König appelliert „gute Leute zu unterstützen“

Thai-Wahl von Betrugsvorwürfen überschattet - Militärs liegen vorn

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Unterstützer der Pheu Thai-Partei jubeln vor einem Fernseher in der Parteizentrale, der die Wahlergebnisse live überträgt.

Die ersten Wahlen seit dem Militär-Putsch im Jahr 2014 in Thailand stehen bevor. Die Partei Phalang Pracharat, die dem Militär nahe steht, gilt als Favorit bei der Wahl.

Update vom 25. März: In Thailand entwickelt sich die Auszählung der ersten Parlamentswahl seit acht Jahren zu einer Hängepartie. Inzwischen wird sie von massiven Betrugsvorwürfen überschattet. Vieles deutet darauf hin, dass sich das Militär nach seinem Putsch von 2014 an der Macht halten kann. Nach vorläufigen Zahlen von Montag bekam die Partei des einstigen Putschgenerals und heutigen Premierministers Prayut Chan-o-cha mit Abstand die meisten Stimmen.

Entscheidend kommt es nun auf die Verteilung der Sitze an. Die demokratische Opposition hofft ebenfalls noch, an die Regierung zu kommen. Ex-Premier Thaksin Shinawatra hielt den Militärs zugleich Betrug in großem Stil vor. In der „New York Times“ schrieb er: „Sie haben keinerlei Scham. Sie wollen um jeden Preis an der Macht bleiben.“

Update vom 24.03.2019, 18.45 Uhr: Bei der ersten Parlamentswahl in Thailand seit dem Militärputsch von 2014 zeichnet sich ein Sieg der Junta-nahen Partei ab. Wie die Wahlkommission am Sonntag nach Auszählung von mehr als 90 Prozent der Stimmen mitteilte, votierten mehr als 7,3 Millionen Menschen für die Partei von Junta-Chef Prayut Chan-O-Cha. Das war fast eine halbe Million Stimmen mehr als für die Pheu Thai, die stärkste Partei des Anti-Juntalagers.

Die Wahlkommission kündigte das vollständige Wahlergebnis und die Bekanntgabe der Sitzverteilung im Unterhaus für Montag an. Die Wahlbeteiligung hatte die Kommission zuvor auf etwa 80 Prozent geschätzt.

Erstmeldung vom 24.03.2019:

Thailand wählt erstmals seit Militär-Putsch 2014 ein neues Parlament

Bangkok - Erstmals seit dem Putsch im Jahr 2014 wird in Thailand am Sonntag ein neues Parlament gewählt. Landesweit öffneten am Morgen 93.320 Wahllokale, wie der Generalsekretär der Wahlkommission, Jarungvich Phumma, mitteilte. Thailands König Maha Vajiralongkorn appellierte am Vorabend der Wahl an die 51 Millionen Stimmberechtigten, die "guten" Führer zu unterstützen, um "Chaos" zu vermeiden, wie alle Fernsehsender berichteten.

Armee behält weitreichende Entscheidungsmacht

Im Mai 2014 hatte das Militär gegen die damalige Regierungschefin Yingluck Shinawatra geputscht. Junta-Chef Prayut Chan-O-Cha versprach damals zwar, die Macht binnen 18 Monaten an eine Zivilregierung zu übergeben. Die Parlamentswahl wurde aber mehrfach verschoben.

Die Wahl bedeutet nicht, dass die Demokratie in dem südostasiatischen Land vollständig wiederhergestellt wird. Im August 2016 hatte die Junta in einem umstrittenen Volksentscheid eine neue Verfassung durchgesetzt. Diese gibt der Armee unter anderem das Recht, sämtliche Mitglieder des Oberhauses zu bestimmen.

Beobachter rechneten mit einer hohen Wahlbeteiligung. "Die Menschen wollen wählen", sagte die Geschäftsfrau Apiyada Svarachorn am frühen Morgen in einem Wahllokal in der Hauptstadt Bangkok. Die Bevölkerung bleibe jedoch "gespalten". Bei der Wahl stehen sich die königstreue Junta und ihre Verbündeten sowie das Team um den Milliardär und Ex-Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra gegenüber.

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König Maha Vajiralongkorn appellierte an das Volk „gute Leute zu unterstützen“

Beobachter erwarten ein gutes Abschneiden der mit dem Militär verbündeten Partei Phalang Pracharat und ihres Spitzenkandidaten, Junta-Chef Prayut. Dieser will nun ziviler Regierungschef werden.

Ungewiss ist, wen die sieben Millionen Erstwähler wählen. Viele von ihnen sind begeistert von dem telegenen Milliardär Thanathorn Joonruangrit. Der Politneuling ist ein Gegner der Junta und konnte mit einem starken Auftritt in sozialen Medien viele Anhänger gewinnen.

In der unangekündigten Mitteilung des Königspalastes erinnerte Vajiralongkorn an die Worte seines Vaters König Bhumibol Adulyadej aus dem Jahr 1969. Dieser hatte die Bevölkerung aufgerufen, "gute Leute zu unterstützen, welche die Gesellschaft führen und die schlechten Leute kontrollieren", damit letztere kein "Chaos anrichten" könnten.

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AFP

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