Morddrohungen gegen Jäger und Befürworter

Wolf-Nachwuchs in Thüringen: Werden die Tiere getötet?

Graue Schatten und leuchtende Augen: Ohrdrufer Wölfe auf einem Bild der Wildtier-Überwachungskamera, aufgenommen am 1. Oktober. Foto: Bundesforst/nh

Es brodelt in Thüringen: Soll der Wolf-Nachwuchs aus Ohrdruf getötet werden - oder nicht? Nach Morddrohungen gegen Jäger und Abschuss-Befürworter hat Thüringens Landesjagdverband Anzeige erstattet.

Die Aufregung ist groß: „Abschießen!“, sagen 16 Prozent in einer MDR-Umfrage. „Lasst sie leben!“, fordern 67 Prozent von 14.747 Voting-Teilnehmern . „Schafft sie in ein sicheres Gehege!“, raten 17 Prozent. Das Schicksal des Wurfs von Thüringens einziger standorttreuer Wölfin bleibt völlig unklar. Problem: Die Wölfin hatte sich mit einem Hund gepaart.

Das Ergebnis sind Wolfshybride - die beschäftigen nun Wissenschaft, Politik, Wolfsfreunde und -hasser. Schlimmstenfalls droht den Mischlingen, vier weiblichen und zwei männlichen Tieren, der Abschuss.

Drei Jahre schon streunt die Wölfin über den Truppenübungsplatz Ohrdruf nahe Gotha. Seit März hat sie Familie. Ein Wolf, der als Vater in Frage käme, wurde im Überwachungsnetz des streng geschützten Raubtieres nirgends gesichtet. Den Verdacht, ein Hund könnte der Erzeuger sein, erhärteten DNA-Proben.

„Die Wildtierpopulation Wolf soll vor Haushund-Genen geschützt werden“, hieß es aus Thüringens Umweltministerium. Gene des Haustiers Hund würden die Überlebensfähigkeit des Wildtiers Wolf schwächen. Erfurt stellte die „letale Entnahme“ der Hybridwölfe in Aussicht. Was nichts anderes heißt als: Abschuss.

Die Tiere zu betäuben und in ein Gehege zu bringen, sei „keine tierschutzgerechte Alternative“. In Sachsen 2004 gefangene Hybridwelpen hätten „sehr unter der Gehege-Haltung gelitten“. Letztlich seien sie doch eingeschläfert worden.

Eine Weiterverbreitung der Hybride kann verhindert werden, indem man sie einfängt und sterilisiert oder kastriert. Das dürfte aber deutlich aufwändiger werden als eine reine Jagd.

Amtlich ist noch nichts. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) will Anfang November zum Ohrdrufer Fall Stellung nehmen. Vorher wird kaum jemand die Flinte auf den Wolf/Hund-Nachwuchs anlegen.

Die Nutztierhalter am Truppenübungsplatz sind nervös: Die Hybridwelpen sind hungrig, im Rudel jagt Ohrdrufs Wölfin deutlich mehr. Wenn sie reinkommt, auch in Nutztiergehegen. Das Land leiht Schäfern deshalb gratis Extra-Zäune. Zudem „bewachen angemietete Herdenschutzhunde die Schafe im Nachtpferch.“

Angriffe auf Nutztiere haben laut Land seit Juli zugenommen. 2017 wurden 65 Schafe und 14 Ziegen im Raum Ohrdruf Opfer von Attacken. In mindestens zwei von 13 Angriffen wurde die Wölfin durch DNA-Analysen identifiziert. Zuvor waren über zwei Jahre keine Nutztiere von anderen Tieren getötet worden.

Hintergrund: Keine Scheu und starker Jagdtrieb

Wolfshybride sind als Mischung aus Wolf und Hund sowohl Raub- wie Haustiere. Das bedeutet, dass sie wenig Scheu vor Menschen haben und gleichzeitig einen starken Jagd- und Beutetrieb entwickeln. „Hunde hören auf den Menschen, Wölfe hören immer nur auf ihre Instinkte,“ sagte der Niederländer Jos de Bruin, der Wolfshybride in einer Auffangstation in Sonsbeck am Niederrhein betreut, der Rheinischen Post.

In Deutschland fallen Hybride bis zur vierten Generation unter das Washingtoner Artenschutzabkommen und dürfen von Privatpersonen nur unter strengen Auflagen gehalten werden. Ab der fünften Generation ist es ohne Auflagen erlaubt, die Tiere zu besitzen. Dann wird davon ausgegangen, dass der Wolfsanteil sehr gering ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.