„Der Trend geht zur Liberalisierung“

Transsexualität ist eine Herausforderung für Standesbeamte

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Kassel. Bei Standesbeamten denken die meisten an Hochzeiten. Doch Geschlecht und Sexualität spielen in dem Beruf zunehmend eine Rolle.

Die meisten denken bei Standesbeamten an Hochzeiten und Eintragungen von Geburten oder Sterbefällen. Doch die etwa 2500 Standesbeamten in Hessen und 2000 in Niedersachsen müssen sich zunehmend mit kniffligen Fällen auseinandersetzen. Ein großes Thema dabei ist Transsexualität, das jetzt auch ein Schwerpunkt eines Kongresses der europäischen Standesbeamten in Kassel war.

Ein Beispiel: Ein Mann, der früher körperlich eine Frau war und ein Kind geboren hatte. Ist er Vater, Mutter oder beides? Oder eine Frau, die sich schon immer als Mann fühlt - unter welchen Bedingungen darf sie ihr Geschlecht oder ihren Namen im Personenstandsregister ändern lassen? Das regeln europäische Länder unterschiedlich. In Deutschland treffen diese Entscheidungen die Gerichte.

Um sein Geschlecht auf dem Papier zu ändern, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein: der Betroffene muss laut Transsexuellengesetz zum Beispiel unfruchtbar sein und sich einer geschlechtsangleichenden Operation unterziehen. In Dänemark dagegen können Menschen ihr Geschlecht beim Standesamt ändern lassen - ohne sich irgendeiner medizinischen oder psychologischen Behandlung unterziehen zu müssen. Das ist aber auch erst seit knapp einem Jahr so.

„Der Trend geht zur Liberalisierung der Gesetze“, sagt Dr. Jürgen Drewitz vom Bundesverband der Deutschen Standesbeamten. „Wichtig ist, dass die Menschen in ganz Europa Rechtssicherheit bekommen und Regelungen einheitlicher werden. Es ist nämlich ein großes Problem, wenn etwa jemand eine eingetragene Partnerschaft eingeht, umziehen will, und diese dann in einem anderen europäischen Land nicht anerkannt wird“, sagt Drewitz.

Claudia Sabine Meier, Gast des Kongresses der europäischen Standesbeamten, kennt die Tücken im Alltag, auf die Transmenschen - also Menschen, die sich ihrem biologisch bestimmten Geschlecht nicht zugehörig fühlen - bei Behörden treffen. Als sie noch in einem Männerkörper steckte, hat sie geheiratet und eine Tochter bekommen. Doch jetzt ist die 46-Jährige eine Frau - auch auf dem Papier. Hat das Kind nun zwei Mütter? Nein. Claudia Sabine Meiers Entscheidung hat keinen Einfluss auf das rechtliche Eltern-Kind-Verhältnis. Ihre Tochter hat immer noch Vater und Mutter.

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