USA wollen helfen - Neue Geiselnahme

Von Terrorgruppe entführte Nigerianerinnen: „Bringt unsere Mädchen zurück“

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Protest in Nigerias Hauptstadt Abuja: „Bitte findet unsere Töchter“ und „Rettet unsere Chibok-Mädchen“ steht auf Plakaten - hier bei einem Marsch am 30. April.

Abuja. Für die Mütter und Väter der mehr als 200 in Nordnigeria verschleppten Schülerinnen wird eine düstere Vorahnung zur schrecklichen Gewissheit: Ihre Töchter sind Geiseln des brutalen Boko-Haram-Anführers Abubakar Shekau.

Der Chef der islamistischen Terrorgruppe hat per Video angekündigt, die meist christlichen Mädchen im Alter zwischen 15 und 18 Jahren zu verkaufen: „Ich habe einen Markt für sie.“ Am Dienstag wurde die Entführung von acht weiteren Mädchen aus dem Dorf Waranbe gemeldet

Unterdessen wollen die USA und Großbritannien Nigerias Führung bei der Suche nach den Geiseln helfen. Washington werde Geheimdienstinformationen mit Abuja austauschen, sagte ein US-Behördenvertreter dem TV-Sender CNN. Die Beteiligung an einer Rettungsaktion sei denkbar, berichtete der Sender. Ganze Truppenverbände würden die USA aber nicht schicken.

Terroristen-Video: Boko-Haram-Anführer Abubakar Shekau.

Mädchen seien als Sklavinnen geboren und mit neun oder zehn Jahren „reif genug“, um sie zu verkaufen, sagt Terror-Chef Shekau in dem Boko-Haram-Video, die Maschinenpistole quer vor der Brust. „Sklaverei ist in meiner Religion erlaubt, ich werde weiter Menschen entführen und zu Sklaven machen.“

Das meint härteste Knochenarbeit in den Lagern der Extremisten und regelmäßigen sexuellen Missbrauch. Zuvor hatte es Berichte gegeben, einige Mädchen seien über die Grenze zum Tschad und nach Kamerun zwangsverheiratet worden, für umgerechnet je neun Euro. 53 der ursprünglich276 Entführten gelang bisher die Flucht.

Parallel zu Demos, die die Freilassung fordern, wächst die Kritik an Nigerias Präsident Goodluck Jonathan, der trotz blutiger Anschläge und Entführungen weiter Wahlkampf für 2015 betreibt. Am Sonntag äußerte er sich erstmals öffentlich. Und gab kleinlaut zu, dass sein Militär trotz fieberhafter Suche keine Spur hat. „Wo immer die Mädchen sind, wir werden sie da rausholen“, versprach er. Glauben will ihm keiner mehr.

Goodluck Jonathan

Experten zufolge hat die Boko Haram, die seit 2002 das westafrikanische Land terrorisiert und im muslimisch geprägten Norden einen Gottesstaat errichten will, erst 2013 ihre Taktik geändert. „Dass jetzt Frauen verschleppt werden, ist eine direkte Reaktion auf eine ähnliche Taktik der Regierung“, sagt eine Studie der schottischen St. Andrews Universität. Die nigerianischen Behörden in der Hauptstadt Abuja hatten 2012 Ehefrauen von Boko-Haram-Leuten inhaftiert, auch die von Shekau selbst. Dessen Reaktion lautete damals: „Ihr habt unsere Frauen gefangen genommen. Wartet ab, was mit Euren Frauen passiert.“

In der Folge wurden unschuldige Nigerianerinnen entführt, um die Boko-Haram-Frauen freizupressen. Die Opfer sind meist Christinnen, die so zusätzlich für ihre Religion „bestraft“ werden sollen. Im August 2013 berichtete eine Studentin in Nordnigeria von einer Boko-Haram-Attacke auf die Uni von Maiduguri. Alle Männer wurden ermordet, die Frauen in Musliminnen und Christinnen geteilt. Anschließend vergewaltigten die Angreifer christlichen Hochschülerinnen systematisch.

Stichwort: Boko Haram - als Sekte gestartet

• Boko Haram heißt so viel wie „westliche Bildung ist verboten“. Über Organisationsstrukturen und Mitgliederzahlen der gleichnamgen Terrorgruppe, die im muslimischen Norden Nigerias für einen islamischen Gottesstaat Krieg führt, fehlen gesicherten Informationen.

• Die Gruppe, einst als Sekte gestartet und seit Ende 2013 auf der Terrorliste des US-Außenministeriums, soll Kontakte zu nordafrikanischen Al-Qaida-Ablegern haben.

• Den Angriffen fielen nach unterschiedlichen Quellen zwischen 1000 und über 4000 Menschen zum Opfer. Allein bei einem Anschlag in einem Busbahnhof von Abuja Mitte April starben mehr als 100 Menschen.

Hintergrund: Rettungsrufe im Internet

• „Bring back our girls“ (Bringt unsere Mädchen zurück) lautet der Slogan, der auf einer Onlinepetition der 23-jährigen Nigerianerin Ify Elueze beruht. Die in Deutschland lebende Studentin mobilisierte in wenigen Tage weltweit über 245 000 Menschen - darunter viele Prominente. „Wir fordern Präsident Goodluck Jonathan auf sicherzustellen, dass alle Schulen ein sicherer Ort des Lernens sind“, sagt Elueze.

www.change.org/saveourgirls

Auch jede Bildung für Frauen will Terrorist Abubakar Shekau verbieten. Nicht zufällig wurden die Jugendlichen in Chibok in einer Schule gekidnappt. „Ich habe gesagt habe, dass es nicht nur um die Mädchen geht, sondern dass ich gegen jede Art von westlicher Bildung bin“, sagt er in seinem Video. „Mädchen sollten einfach nur heiraten.“ (dpa)

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