei bei vielen SUVs höher als bei anderen Fahrzeugen.

Außerdem ist ein vermeintlich für das Gelände ausgelegter Wagen nicht immer leicht im Stadtverkehr zu händeln, vor allem die Parkplatzsuche kann zum Problem werden. Auch das dürfte ein Grund dafür sein, dass die Hersteller in Genf auf Kompaktmaß geschrumpfte SUVs zeigen. Wer sich für den Soft-Geländewagen interessiert, sollte sich zudem bei seiner Kfz-Versicherung schlau machen: Die Prämien sind oft höher als für andere Modelle mit gleicher Motorisierung.

Die Hersteller 

Kein anderes Fahrzeugsegment wächst gegenwärtig so kräftig wie das der SUVs. In der Regel haben diese Autos gute Gewinnmargen, doch in gut 60 Prozent von ihnen arbeitet ein Dieselmotor. Strengere Abgas-Vorschriften könnten die Hersteller in die Bredouille bringen.

Technik-ABC 

• SUV ist die Abkürzung für Sport Utility Vehicle, etwa Sport- und Nutzfahrzeug. Gemeint ist ein Pkw, der einem Geländewagen ähnelt, aber ähnlich bequem ist wie eine Limousine. Im englischen Sprachgebrauch heißen diese Autos crossover SUV.

• Geländewagen sind nicht gleich SUV. Ein großer Unterschied steckt im Getriebe: Geländewagen haben Extragänge mit kurzer Übersetzung, in denen der Motor bei niedriger Geschwindigkeit hoch dreht und viel Kraft auf die Straße bringt. Eingesetzt wird das in unwegsamen Gelände oder beim Ziehen schwerer Anhänger.

• Differenzialsperre: Differenziale gleichen Drehzahlunterschiede zwischen den Rädern aus - etwa, wenn man um die Kurve fährt. Die Differenzialsperre stellt eine starre Verbindung zwischen den Rädern einer Achse oder zwischen Vorder- und Hinterachse her. So drehen die Räder nicht durch. Geländewagen haben zumindest als Option diese Sperre, SUV nicht immer.

• Allradantrieb: Hier werden alle Räder eines Fahrzeugs angetrieben. Deshalb werden diese Autos auch AWD (all wheel drive) oder 4x4 genannt. Konventionelle Autos haben einen Vorder- oder Hinterradantrieb.

• Traktionskontrolle: Auch Antischlupfregelung genannt. Sie sorgt dafür, dass die Räder beim Anfahren mit viel Gas oder auf schlechtem Untergrund nicht durchdrehen. Das System hat bei den Autoherstellern unterschiedliche Bezeichnungen, oft heißt es ASR.

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