46-Jähriger in U-Haft – Kinderhilfe: Politik hat sich offenbar an das Thema gewöhnt

Tote Babys, Tatort Familie

Dietzenbach. Ein überforderter Vater soll im südhessischen Dietzenbach seinen vier Wochen alten Sohn durch heftiges Schütteln umgebracht haben. Der 46-Jährige sitzt in Untersuchungshaft, gaben Polizei und Staatsantwaltschaft gestern bekannt. Der Säugling habe schwere Verletzungen im Kopf erlitten. Der Mann steht wegen Totschlags unter dringendem Verdacht.

Die Hintergründe der Tat vom Pfingstmontag sind noch unklar. Angaben, der Vater sei durch das Schreien des Babys ausgerastet, bestätigten die Ermittler nicht. „Es gibt keine unmittelbaren Tatzeugen“, so die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Offenbach.

Gebrochenes Bein

Die Mutter des Kindes befinde sich in Italien. Warum sie ihren nur wenige Wochen alten Sohn alleine gelassen hatte, ist noch nicht bekannt. Sie kam nun wieder nach Deutschland zurück und wurde gestern vernommen. Die Eltern seien nicht miteinander verheiratet. Bei dem toten Jungen sei auch ein gebrochenes Bein festgestellt worden. Ob er sich diese Verletzung auch am Pfingstmontag zugezogen hat, konnte die Sprecherin gestern nicht sagen.

Die tragische Tat reiht sich eine Reihe von ähnlichen Vorfällen ein: Im baden-württembergischen Lichtenau soll ein Vater seine 18 Monate alte Tochter getötet haben. In Mecklenburg-Vorpommern wurde ein totes Baby in einem Rucksack auf freiem Gelände entdeckt.

Drei tote Kinder in einer Woche. „Statistisch gesehen eigentlich eine ganz normale Woche in Deutschland“, sagt der Vorsitzende der Deutschen Kinderhilfe, Georg Ehrmann. Er zieht einen Vergleich: Was wäre, wenn die Toten nicht Kinder sondern Ausländer wären, die durch rechte Schläger zu Tode kamen? „Ich bin mir sicher, nach einer solchen Woche säße in dieser Bundespressekonferenz der Innenminister, und die Lichterkette würde schon vorbereitet werden“, meint Ehrmann. „An das Thema tote Kinder hat sich die Politik offensichtlich gewöhnt.“

146 Kinder unter 14 Jahren mussten im vergangenen Jahr sterben – so die neue Statistik des Bundeskriminalamtes – weil man sich nicht ausreichend um sie kümmerte oder sie direkter Gewalt ausgesetzt waren. Das perfide: 74 Kinder kamen im sogenannten sozialen Nahbereich zu Tode, wie der Chef des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke sagt, „also in dem Lebensbereich, in dem sie sich besonders sicher fühlen sollten“. Die Täter waren Eltern, Stiefeltern oder Betreuungspersonen.

Die Diplom-Pädagogin Katia Saalfrank, bekannt aus der RTL-Sendung „Die Super Nanny“ betont: „Gerade bei sexueller Gewalt gegen Kinder muss man sich bewusst machen, dass Kinder auch Nein sagen können.“ Bekanntes Beispiel: Die Oma will einen Kuss vom Kind, dieses weigert sich, wird aber von den Eltern gedrängt. „Wir müssen ein Nein von Kindern ernst nehmen“, findet Saalfrank. (lhe/sob)

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