Anschläge in Belgien

Terror in Brüssel und die Folgen für Deutschland

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Belgien trauert um die Opfer der Terror-Anschläge.

Berlin - Kopenhagen, Paris, nun Brüssel: Der Terror rund um Deutschland hat kein Ende. Das hat Auswirkungen auf die Sicherheitsvorkehrungen hierzulande. Wie gefährlich ist die deutsche Islamisten-Szene?

Wieder ein verheerender Anschlag in der direkten Nachbarschaft: Am Dienstagmorgen erschüttern mehrere Explosionen die belgische Hauptstadt. Nach dem Terror von Paris versetzen die blutigen Attacken in Brüssel auch Deutschland in Unruhe.

Welche direkten Auswirkungen haben die Anschläge auf Deutschland?

Wie andere EU-Staaten hat Deutschland seine Sicherheitsvorkehrungen hochgefahren. Das heißt, im Grenzraum zu Belgien, und auch zu den Niederlanden und Luxemburg wurden die Kontrollen intensiviert - nicht zuletzt um zu verhindern, dass mögliche Täter oder Komplizen der Anschläge aus Belgien flüchten. Bundespolizisten kontrollieren verstärkt an Flughäfen und Bahnhöfen. Außerdem sind die Beamten zum Teil robuster als üblich ausgestattet. Die Sicherheitsvorkehrungen an Airports wurden generell verstärkt, Flüge nach Brüssel gestrichen. Der Hochgeschwindigkeitszug Thalys stellte seine Fahrten über Belgien zunächst ein und die Deutsche Bahn ihren Zugverkehr zwischen Aachen und Brüssel.

Was passiert hinter den Kulissen?

Polizei und Geheimdienste schauen sich nochmals genauer die deutsche Islamisten-Szene an und suchen nach möglichen Querverbindungen zu den Tätern. Sie durchforsten das Internet nach Hinweisen und Reaktionen der Szene und tauschen sich öfter als üblich im Gemeinsamen Terrorabwehrzentrum aus, wo 40 Sicherheitsbehörden aus Bund und Ländern vertreten sind. Dort gibt es schon zu normalen Zeiten tägliche Lagebesprechungen, in besonderen Situationen tagen die Experten in engerer Taktung. Nach den jüngsten Anschlägen in Europa war es auch verstärkt zu Durchsuchungen und Festnahmen gekommen, um Druck auf die Szene auszuüben. Das könnte nun wieder passieren.

Unseren aktuellen News-Ticker zu den Terroranschlägen von Brüssel finden Sie hier. Den News-Ticker zum Terror in Brüssel vom Dienstag können Sie hier Nachlesen.

Macht das die Islamisten nicht erst recht nervös und gefährlich?

Der Terrorexperte Rolf Tophoven hält das für möglich: Wenn der Fahndungsdruck zunehme, könnten sich Einzelne in die Enge getrieben fühlen, ihrem Auffliegen zuvorkommen und Anschlagspläne vorziehen. Er sieht die Attacken in Brüssel als direkte Reaktion auf die Festnahme des mutmaßlichen Top-Terroristen Salah Abdeslam - einen der Hauptverdächtigen für die Anschläge in Paris. Die belgische Polizei hatte den Mann am Freitag in der als Islamistenhochburg bekannten Brüsseler Gemeinde Molenbeek festgenommen. Tophoven meint, Abdeslams Umfeld habe nun wohl zeigen wollen, dass es auch nach dem Zugriff weiter handlungsfähig sei. Innenminister Thomas de Maizière räumt ein, erfolgreiche Maßnahmen wie Festnahmen könnten dazu führen, dass Terroristen als Reaktion extra Anschläge begehen. Das dürfe aber niemanden vom Kampf gegen den Terror abhalten.

Was bedeuten die Anschläge für die Sicherheitslage in Deutschland?

Die Lage ist seit Monaten enorm angespannt. Schließlich wurden mehrere direkte Nachbarn Deutschlands in jüngster Zeit vom Terror heimgesucht. Die erneuten Attacken ändern an der Terrorgefahr für Deutschland im Grunde nichts. Die Bundesrepublik ist seit langem im Fokus islamistischer Terroristen. Die Sicherheitsbehörden betonen regelmäßig, dass auch hier ein Anschlag nicht auszuschließen sei.

Explosionen in Brüssel: Eine Stadt steht unter Schock

Sind Deutsche unter den Opfern von Brüssel?

In den ersten Stunden nach dem Anschlag gab es keine Hinweise darauf. „Wir haben keinerlei Informationen über deutsche Opfer“, sagte de Maizière mittags in Berlin. Am Nachmittag hieß es dann, eine deutsche Staatsangehörige habe eine leichte Rauchvergiftung erlitten.

Gibt es Bezüge der Täter zur deutschen Islamisten-Szene?

Auch das verneinte der Minister in einer ersten Stellungnahme. Allerdings laufen die Ermittlungen noch. Großes Gefahrenpotenzial hat die deutsche Islamistenszene allemal. Mehr als 43 000 Menschen werden ihr zugerechnet. Mehr als 8600 davon sind Salafisten, die einen besonders konservativen Islam leben. Polizei und Geheimdienste stufen viele Islamisten als gefährlich ein: Gut 470 solchen „Gefährdern“ trauen sie potenziell zu, dass sie einen Anschlag begehen könnten. Zum Teil sind auch Rückkehrer aus Dschihad-Gebieten darunter. Von den mehr als 800 Islamisten aus Deutschland, die bislang Richtung Syrien und Irak ausgereist sind, ist ein Drittel wieder in Deutschland - etwa 70 mit Kampferfahrung.

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