Test: Wasser gut, Luft schlecht

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Note gut: Das Bundesumweltamt hat gestern seinen Bericht zur Situation in Deutschland vorgelegt. Das Trinkwasser schnitt dabei gut ab.

Berlin. Die Qualität der deutschen Badegewässer ist fast durchgehend vorbildlich. Weniger gut ist es um den ökologischen Zustand vieler Flüsse bestellt.

Und auch der Klimaschutz, insbesondere im Verkehrssektor, lässt noch viel zu wünschen übrig. Zu diesem Befund kommt das Umweltbundesamt in seinem gestern veröffentlichten Bericht „Daten zur Umwelt 2015“. Nachfolgend die wichtigsten Details:

Wasserqualität: 98 Prozent der deutschen Badegewässer erfüllen die Anforderungen der einschlägigen EU-Richtlinie. Auch das Trinkwasser hat nahezu überall eine gute Qualität. Dagegen erreichen nur zehn Prozent der natürlichen Flüsse nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie das Prädikat „Gut“. Von den 72 Küstengewässern an Nord- und Ostsee erfüllte lediglich die Orther Bucht auf der Insel Fehmarn diesen Anspruch. Allerdings stammt diese Angabe aus dem Jahr 2009. Nach neuesten, noch unveröffentlichten Untersuchungen, werden alle Küstengewässer nicht mehr der EU-Norm gerecht.

Maria Krautzberger

Die Diskrepanz zwischen hervorragender Badequalität und schlechtem ökologischem Zustand von Seen und Flüssen geht auf unterschiedliche Prüfkriterien zurück. Während bei der Begutachtung von Badeseen zum Beispiel bestimmte Bakterien eine Rolle spielen, geht es in Flüssen um die Lebensqualität von Tieren und Pflanzen. Letzteren macht vor allem der Stickstoff zu schaffen, der durch zuviel landwirtschaftlichen Dünger in Flüsse und Seen gelangt. Dies wiederum führt zu Algenwachstum, der Fischen den Sauerstoff raubt.

Klimaschutz: Zwischen 1990 und 2014 konnte Deutschland den Ausstoß von Treibhausgasen, die als Hauptverursacher der Erderwärmung gelten, um 27 Prozent reduzieren. Um eine Temperaturerhöhung auf die international angestrebten zwei Grad Celsius zu begrenzen, müssen Industriestaaten wie Deutschland ihre Treibhausgase bis 2050 allerdings um mindestens 80 bis 95 Prozent senken.

Straßenverkehr: Zu den Sorgenkindern gehört laut Umweltbundesamt vor allem der Verkehrsbereich. Er ist der einzige Sektor, in dem die Emissionen seit 1990 sogar leicht gestiegen sind. „Weil immer mehr Güter auf der Straße transportiert werden und der Trend zu mehr PS und schweren Fahrzeugen geht, haben die sparsameren Motoren dem Klimaschutz wenig genützt“, sagte Amtschefin Maria Krautzberger gestern in Berlin.

Ihre Forderungen: Mehr Güter von der Straße auf die Schiene und eine LKW-Maut schon für Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen Gewicht. Beschlossen ist bereits, die Mautpflicht ab Oktober auf Nutzfahrzeuge ab 7,5 Tonnen auszuweiten. Gegenwärtig liegt die Schwelle bei zwölf Tonnen. Der Verkehr ist für rund 18 Prozent der Treibhausgasemissionen in Deutschland verantwortlich.

Luftqualität:  Trotz verminderter Emissionen ist in den letzen zehn Jahren kaum mehr eine Abnahme der Schadstoffbelastung erkennbar. Vielmehr zeige die Luftqualität mehr oder minder starke zwischenjährliche Schwankungen, die durch die Witterung beeinflusst seien, heißt es in der Untersuchung.

Abfallverwertung:  Beim Recycling gehört Deutschland zu den Schrittmachern in der EU. Immerhin 79 Prozent der erzeugten Abfälle werden verwertet, neun Prozent davon energetisch. Abfälle mit hohem Heizwert dienen als Ersatz für herkömmliche Energieträger und werden zur Strom- und Wärmeerzeugung eingesetzt. Allerdings reiche es nicht aus, „möglichst viele Wertstoffe zu sammeln und hochwertig zu recyceln. Besser ist, Abfälle gar nicht entstehen zu lassen“, meinte Krautzberger. So könnte die EU eine gesetzliche Mindestlebensdauer für alle Haushaltsgeräte vorschreiben.

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