Todesmeldung ohne Toten

Fragen und Antworten zum Lageso: Herzstillstand eines Syrers war laut Polizei erfunden

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Flüchtlinge vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Berlin: Das Bündnis „Moabit hilft“ meldete am Mittwochmorgen den Tod eines Syrers - Beweise fehlten bis zum Abend.

Berlin. Ein 24-jähriger Flüchtling aus Syrien in der Nacht zum Mittwoch in Berlin gestorben, nachdem er tagelang vor dem Versorgungsamt Lageso warten musste: So schlug gestern das Bündnis „Moabit hilft“ Alarm.

Rätselraten den ganzen Tag, am Abend Entwarnung der Polizei: „Wir haben keinen toten Flüchtling“, sagte eine Sprecherin nach einer ersten Befragung des Mannes, der den angeblichen Todesfall im Internet publik gemacht hatte. „Es gibt derzeit keine Anhaltspunkte, dass an dem Sachverhalt, den er veröffentlicht hat, etwas dran ist.“ Der Flüchtlingshelfer habe „die ganze Republik verrückt gemacht“ - aber eine Straftat sei sein folgenreicher Internet-Eintrag nicht.

Wo lagen die Quellen der Todesmeldung? 

Aktualisiert: 28. Januar, 10.45 Uhr

Bei „Moabit hilft“, einem Netzwerk, das seit 2013 Spenden und Begleitung für Flüchtlinge organisiert, Vorurteile und Ängste abbauen helfen will. Der Flüchtling sei ohne Unterkunft, Geld und Krankenschein gewesen, erschöpft und mit Fieber von einem Helfer nach Hause eingeladen worden, sagte Diana Henniges, Sprecherin des Netzwerks. Später sei ein Rettungswagen herbeigerufen worden, noch im Fahrzeug habe der Mann einen Herzstillstand erlitten.

Wo sollte der Tote geblieben sein? 

Das war völlig offen. Man habe alle Aufnahme-Krankenhäuser, Rettungsstellen und die Feuerwehr abgefragt – ohne Bestätigung dafür, dass ein Flüchtling in der Nacht gestorben sei, hieß es von der Senatsverwaltung. Alle Rettungswagenfahrten würden protokolliert. Für die fragliche Zeit und die fragliche Straße gebe es keinen Eintrag.

Was sagte der Helfer, der den Syrer angeblich aufgenommen hatte?

Der Mann hatte bei Facebook mitgeteilt, dass ein 24 Jahre alter Syrer in der Nacht gestorben sei. Später wollte sich gestern dann nicht mehr äußern. Sein Telefon sei ausgeschaltet, die Tür öffne er nicht, hieß es bei „Moabit hilft“. Die Polizei klingelte zunächst ebenfalls vergeblich.

Es soll ein Protokoll bei Facebook gegeben haben... 

Den eigenen Eintrag löschte der Mann wieder. Über einen Link bei Spiegel Online kam man nachmittags noch zum Facebook-Chat einer angeblichen Bekannten des Helfers. Sie schildert schlimme Zustände der vergangenen Wochen vor dem Lageso, die extreme Belastung auch der Helfer, die selbst mit Erschöpfungszuständen ins Krankenhaus müssten. Und Wortwechsel mit dem Gastgeber des Syrers: „Ok, sitze im Krankenwagen. Herzstillstand.“

Was sagt „Moabit hilft“? 

Es gebe keine Anlass, an dieser Schilderung zu zweifeln, hieß es zunächst. Dann ruderte das Netzwerk zurück. Sollte es gar keinen Todesfall gegeben haben, könne man ehrenamtlichen Helfern nicht mehr trauen. „Wenn jemand mit so etwas spielt, wäre das schrecklich. Wenn es nicht stimmt, wäre das eine Katastrophe“, so die Sprecherin laut Tagesspiegel. (mit dpa/afp)

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