Talk bei Maischberger

Syrer soll über Zuwanderung diskutieren - doch er bleibt nur ein stummer Statist

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Bei Sandra Maischberger wurde am Mittwoch rege über Sinn und Unsinn von Zuwanderung diskutiert. Auch ein Syrer saß mit in der Runde - doch zu einem Dialog mit ihm kam es nicht.

Mittwoch war Tag 1 der Koalitionsverhandlungen, und eins der Top-Themen auf der Agenda von Schwarz-Gelb-Grün lautet: Bekommt Deutschland ein Einwanderungsgesetz? Am gleichen Abend wurde im Polittalk von Sandra Maischberger genau darüber diskutiert: „Ausländer rein! Was bringt ein Einwanderungsgesetz?“ lautete der Titel der Sendung. 

Die Haltungen der Talkgäste verliefen klar nach Parteigrenzen: Volker Beck als Vertreter der Grünen warb für ein Punktesystem, um vor allem Fachkräfte nach Deutschland zu locken. Eins dürfe dabei aber nicht passieren: „Die Menschen, die wir brauchen und die Menschen, die uns brauchen, weil sie verfolgt sind“, miteinander verrechnen. 

Auch für FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) steht fest, dass Deutschland die gezielte Einwanderung von Fachkräften braucht: „Deutschland fühlt sich wohl wie eine dicke Katze, schnurrt, alles ist paletti, und die Menschen merken gar nicht, dass um sie herum der Zug weiterfährt.“

Wolfgang Bosbach (CDU) - der in der Sendung diesmal nicht für einen Eklat sorgte wie bei seinem letzten Besuch -, hält ein Einwanderungsgesetz dagegen für überflüssig (“Wir sollten nicht so tun, als ob wir jetzt einen gesetzlosen Zustand haben“). 

Syrer fand nicht in die Diskussion hinein

Sandra Maischberger hatte auch zwei Talkgäste mit Migrationshintergrund in die Runde geladen. Während die charismatische und redegewandte Schauspielerin Renan Demirkan sehr ausführlich über die Geschichte ihres Vaters, eines türkischen Gastarbeiters, erzählte, wirkte ein in die Runde geladener Syrer wie ein stummer Statist. 

Alan Ezzat durfte zwar seine dramatische Flucht aus Syrien schildern und beklagen, dass er seine Frau und sein zweijähriges Kind nicht nach Deutschland nachholen darf, weil die Große Koalition im Februar den Familiennachzug ausgesetzt hat. Doch danach fand er nicht mehr in die Diskussion hinein, und Sandra Maischberger war ihm dabei auch keine Hilfe. 

So blieb der syrische Leiharbeiter 20 Minuten lang ein stummer Statist, über den, aber nicht mit dem diskutiert wurde. Der Syrer konnte nur stumm dabeisitzen, während ihm die Fachbegriffe nur so um die Ohren flogen. Um sich selbst wieder in die Diskussion einzuschalten, dafür waren seine eigentlich bemerkenswerten Deutschkenntnisse dann wohl doch nicht ausreichend. 

Erst als das Schlusswort schon gesprochen war und Maischberger Alan Ezzat viel Glück für die Zukunft wünschte, wagte der eingeschüchtert wirkende Syrer es, nochmal das Wort zu ergreifen. „Kann ich noch ein bisschen über Integration reden?“, fragte er vorsichtig - doch das war nicht mehr möglich, die Sendezeit war vorbei. Der, über den da die ganze Zeit gefachsimpelt wurde, konnte nichts mehr sagen. Und es blieb der fade Beigeschmack, dass er vielleicht nur der Quoten-Migrant gewesen ist.  

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