Umstrittener Bischofssitz in Limburg

„Tebartz 21“ erntet für „Limburg 31“ Spott und Häme über Twitter

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Limburgs Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst

Frankfurt/Limburg. Die Twitter-Gemeinde hat den Limburger Bischof entdeckt. Minütlich mehrt sich der Sturm in dem Online-Netzwerk.

Die Kosten für den neuen Bischofssitz explodieren, es droht eine Anklage wegen Falschaussage, sein Rücktritt wird gefordert - und auch im Internet erntet Limburgs Bischof am Dienstag nur noch Spott und Häme. Unter anderem wird das wenig ernst gemeinte Gerücht gestreut, Franz-Peter Tebartz-van Elst ziehe in den Limburger Dom. Dieser werde wegen der Kirchenaustritte ja eh kaum genutzt, außerdem sei der neue Bischofssitz zu klein trotz der Kosten von 31 Millionen Euro.

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Wenig Gedanken müsste sich der Kirchenmann nach Überzeugung der Twitter-Fans über einen neuen Job machen, sollte er seinen alten nicht behalten dürfen: „Tebartz qualifiziert sich als Leiter Bahnhofs-Mission S21, Flughafen-Seelsorger beim BER und Chorleiter in der Elbphilharmonie“, schlägt das Twitter-Team der NDR-Satire-Sendung „extra 3“ vor - „anschließend mit Papst Franziskus Eröffnung einer Herrenboutique in Wuppertal“, ergänzt Twitter-Nutzer @wystrach.

Auch um einen neuen Spitznamen für sich oder für sein geplantes Zuhause auf dem Domberg muss sich Tebartz-van Elst keine Sorgen machen, ginge es nach den Twitter-Fans: Der Nutzer mit dem Namen @Promovator schlägt vor: „der bischofssitz von tebartz-van elst wird mittlerweile so teuer, die leute wollen ihn jetzt „tebartz 21“ nennen“, andere sprechen nach dem kostspieligen Bahnprojekt „Stuttgart 21“ bereits von „Limburg 31“.

Bilder vom umstrittenen Amtssitz in Limburg

Bilder vom umstrittenen Amtssitz in Limburg

Twitterer @springfrog zieht einen Vergleich zur aktuellen TV-Serie über das ausschweifende Leben des spanisch-italienischen Borgia-Clans vor 500 Jahren: „... nach einigen „Borgia"-Folgen im TV wollte Herr Tebartz-van Elst halt einfach auch mal wirklich Schönes zum Wohnen...“, schreibt er. Dagegen zeigt sich Nutzer @Ekynos enttäuscht: „31 Mio und nicht mal eine Achterbahn für die Messdiener #tebartz #ResidenzRacer“. @thyralon hätte die Millionen für den Bau anders investiert: „Mit der Hälfte davon hätte #Tebartz den OFC sanieren können!“, erinnert er an den klammen Fußballclub aus Offenbach.

Limburger Bischof wartet Prüfbericht zu Residenz ab

Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst will sich in der Diskussion über die Kostenexplosion bei seiner Residenz nicht vorschnell äußern. Er setzt zunächst auf die Prüfung durch die Deutsche Bischofskonferenz: „Wir warten ab, was der Prüfbericht ergibt“, sagte Martin Wind, kommissarischer Leiter der Bistumspressestelle, am Dienstag der dpa. Nach Bistumsangaben vom Vorabend hat die Residenz auf dem Limburger Domberg 31 Millionen Euro gekostet - ein Vielfaches der ursprünglichen Planung. Zu Rücktrittsforderungen an den Bischof äußerte sich Wind nicht.

Wegen andauernder Kritik an dem teuren Bau soll eine Kommission der Bischofskonferenz die Finanzierung prüfen. Dann werde klar sein, welcher Baubereich wie viel gekostet habe, sagte Wind. Er verwies auch darauf, dass der Bischof der geistliche Leiter des Bistums sei. Für Verwaltungsfragen seien andere zuständig, so Generalvikar Franz Kaspar, der bald ausscheiden soll.

Hintergrund: Der umstrittene Limburger Bischofssitz

Das Limburger Domkapitel beschloss den Neubau des Bischofssitzes im Jahr 2007, vor dem Amtsantritt von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst im Januar 2008. Kritik an dem Vorhaben gab es schon früh: Bereits die Entwurfsphase wurde von heftigen Diskussionen begleitet. Mehrfach wurden die Pläne geändert. Veranschlagt waren ursprünglich 2,5 Millionen Euro. Zwischenzeitlich war von 5,5 Millionen Euro die Rede. Vor wenigen Wochen hieß es, die Kosten lägen bei mindestens 10 Millionen Euro. Am Ende sind es nun mehr als 31 Millionen Euro geworden.

Die Kostenexplosion erklärt die Diözese mit dem schwierigen, felsigen Baugrund und der aufwendigen Sanierung historischer Gebäude. So waren in der sogenannten Alten Vikarie, in der der Bischof sein Arbeitszimmer hat, die etwa 600 Jahre alten Eichenbalken im Fachwerk morsch und mussten durch gleichaltrige ersetzt werden.

Zur Residenz gehören die Privatwohnung des Bischofs und Konferenzräume in einem Neubau, eine Privatkapelle sowie zwei denkmalgeschützte Gebäude. Der offizielle Name des Bischofssitzes lautet „Diözesanes Zentrum St. Nikolaus“. (lhe)

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