Vertreter des Staates und Körperkunst

Tattoos bei Polizisten - Ein Pro und Kontra

Sollte man Tattoos bei Polizisten verbieten? Diese Frage lässt sich nicht einfach beantworten. Es muss zwischen der Rolle der Beamten als Vertreter des Staates und den individuellen Freiheitsrechten der Polizisten abgewogen werden. Ein pro und Kontra von Jonathan Vorrath und Petra Wettlaufer-Pohl.

Pro: Auf Neutralität achten

Bunt bemalte Polizisten – das geht nicht. Zumindest

Jonathan Vorrath

nicht an Körperteilen, die öffentlich sichtbar sind. Ein Tattoo passt nicht zum Erscheinungsbild eines Beamten. Das gilt besonders dann, wenn es sich bei der Tätowierung um politische, verbotene und anzügliche Symbole und Abbildungen handelt.

Zur Ästhetik von Tattoos mag man stehen, wie man möchte. Aber Polizeibeamte müssen als Vertreter des Staates auch in ihrem Erscheinungsbild Neutralität wahren. Das ist unmöglich, wenn sie aussagekräftige Symbole und Embleme am Körper tragen. Was müsste sich wohl ein Fußballschiedsrichter bei der Arbeit im Schalker Stadion anhören, wenn ein gelbes BVB-Logo in Form einer Tätowierung auf seinem Unterarm prangte? Genau wie

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bei langen Haaren, Piercings und Ohrringen muss auch bei Tattoos an die Sicherheit der Beamten gedacht werden. Auffällige Körperkunst ist nicht nur bei der Fahndung nach Straftätern ein Wiedererkennungsmerkmal. Auch Streifenpolizisten können andersherum von ungebetenen Gästen anhand von Tätowierungen identifiziert werden, wenn sie nicht im Dienst sind.

Kontra: Verbote überzogen

Persönlich kann ich Tattoos nichts abgewinnen. Aber die Zeiten sind vorbei, in denen nur finstere Gestalten Tätowierungen trugen. Heute sind sie für viele

Petra Wettlaufer-Pohl

Menschen selbstverständlicher Körperschmuck und damit Teil ihrer Privatsphäre.

Die meisten wissen, wie viel Sichtbares sich mit ihrem beruflichen Auftreten verträgt. Das heißt, auch Polizeibeamte verwechselt man nicht mehr automatisch mit ihrer „Kundschaft“, nur weil man ein Tattoo sieht, das möglicherweise unter dem Kurzarmhemd im Sommer hervorlugt – mal ganz abgesehen davon, dass es sich bei der Polizei kaum um ein Massenphänomen handeln dürfte. Darauf mit Verboten zu reagieren, ist überzogen und dürfte wegen zu erwartender Klagen nur teuer werden.

Den Staat repräsentieren die Beamten schon durch die Uniform. In gefährlichen Lagen sind sie sowieso bis zur Unkenntlichkeit vermummt. Dass Ohrringe oder Piercings Verletzungsgefahren bergen, wissen Polizisten ohnehin. Wer lange Haare hat, trägt im Dienst Pferdeschwanz, weil das praktischer ist. Dazu braucht man keine Verbote, sondern Verstand.

Rubriklistenbild: © dpa

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