Datenschützer schon länger besorgt wegen Umgang mit Bewegungsdaten

o2 will Kundendaten zu Geld machen

Gelungener Börsenstart: Rene Schuster, Geschäftsführer der Telefonica Deutschland, vor der Frankfurter Börse. Foto: dapd

München. Handy-Nutzer liefern Mobilfunkbetreibern Unmengen von Daten. Nun will der verschuldete spanische Telekomriese Telefónica diese Kundendaten vermarkten und sich damit Einnahmequellen erschließen. Dabei könnte der Konzern auch auf Daten von Kunden seiner deutschen Mobilfunktochter o2 zugreifen.

Das hatte die Digital-Tochter Mitte Oktober mitgeteilt. Es gebe aber für Deutschland noch keine konkreten Pläne, sagte ein Sprecher des Unternehmens gestern in München.

Wenn Bewegungsdaten verwendet würden, dann nur in anonymisierter Form. „Der Datenschutz muss zu hundert Prozent gewährleistet sein“, sagte der Sprecher. Für die Verwertung der Daten – unter dem Schlagwort „Big Data“ einer der wichtigsten Trends in der Informationstechnik – gründete Telefónica Anfang Oktober die Tochtergesellschaft Telefónica Dynamic Insights. Ziel sei es, Unternehmen, aber auch der öffentlichen Verwaltung, „analytische Einsichten“ zu liefern, „die es diesen ermöglichen, effektiver zu werden“, teilte Telefónica mit.

Das erste Produkt mit der Bezeichnung „Smart Steps“ soll anonymisierte Bewegungsdaten von Kunden analysieren und etwa Einzelhändlern Erkenntnisse über das Verhalten von Besucherströmen liefern. Dazu vereinbarte die Telefónica-Tochter eine Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsunternehmen GfK.

Das Missbrauchspotenzial von „Smart Steps“ sei viel zu hoch, erklärte der verbraucherschutzpolitische Sprecher der FDP im Bayerischen Landtag, Andreas Fischer. „Dieses Programm muss sofort gestoppt werden.“ Bei Standortdaten handle es sich um die sensibelsten Daten überhaupt. Kritik kam auch aus der Piratenpartei. „Es ist erschreckend. Menschen werden immer mehr zur Ware“, sagte der stellvertretende Vorsitzende Sebastian Nerz. Den Kunden müsse die Möglichkeit gegeben werden, die Nutzung der Daten abzulehnen.

Erfolgreicher Börsenstart

Unterdessen legte o2 gestern einen gelungenen Börsenstart hin. Nach dem milliardenschweren Börsengang notierte das Papier von Telefónica Germany zwischenzeitlich bei 5,84 Euro und verbuchte damit ein Kursplus gegenüber dem Ausgabekurs von 5,60 Euro. Die spanische Mutter Telefónica kassiert für die Platzierung von gut 23 Prozent ihrer Anteile an der deutschen Tochter rund 1,45 Milliarden Euro. (dpa)

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