Nie vom Terrorismus losgesagt: Inge Viett verlangt neue Gewalttaten

Inge Viett (rechts unten) gehörte zum engsten Kreis der RAF-Terroristen, hier auf einem Fahndungsplakat aus den siebziger Jahren. Das Porträtbild rechts entstand im Sommer 2010. Fotos: dpa

Berlin. Die wegen Mordversuchs an einem Polizeibeamten verurteilte, aber ebenso wie alle anderen Mitglieder der Terrorgruppe „Rote Armee Fraktion/RAF“ vorzeitig freigelassene Inge Viett ruft in einem Pamphlet zur Gründung einer neuen terroristischen Vereinigung auf. Sie bezeichnet diese als eine „revolutionäre kommunistische Organisation“.

Den Text will sie am kommenden Wochenende auf einer Veranstaltung in Berlin verlesen, die gemeinsam mit der Linken-Chefin Gesine Lötzsch unter dem Namen „Rosa-Luxemburg-Konferenz“ im Urania-Haus stattfindet.

Mehr Informationen

Der Text von Inge Viett in der Jungen Welt

Lesen Sie auch:

Linke-Chefin: Ziel ist der Kommunismus

Inge Viett, die in einer Pflegefamilie aufwuchs, war Stripperin in St. Pauli, bevor sie sich 1980 der RAF anschloss. Bereits 1975 hatte sie sich als Mitglied der Terrorgruppe „2. Juni“ an der Entführung des CDU-Politikers Peter Lorenz beteiligt. In Paris, wo sie illegal lebte, schoss sie 1981 aus nur vier Metern Entfernung mehrfach auf den Polizisten Francis Violleau. Der Beamte erlitt eine Querschnittslähmung und starb 2000 im Alter von 54 Jahren an den Folgen der Verletzung.

Viett arbeitete für die Stasi

Viett arbeitete aus dem Untergrund heraus mit dem Geheimdienst der früheren DDR zusammen (Stasi). Mit leitenden Offizieren des „Ministeriums für Staatssicherheit (MfS)“ vereinbarte sie, dass ihre international mit Haftbefehl gesuchten Kumpane in der DDR eine Schießausbildung mit Pistolen, Armeekarabinern und Maschinenpistolen erhielten sowie in Nahkampf- und Sprengtechniken trainiert wurden. Später ereigneten sich auf dem Boden der damaligen Bundesrepublik mehrere Terrorakte, die der RAF zugeschrieben werden, aber nie aufgeklärt wurden. Viett schweigt zu den Verbrechen, ist aber ebenso wie ihre früheren DDR-Agentenführer nie deshalb angeklagt worden.

Auch nach ihrer vorzeitigen Freilassung hat sich Viett nie vom Terrorismus losgesagt. Sie hat sich mehrfach an gewaltsamen Demonstrationen zu verschiedenen Anlässen beteiligt und wurde wegen Widerstands gegen Beamte verurteilt. In ihrem Pamphlet bezeichnet sie die zunehmenden Demonstrationen von deut-schen Bürgern als „soziale Aufstände, die mit staatlichem Terror niedergeschlagen werden“ und fordert dazu auf, man müsse sich solche „Massenbewegungen“ zunutze machen und „unerschrocken auf eine sozialistische Systemalternative orientieren“. Dabei lobt sie den russischen Kommunisten Wladimir Iljitsch Lenin als „Organisator von Aufständen“.

Im deutschen Recht sieht der Paragraf 129 a des Strafgesetzbuches (StGB) dann den Tatbestand der „terroristischen Vereinigung“ für gegeben an, wenn mindestens drei Personen nach gemeinsam vorgefasstem Plan verschiedene im Gesetz aufgezählte schwere Verbrechen wie Mord begehen. Auch die von Viett befürworteten Brandanschläge fallen in diesen amtlichen Strafkatalog, da sie gemeingefährlich sind. In Deutschland ist allerdings bislang der Aufruf zur Bildung einer terroristischen Vereinigung nicht strafbar.

Von Ulf G. Stuberger

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.