Tote bei Kämpfen zwischen Armenien und Aserbaidschan

+
Ausgetrocknete Bett des Flusses Terter: Hier verläuft die Grenze zwischen Aserbaidschan und der abtrünnigen Region Berg-Karabach. Foto: Andreas Stein/Archiv

Der blutige Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan flammt wieder auf. Die beiden Ex-Sowjetrepubliken streiten seit Jahrzehnten um das Gebiet Berg-Karabach im Südkaukasus. Lässt sich eine weitere Eskalation vermeiden?

Eriwan/Baku (dpa) - Die Südkaukasusrepubliken Aserbaidschan und Armenien haben sich gegenseitig die Schuld an einer außergewöhnlich heftigen Gewalteskalation im Unruhegebiet Berg-Karabach gegeben. Bei schweren Gefechten in der Nacht habe es mehrere Tote gegeben, teilten beide Seiten mit.

Die genaue Opferzahl war zunächst nicht bekannt. Das überwiegend von christlichen Armeniern bewohnte Gebiet Berg-Karabach gehört völkerrechtlich zum muslimisch geprägten Aserbaidschan, hat sich aber Anfang der 1990er Jahre in einem Krieg mit fast 30 000 Toten von Baku losgesagt. Eine seit 1994 geltende Waffenruhe ist extrem brüchig. Die Führung in Baku hat mehrfach gedroht, das abtrünnige Gebiet zurückzuerobern.

Aserbaidschanische Truppen hätten eine Offensive mit Panzern und Artillerie gestartet, sagte ein Sprecher des armenischen Verteidigungsministeriums in der Hauptstadt Eriwan der Deutschen Presse-Agentur. Die armenischen Streitkräfte hätten dabei einen aserbaidschanischen Kampfhubschrauber vom Typ Mi-24 abgeschossen, hieß es. Auch zwei Panzer und zwei Drohnen seien zerstört worden.

Aserbaidschan wies die Vorwürfe zurück. Die Streitkräfte hätten auf massive Angriffe von armenischer Seite reagiert, teilte das Verteidigungsministerium mit. Auch Wohngebiete seien beschossen worden. Baku dementierte den Verlust eines Militärhubschraubers.

Nach Darstellung beider Seiten dauerten die Kämpfe am Nachmittag an. Der armenische Präsident Sersch Sargsjan wollte sich am Abend mit seinem nationalen Sicherheitsrat treffen.

Die Behörden in Berg-Karabach berichteten von zwei getöteten Kindern. Erstmals seit Beginn des Waffenstillstands habe Aserbaidschan eine derart umfassende Offensive gestartet, an der auch die Luftwaffe beteiligt war, hieß es aus der Gebietshauptstadt Stepanakert.

Der russische Präsident Wladimir Putin mahnte Armenien und Aserbaidschan zur Zurückhaltung. Russland sieht sich als Schutzmacht Armeniens und hat Tausende Soldaten in dem Land mit rund drei Millionen Einwohnern stationiert. Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu sowie Chefdiplomat Sergej Lawrow führten mit ihren Amtskollegen in den Hauptstätten Eriwan und Baku Krisentelefonate. Schoigu forderte beide auf, die Lage rasch zu stabilisieren.

Armenien rief die internationale Gemeinschaft zur Hilfe auf. Die Minsk-Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) vermittelt in dem Konflikt. Zu ihr gehören unter anderem Russland, die USA, Deutschland, Frankreich und die Türkei.

Mitteilung Aserbaidschan

Außenministerium Aserbaidschan

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.