Grapscher im Rathaus

Syke: Ex-Bürgermeister akzeptiert Strafe „ohne Schuldeingeständnis“

Syke. Der frühere Bürgermeister von Syke, Harald Behrens, hat eine Disziplinarstrafe wegen sexueller Belästigung von zwei Mitarbeiterinnen im Rathaus „ohne Schuldeingeständnis“ akzeptiert.

Der 67-Jährige folgte gestern einem Vorschlag des Verwaltungsgerichts Hannover. Im Gegenzug milderte der Landkreis Diepholz die Kürzung des Ruhegehalts von Behrens etwas ab. Die Pension wird jetzt nicht mehr für zwölf, sondern nur noch für zehn Monate um zehn Prozent gekürzt; das macht monatlich 259 Euro weniger aus.

Damit fand der von Behrens angestrengte Prozess gegen die vom Landkreis ausgesprochene Disziplinarverfügung ein schnelles Ende. Das Gericht musste die beiden geladenen Zeuginnen nicht mehr vernehmen, die Frauen zeigten sich mit diesem Ausgang der für sie mehr als unangenehmen Vorgänge einigermaßen zufrieden – insbesondere weil die vom Landkreis ausgesprochene Strafe weitgehend Bestand behält.

Behrens war im Juni 2013 nach zwölf Jahren im Amt auf eigenen Antrag mit Billigung des Rates in den Ruhestand versetzt worden. Einen Zusammenhang mit dem kurz zuvor eingeleiteten Disziplinarverfahren stritt er damals wie auch jetzt vehement ab. „Ich wollte einfach mit 65 in Pension gehen und nicht die volle Amtszeit bis 67 ausschöpfen.“

Die vom Gericht vorgetragene Liste der Vorwürfe gegen den Bürgermeister war lang und unappetitlich. So soll Behrens 2012 die damals 22-jährige Vorzimmer-Mitarbeiterin in der Teeküche und am Schreibtisch mehrmals an Taille, Hüfte und Po unsittlich berührt haben. Ihre damals 30-jährige Kollegin musste sich danach etliche Küsse auf Mund, Ohren und Dekolleté gefallen lassen. Der Vorgesetzte soll ihr auch das Jackett geöffnet haben.

Wegen dieser Vorfälle hat auch die Staatsanwaltschaft Verden nach eigenen Angaben strafrechtliche Vorermittlungen gegen Behrens geführt, diese aber im Dezember 2014 ohne Einleitung eines förmlichen Verfahrens beendet.

Im Disziplinarverfahren vor dem Landkreis und jetzt auch vor dem Verwaltungsgericht wies Behrens sämtliche Vorwürfe als „befremdlich“ und „verletzend“ zurück. Dahinter habe möglicherweise auch eine politische Intrige gesteckt. Außer bei kollegial-freundlichen Begrüßungsküsschen habe er sich seinen Mitarbeiterinnen nicht genähert. Im Übrigen, erklärte seine Rechtanwältin Melanie Gremmel aus Lüneburg, müsse man sich schon fragen, ob die Zeuginnen ihre Ablehnung gegen diese im Rathaus üblichen Grußrituale „hinreichend deutlich gemacht“ hätten.

Angesichts der sich widersprechenden Aussagen und angesichts der Tatsache, dass Behrens‘ Ausscheiden aus dem Amt „für eine gewisse Befriedung gesorgt“ habe, regte Richter Jens Schade eine Rücknahme der Klage gegen Reduzierung der Strafe an. Behrens griff zu. „Das ist kein Schuldeingeständnis“, aber er wolle den beiden Frauen eine Zeugenaussage vor Gericht ersparen.

Von Peter Mlodoch

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