Flugabwehrgranate aus Syrien trifft Türkei

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Türkische Soldaten vor einem Krankenwagen (Archivbild).

Ankara - Ein syrisches Flugabwehrgeschoss ist am Dienstag in einem Gesundheitszentrum in der türkischen Grenzstadt Reyhanli eingeschlagen.

Angesichts immer neuer Kämpfe im syrischen Bürgerkrieg scheint eine vom internationalen Sondergesandten Lakhdar Brahimi vorgeschlagenen Waffenruhe ab Freitag zunehmend unwahrscheinlich. Am Dienstag schlug ein syrisches Flugabwehrgeschoss in einem Gesundheitszentrum der türkischen Grenzstadt Reyhanli ein, verletzte aber niemanden. Es könnte von regierungstreuen Streitkräften abgefeuert worden sein, die auf syrischer Seite in Haram Rebellen bekämpften, berichtete die türkische Nachrichtenagentur Dogan. Ein syrischer Oppositionsführer hielt Brahmis Plan für einen Waffenstillstand für zu vage.

„Brahimi hat keine Mittel, um die Situation zu beobachten“, sagte Abdelbasset Sieda, Vorsitzender des oppositionellen syrischen Nationalrats, der Nachrichtenagentur AP am Dienstag. Der Sondergesandte von UN und Arabischer Liga hatte die Konfliktparteien dazu aufgerufen, während des am Freitag beginnenden muslimischen Opferfests vier Tage lang die Waffen ruhen zu lassen. Weder der syrische Präsident Baschar Assad noch die Rebellen haben sich aber bislang dazu verpflichtet.

Terroranschlag auf Moskauer Flughafen

Terroranschlag auf Moskauer Flughafen

In Beirut, der Hauptstadt von Syriens Nachbarland Libanon, kehrte am Dienstag nach tagelangen Unruhen wieder Normalität ein. Dort war am Freitag eine Autobombe explodiert, die den Geheimdienstchef Wissam al Hassan und sieben weitere Menschen tötete. Demonstranten protestierten danach gegen die Regierung, die aus ihrer Sicht zu enge Beziehungen zum Assad-Regime pflegt.

Kämpfe um strategisch wichtige Achse Damaskus-Aleppo

Aktivisten berichteten aus Syrien erneut von Kämpfen zwischen Streitkräften der Regierung und Rebellen entlang der Achse Damaskus-Aleppo. Kampfflugzeuge hätten die Stadt Maaret al Numan und das Dorf Mar Shamshe beschossen. Die Verbindung zwischen der Hauptstadt Damaskus und der nahe der türkischen Grenze gelegenen Handelsmetropole Aleppo ist von strategischer Bedeutung. Derzeit scheinen Assads Streitkräfte Probleme dabei zu haben, Nachschub Richtung Aleppo zu liefern. Dort kämpfen Rebellen und Regierungstruppen seit Wochen um die Vorherrschaft.

Die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte beziffert die Zahl der Toten im Bürgerkrieg mittlerweile auf über 34.000. Eingerechnet seien Zivilisten, Rebellen und mehr als 8.000 getötete Regierungssoldaten, sagte Rami Abdul-Rahman, Chef der Beobachtungsstelle. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass sich die Konfliktparteien auf einen Waffenstillstand vorbereiteten. „Solange wir keine Beweise am Boden sehen, bleibt das ein Traum“, sagte Abdul-Rahman zur Initiative Brahimis.

Terrorlager in Pakistan

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In Genf stellte das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) am Dienstag neue Zahlen zu syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen vor. Demnach sind mittlerweile jeweils gut 100.000 Syrer in den Libanon, nach Jordanien und in die Türkei geflohen. Der Irak habe bereits mehr als 42.000 Flüchtlinge aufgenommen, sagte UNHCR-Sprecherin Melissa Fleming. In Nordafrika seien rund 6.800 Syrer registriert. Insgesamt sind damit seit Beginn der Aufstände vor 19 Monaten mindestens als 350.000 Menschen geflüchtet. Fleming ging allerdings von Zehntausenden weiteren Menschen aus, die nicht in Flüchtlingslagern leben.

Von Karin Laub und Bassem Mroue

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