Aktionsbündnis weist Kritik zurück – Von Anfang an Kontakt mit Menschen

„Tiere leben im Zirkus länger“

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Zirkusse fühlen sich zu Unrecht von Tierschützern an den Pranger gestellt. Sie fürchten um ihre Existenz, sollte es ein generelles Wildtierverbot in den Manegen geben. „Nur ein Zirkus mit Tieren ist ein richtiger Zirkus“, erklärte der Tierschutzbeauftragte des Münchner Circus Krone, Max Siemoneit-Barum.

Der Sprecher des Aktionsbündnisses „Tiere gehören zum Circus“, Dirk Candidus, wird gegenüber unserer Zeitung konkreter. Tiere in Zirkussen und auch in Zoos würden in der Regel älter als in freier Wildbahn. Ein asiatischer Elefant in Freiheit erreiche durchschnittlich ein Alter von 30 Jahren, in Zirkussen lebe er oft mehr als 40 Jahre. Das viel zitierte artgerechte Leben sei für die Tiere nicht immer angenehm, sondern oft strapaziös.

Es gebe in der freien Natur viele Feinde. Candidus verwendet lieber den Begriff „tiergerechte Haltung“. Diese sei gegeben, wenn die Vierbeiner sich wohl fühlten.

Dies sei in Zirkussen entgegen landläufiger Meinung häufig der Fall. Wildtiere wie Elefanten würden meist in Zoos oder Zirkussen geboren und hätten von Anfang an Kontakt zu Menschen. Tierpfleger seien oft bereits während der Geburt anwesend, was von der Tiermutter geduldet werde. Auch Fahrten zu den Gastspielorten der Zirkusse seien die Tiere gewöhnt. Sie dauerten oft nicht länger als eine Stunde, Untersuchungen hätten dabei keine Erhöhung von Stresshormonen gezeigt.

„Keineswegs qualvoll“

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Auch die Dressuren seien, so Candidus weiter, keineswegs qualvoll. Ein Tierlehrer übe beispielsweise mit Elefanten bis zu zwei Jahre lang ein Kunststück ein. Dabei würden die gelehrigen Tiere gelobt, wenn sie ein Kommando verstanden hätten und es beherrschten, Raubkatzen würden auch mit Futter belohnt.

Außerdem würden die Zirkusse von den Veterinärbehörden streng überwacht. An jedem Spielort gebe es Kontrollen, oft auch mehrfach und unangemeldet.

In Deutschland gibt es nach Schätzungen von Candidus noch 300 Wanderzirkusse. Würden Aufführungen mit Wildtieren verboten, stünden die meisten der Familienbetriebe vor dem Aus. In Österreich, wo es entsprechende strenge Gesetze gebe, existiere sogar der einst berühmte Nationalzirkus nicht mehr.

Die rechtliche Lage

Laut Deutschem Tierschutzgesetz darf "niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schaden zufügen". Im Mai 2002 wurde der Tierschutz auch als Staatsziel ins Grundgesetz aufgenommen.

Für die Tierhaltung in Zirkussen gibt es nach Angaben des Deutschen Tierschutzbundes keine verbindlichen Vorgaben. Auf Anweisung des Bundeslandwirtschaftsministeriums wurden zwar Zirkusleitlinien erarbeitet. Diese konkretisieren Haltungsanforderungen für einige Arten, sie sind aber nicht rechtsverbindlich und können nur schwer überwacht werden.

Tierschützer kritisieren den Minimalismus der Anforderungen. Beispiel Elefant: Im Stallzelt muss den bis zu 5000 Kilogramm schweren Riesen mit einer Schulterhöhe von bis zu 3,5 Metern eine Fläche von 2,5 mal vier Metern zur Verfügung stehen. Die Tiere werden mit zwei Ketten, eine am Hinterbein und eine am entgegengesetzten Vorderbein, angekettet, die täglich gewechselt werden müssen. Wörtlich heißt es: "Die Länge der Ketten muss so bemessen sein, dass der angekettete Elefant sich bequem ablegen und einen Schritt vor und zurück machen kann."

Von Peter Klebe

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