Fragen und Antworten zum Thema

Tote Vögel durch Rotoren: Bremer "Tatort" übertrieb Windrad-Gefahr

Auf hoher See: Windräder im Windpark Nordsee-Ost vor Helgoland. Foto:  dpa

Wie gefährlich sind Windkraftparks für Vögel? Können Wale durch Windräder sterben? Kungeln Umweltschützer mit Ökostrom-Unternehmern, wie es der aktuelle „Tatort“ aus Bremen zeigte?

Wir beantworten die wichtigsten Fragen:

Was ist ein Offshore-Windpark? 

Das englische Wort „offshore“ bedeutet „küstennah, von der Küste abgewandt“. Damit bezeichnet man Windräder, die vor der Küste im offenen Meer errichtet werden. Entsprechend sind „Onshore-Windparks“ Anlagen an Land.

Können Windparks eine Todesfalle für Vögel sein? 

Richtig ist, dass Vögel von den Rotoren erschlagen werden können. In welchem Ausmaß dies geschehen kann, darüber streiten selbst Umweltschützer. Laut Institut für Vogelforschung (Wilhelmshaven) sind Zugvögel vor allem bei schlechter Sicht gefährdet, wenn sie die Signallichter, aber nicht die Rotoren erkennen können. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) spricht von „alarmierenden Beobachtungen von Massenkollisionen bei schlechtem Wetter“. So sollen am Messmast einer Forschungsplattform in der Nordsee in einer Nacht mindestens 88 Vögel zu Tode gekommen sein. Greenpeace führt dagegen Radaraufnahmen aus Schweden an, auf denen ein Vogelschwarm vor einer Offshore-Anlage die Flughöhe senkt und unter den Rotoren hindurchfliegt.

Können um die Windräder Massen toter Vögel liegen?

Nein, unter den Rädern auf See ist keine Plattform, sondern Wasser. Die toten Vögel würden im Meer landen und wegtreiben. Deswegen ist es so schwierig, die Zahl getöteter Tiere festzustellen.

Leiden Wale wirklich unter Windparks? 

Ja. Wale orientieren sich über ein Echosystem, für das sie ihr Gehör brauchen. Fest steht, dass Schweinswale unter dem Lärm leiden, der beim Einrammen der Windrad-Fundamente in den Meeresboden entsteht. Dabei werden bis zu 200 Dezibel erzeugt, so laut sind startende Flugzeugturbinen. Vor zwei Jahren hat das Bundesumweltministerium festgelegt, dass beim Rammen 160 Dezibel nicht überschritten werden dürfen – ab diesem Wert können Schweinswale schwerhörig werden. Naturschützer nehmen an, dass über das Wasser auch der Lärm sich drehender Rotoren übertragen wird.

Hat es Fälle gegeben, in denen sich wie im „Tatort“ Naturschützer mit der Industrie verbünden? 

Der Film habe „überzeichnete Klischeefiguren“ gezeigt, sagt der Nabu. Es gab aber Fälle, bei denen Naturschutzverbände Klagen gegen Projekte zurückzogen und Spenden von der Industrie flossen, so 1997 beim Bau eines Pumpspeicherkraftwerks in Thüringen. Wegen solcher Praktiken ist BUND-Mitbegründer Enoch zu Gutenberg aus dem Verband ausgetreten.

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