Geld von britischer Zeitung

Terror-Videos verkauft? Pariser Gastronom soll 50.000 Euro bekommen haben

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Gedenken vor dem Restaurant „Casa Nostra“ in Paris: In diesem Lokal starben in der Nacht der Anschläge fünf Menschen. Der Besitzer soll von der britischen Zeitung „Daily Mail“ 50 000 Euro für Bilder des Grauens bekommen haben. Er weist die Vorwürfe zurück.

Paris. „Pourquoi? Warum? Why? Waarom?“ Die Fragen auf einem Schild, das jemand vor der Pizzeria „Casa Nostra“ abgelegt hat, drücken die Fassungslosigkeit über die Pariser Terrorakte aus, die auch das Restaurant in der Rue de la Fontaine-au-Roi getroffen haben.

Fünf Menschen wurden hier von Islamisten ermordet, acht weitere schwer verletzt – und die Suche nach dem „Warum?“ ist bitter.

Doch nun kreisen andere beunruhigende Fragen um das „Casa Nostra“, seinen Besitzer Dmitri Mohamadi und ein Video von der Schießerei, das zuerst die britische Zeitung „Daily Mail“ und anschließend mehrere französische Medien auf ihren Internet-Seiten veröffentlichten: Hat Mohamadi die Aufnahmen für den Preis von 50.000 Euro verkauft, wie es der Journalist Djaffer Ait Aoudia nun in der französischen Satire-Fernsehsendung „Le Petit Journal“ behauptete? Das Video stammt von einer Überwachungskamera im Inneren des Restaurants. Es zeigt erschütternde Szenen von Menschen, die sich in Panik auf den Boden werfen oder sich unter Tischen verstecken, um dem Kugelhagel von draußen zu entkommen.

Fotos von Augenzeugen 

Nach der Terror-Serie an verschiedenen Orten in Paris boten viele Augenzeugen Handy-Videos und –Fotos von dem dramatischen Geschehen Medien an und verlangten dafür oft mehrere tausend Euro. Aber hat selbst der Besitzer eines Restaurants, das zu einem der Anschlagsziele wurde, versucht, aus dem Grauen im Gastraum Profit zu ziehen?

Der Vorwurf von Djaffer wiegt schwer. Er erklärt, er habe eigentlich nur ein Interview mit Mohamadi machen wollen, dabei die Verhandlungen zwischen einer Person aus dessen Umfeld und der „Daily Mail“ mitbekommen und sie heimlich mit seinem Handy mitgeschnitten. Das Gebot der britischen Journalisten begann demnach bei 12.000 Euro und ging immer höher. „Sie wollten diese Bilder unbedingt haben“, sagt Ait Aoudia. „Aber ich finde, in dem schwierigen Kontext, in dem wir uns befinden, sollte man zweimal nachdenken, bevor man solche Bilder verbreitet.“

Die „Daily Mail“ rechtfertigt sich, sie habe das Video „vor dem Hintergrund eines starken Wettbewerbs zwischen französischen und internationalen Medien erhalten“ und es liefere „eine wesentliche Perspektive“ auf die Attentate. Die Wut in Frankreich trifft nun aber weniger die skrupellose britische Presse, sondern vor allem Restaurantbesitzer Mohamadi, der in den sozialen Netzwerken erbitterte Hass-Kommentare erhält. Er wiederum weist die Vorwürfe zurück und sagt, er habe nicht einen Cent bekommen: „Das ist schmutziges Geld. Wie könnte ich leben, wenn ich Geld durch das Blut der anderen nehme?“

„Le Petit Journal“ räumt ein, dass nicht der Restaurantchef selbst verhandelte, aber „er muss von der Transaktion gewusst haben“, zumal er im Hintergrund zu sehen sei, während der Verhandler, angeblich sein Cousin, die Geldscheine zählt.

Hintergrund: Nationale Trauerfeier in Paris

Mit einer nationalen Trauerfeier gedenkt Frankreich heute im Ehrenhof des Hôtel des Invalides der 130 Todesopfer der Anschläge von Paris. In dem unweit des Eiffelturms gelegenen prächtigen Gebäudekomplex werden immer wieder Gedenkzeremonien zu Ehren von Verstorbenen abgehalten – etwa für getötete Soldaten. Zwei Wochen nach den Anschlägen vom 13. November werden sich dort Angehörige der Todesopfer und Verletzte versammeln. Die Trauerrede wird Frankreichs Staatschef François Hollande halten. Das vom französischen Verteidigungsministerium verwaltete Hôtel des Invalides beherbergt heute unter anderem das Armeemuseum mit einer großen Waffensammlung. (dpa)

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