Frank Hanebuth stellt Sicherheitsdienst am Steintor ein, behält aber seine Bordelle

Teilrückzug des Rockers

Verschnupft: Frank Hanebuth, Hells-Angels-Chef in Hannover, will nicht mehr für Sicherheit im Rotlichtviertel am Steintor sorgen. Foto: dpa

Hannover. Rockerboss Frank Hanebuth will nicht länger für die Kontrolle von Hannovers Vergnügungsbezirk Steintor verantwortlich sein. Er werde seine Tätigkeit als „Sicherheitskoordinator“ beenden, kündigte der Chef der „Hells Angels“ gestern an. Von einem Rückzug aus dem Rotlichtgeschäft kann indes keine Rede sein. „Meine Bordelle behalte ich“, sagte Hanebuth unserer Zeitung.

Am Morgen hatte Promi-Anwalt Götz von Fromberg per E-Mail eine knappe Erklärung seines Mandanten Hanebuth versandt. „Ahnungslose Journalisten und zahlreiche Politiker haben in letzter Zeit eine beispiellose, ungerechtfertigte Hetzkampagne gegen mich, die Firma Bodyguard Security und die Geschäftsinhaber am Steintor geführt“, jammerte der mächtige Rockerboss darin. Die anderen Gastwirte in Hannovers Amüsierviertel würden dadurch beschädigt.

„Wenn mein System nicht mehr gewollt ist, muss ich eben rausgehen.“

Frank Hanebuth

Da bleibe ihm nur eine Konsequenz: „Nach intensiven Beratungen mit meinem langjährigen Anwalt und engen Freunden habe ich mich entschieden, meine Tätigkeit als Sicherheitskoordinator nach zwölf Jahren am Steintor zu beenden.“ Auch die Sicherheitsfirma „Bodyguard Security“ werde dort nicht mehr tätig sein. Er und seine Leute würden zu Unrecht kriminalisiert, legte Hanebuth im Gespräch mit unserer Zeitung nach. „Wenn mein System nicht mehr gewollt ist, muss ich eben rausgehen.“

In diesem „System“ kontrollierten die „Hells Angels“ Bordelle und Szenelokale mit harter Hand. Blutige Bandenkriege um die Vorherrschaft fanden im Gegensatz zu anderen Großstädten in Hannover nicht mehr statt. „Das Steintor ist das sicherste und sauberste Rotlichtviertel in Deutschland“, meinte der Rockerboss stolz.

Das sahen jahrelang auch Gesellschaft und Verwaltung in Hannover so. Die Ruhe galt als oberstes Gebot; die „Hells Angels“ wurden eher als freiheitsliebende Motorradfahrer verherrlicht, denn als zweifelhafte Zuhälter gesehen. Warnungen aus Polizeikreisen, dass das System alle Anzeichen organisierter Kriminalität hatte, wurden lange ignoriert.

Inzwischen schauen Politik und Polizei genau hin. Mit häufigen Razzien und Kontrollen im Steintorviertel versuchen die staatlichen Ordnungskräfte, sich dort das Gewaltmonopol zurückzuholen. Verbrüderung mit den Rockern gilt längst als Tabu.

Skandal um Grahl

So musste jetzt der Chef der niedersächsischen Bereitschaftspolizei Christian Grahl seinen Posten räumen, weil er im August nach einem Polizeifest einige Bier in der „Sansibar“, die damals Hanebuth gehörte, getrunken hatte.

Von Peter Mlodoch

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