Mammutprozess in Frankfurt startet

„Terror-Rentner“ vor Gericht

Fahnundungsfotos von 1978: Sonja Suder (heute 79) und Christian Gauger (70).

Frankfurt/Kassel. Ihre Taten liegen fast 40 Jahre zurück, und dennoch müssen sie sich ab heute vor dem Frankfurter Landgericht verantworten: Sonja Suder und Christian Gauger, die einst Mitglieder der Revolutionären Zellen waren.

Die Angeklagten sind heute 79 und 70 Jahre alt, was ihnen in Teilen der Presse die Bezeichnung „Terror-Rentner“ einbrachte.

Das Paar aus Frankfurt steht im Mittelpunkt eines Mammutprozesses - bis Ende März nächsten Jahres sind zunächst 40 Verhandlungstage angesetzt -, der tief in die Geschichte des Linksterrorismus zurückführen wird. Denn Sonja Suder und Christian Gauger sollen als Mitglieder der Revolutionären Zellen (RZ) an mehreren Terroranschlägen beteiligt gewesen sein.

Terroranschlag auf die Opec in Wien: Drei Menschen starben, 90 Personen wurden als Geiseln genommen. Unser Bild zeigt den verletzten Terroristen Hans-Joachim Klein beim Transport in ein Krankenhaus. Foto: dpa

Suder wird Mord vorgeworfen, Gauger die Beteiligung an einer Sprengstoffexplosion. Dass sie Mitglieder einer Terrororganisation waren, wird ihnen von der Staatsanwaltschaft nicht mehr vorgeworfen. Diese Staftat ist inzwischen verjährt. Mord verjährt dagegen nicht.

40 Jahre Verjährungsfrist

Für die Sprengstoffexplosion beträgt die Verjährungsfrist normalerweise zehn Jahre. Da Personen gefährdet wurden, verdoppelt sie sich. Und da immer von Neuem ermittelt wurde, beträgt sie nun 40 Jahre.

Sonja Suder wurde jahrelang wegen des Überfalls auf die Konferenz der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) in Wien im Jahr 1975 gesucht. In den Jahren 1977 und 1978 soll sie gemeinsam mit Christian Gauger an Anschlägen auf das Heidelberger Schloss sowie auf eine Pumpenfabrik in Frankental/Pfalz und die Firma MAN in Nürnberg beteiligt gewesen sein.

Der Überfall auf die Opec-Konferenz in Wien war einer der spektakulärsten Terror-Anschläge überhaupt. Drei Menschen waren damals getötet und 90 als Geiseln genommen worden. Für den Überfall soll Sonja Suder den Terroristen Hans-Joachim Klein angeworben haben. Klein, der in Frankreich abtauchte und dort nach fast 25 Jahren im Untergrund festgenommen wurde, war zu neun Jahren Haft verurteilt und 2009 begnadigt worden. Er hatte sich vom Terrorismus losgesagt und war als Kronzeuge aufgetreten. Er soll jetzt im Prozess erneut als Zeuge gehört werden. An dem Opec-Überfall war auch der weltweit berüchtigte Terrorist Carlos beteilIgt. Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

1978 verschwanden Sonia Suder und Christian Gauger von der Bildfläche. Wie sich herausstellte, waren sie 22 Jahre lang in Frankreich untergetaucht. Sie lebten als Flohmarkthändler. Im Jahr 2000 flogen sie auf, die französichen Behörden klagten sie aber nicht an, weil in Fankreich ihre Taten verjährt waren. Sechs Jahre später hatte die Frankfurter Staatsanwaltschaft einen europäischen Haftbefehl in den Händen. Frankreich lieferte die mutmaßlichen Terroristen schließlich aus.

Zeitweise in Kassel

Der Gesundheitszustand der Angeklagten ist nicht gut. Christian Gauger war einige Zeit zur Behandlung im Gefängniskrankenhaus in Kassel-Wehlheiden. Er ist heute nicht im Gefängnis, muss sich aber regelmäßig bei der Polizei melden. Sonja Suder sitzt in Untersuchungshaft.

Von Frank Thonicke

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