Orkane und Sturmfluten erwartet

Tief Xaver klopft an: Wie sich ein Hallig-Bewohner auf die Flut vorbereitet

Hält die Stellung: Halligbewohner Erco Jacobsen. Foto: nh

Hallig Hooge/Langeness. Der Orkan Xaver setzt die nordfriesischen Halligen unter Wasser. Hooge meldete teils „Land unter“, sagte Erco Jacobsen, Leiter des Touristikbüros Hooge. Die Flut bahnt sich auf den flachen Inseln schnell ihren Weg.

Am Nachmittag habe sich die Lage auf der Hallig Hooge aber etwas beruhigt, sagte uns Jacobsen am Telefon. "Zum Glück hat sich das Sturmtief jetzt schon ein wenig entspannt, vielleicht macht es auch nur eine Pause – das wissen wir nicht. Wir erwarten den richtigen Hochwasserstand erst heute nacht um 3 Uhr."

War für die Nacht auf Freitag ursprünglich ein Hochwasserstand von 3,50 Metern vorausgesagt worden, werden jetzt noch 2,50 Meter über Normalnull erwartet. "Wir hoffen, dass wir so glimpflich davonkommen", sagte Jacobsen. Die Einwohner der Hallig seien gelassen.

Sturmtief Xaver werde als nicht so heftig empfunden wir der vorangegangene Orkan "Christian" im Oktober, bei dem europaweit mindestens 16 Menschen umgekommen waren. Über Telefon und Internet besteht Kontakt zum Festland, der Fährverkehr wird voraussichtlich am Sonntag wieder aufgenommen. Auch einige Touristen harren auf Hooge aus. Jacobsen: "Sie genießen das Naturschauspiel"

Von seinem Wohnzimmerfenster zur Seeseite hat Jacobsen einen guten Blick auf das Meer. Zeit für die schöne Aussicht hat er im Ernstfall nicht. „Wir sitzen ja nicht drinnen und trinken Pharisäer und einen Teepunsch“, sagt Jacobsen. Treibgut wie Balken müssten um die Warft gelenkt werden, damit diese den Hügel nicht aushöhlen und wegspülen.

Video: Hier drückt Xaver das Wasser auf die Hallig

Dabei ist das Leben mit „Land unter“ für ihn normal. Wenn das Wasser 1,50 Meter höher als beim durchschnittlichen Hochwasser steigt, dann steht es an der Halligkante und kommt nicht über den Sommerdeich. Wenn es aber Wasserstände von 2 bis 2,50 Metern über dem normalen Hochwasser gebe, dann werde es interessanter, sagt Jacobsen. „Nicht lebensbedrohlich, aber interessanter.“ Und das ist gar nicht so unwahrscheinlich. Denn für heute gehen „inoffizielle Schätzungen von 2,50 Meter plus X aus.“

Wird es wirklich brenzlig, gibt es in den Häusern Noträume, die nach der Flut 1962 integriert wurden. Dorthin könnte man sich zurückziehen, wenn die Nordsee an der Haustür und nicht nur am Warftsockel klopfen sollte, sagt der Halligbewohner.

Diese Räume stehen auf Stahlbetonträgern, die vier Meter in die Erde eingelassen sind und den Wellen standhalten sollen. „Die mussten wir aber noch nie nutzen. Das sind häufig Wohnzimmer und Schlafzimmer in den oberen Etagen.“

Fällt der Strom aus, versorgen Notstromaggregate die Häuser mit Elektrizität. Insgesamt seien die Menschen aber noch gelassen. Und wenn es eng werde, stünden sie auf der Hallig dann alle zusammen. „Da wird auch der ärgste Streit vergessen.“

Von der bisher schwersten Sturmflut in der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1962 war auch die Hallig Hooge schwer getroffen worden. „Wenn wir diese Nacht nur überleben“ habe er damals gedacht, erzählte Inselarchivar Siegfried Baudewig später. Der damals 35-Jährige hatte mit seiner Frau und den drei kleinen Kindern auf dem Heuboden Schutz gesucht und sich mit Tauen an den Schornstein gebunden. Die Familie harrte auf der Hallig aus. „Diese Stunden waren die schlimmsten“, sagte Baudewig, aber auch die Zeit danach sei schlimm gewesen: „Wir hatten ja kein Wasser“. Zunächst wurden die Einwohner mit Hubschraubern versorgt. (wll/mho/dpa)

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