Windräder werden für tausende Fledermäuse und Vögel zur Todesfalle

Hannover. Die neue Landesregierung will die Windkraft „natur- und artenschutzverträglich“ ausbauen. Die Rotoren werden jedes Jahr für tausende Vögel und Fledermäusen zu Todesfallen.

Durch Zusammenstöße mit Windrädern kommen nach Einschätzung von Tierschützern jährlich tausende Fledermäuse und Vögel in Niedersachsen ums Leben. Die genaue Zahl ist allerdings unklar. Die Zahl von 450 toten Vögeln und Fledermäusen, die in den vergangenen zehn Jahren landesweit an Windrädern gefunden wurden, gilt nur als ein Bruchteil der verunglückten Tiere.

Unter den 234 getöteten Vögeln, die seit 2002 unter den Anlagen lagen, waren die häufigsten Arten Stockente, Lachmöwe, Mäusebussard und Rotmilan. Zudem seien 214 Fledermäuse getötet worden, teilte das Umweltministerium auf Anfrage der FDP-Landtagsfraktion in Hannover mit. Fledermaus-Experten gehen von deutlich höheren Verlusten aus. Nach ihren Berechnungen sterben rund 220 000 Tiere pro Jahr an Deutschlands Windenergieanlagen. Häufig sind bedrohte Arten betroffen.

Die FDP im Landtag will verhindern, dass Windräder zu Todesfallen für viele Tiere werden. „Wir möchten keine Windkraftanlagen im Wald haben“, sagte der FDP-Abgeordnete Gero Hocker am Montag der dpa. Die Energiewende sei richtig und wichtig. „Wir können aber den Naturschutz nicht der Energiewende opfern.“

Die neue rot-grüne Landesregierung plant nach eigenen Worten einen „natur- und artenschutzverträglichen Ausbau der Windenergie und prüft in diesem Zusammenhang auch Maßnahmen zum Schutz der betroffenen Tiere.“ Um Fledermäuse vor Zusammenstößen zu bewahren, könnten Windräder zeitweise abgeschaltet werden. Die Insektenjäger kommen nach Studien vor allem in warmen Nächten von Juni bis September an den Anlagen zu Tode.

Wissenschaftler der Uni Hannover haben gemeinsam mit Kollegen der Uni Erlangen-Nürnberg das Risiko der Zusammenstöße der Fledermäuse mit Windrädern untersucht. Sie empfehlen zeitweise Abschaltungen, da die seltenen Tiere zum Beispiel bei starkem Wind gar nicht fliegen. Solche temporären Abschaltungen könnten artenschutzrechtlich erforderlich sein, erklärte das Umweltministerium. Es geht nicht davon aus, „dass derartige Abschaltungen eine Verschlechterung der Versorgungssicherheit bewirken können“.

Der NABU Niedersachsen begrüßte, dass das Ministerium den Tierschutz beim Ausbau Windkraft stärker in den Blick nehmen will. „Entscheidend ist nicht die Größe der Anlage, es kommt auf den Standort an“, sagte NABU-Sprecher Ulrich Thüre der dpa. Der Bundesverband Windenergie erklärte auf dpa-Anfrage, dass der Tierschutz schon jetzt bei der Ausweisung neuer Gebiete eine große Rolle spiele. „Sie kriegen keine Baugenehmigung für Windkraft in einem Vogelschutzgebiet“, sagte Verbandssprecher Matthias Hochstätter. (dpa)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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