Trauer um Herbert Günther

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Archivfoto von 2008: Der frühere SPD-Politiker und hessische Justiz- und Innenminister Herbert Günther.

Kassel. Der ehemalige hessische Justiz- und Innenminister Herbert Günther ist tot. Der frühere SPD-Politiker starb im Alter von 84 Jahren in der Nacht zum Sonntag in Wiesbaden, wie der SPD-Landesverband Hessen mitteilte.

„Papa, da ist ein Festzelt, da musst du doch hin!“ Mit diesem Zitat seines Sohnes aus seinen Landratsjahren amüsierte Herbert Günther seine Zuhörer immer wieder. Dabei war plumpe Bierseligkeit dem SPD-Politiker aus Fuldabrück-Bergshausen (Kreis Kassel) fremd.

Der Vater zweier Kinder war vielmehr nicht nur respektiert, sondern auch beliebt wegen der Verbindung von nordhessischer Bodenständigkeit, festen politischen Überzeugungen und einem feinen Humor, mit dem er seine Reden würzte, ob im Bierzelt oder im Landtag, dem er von 1978 bis 1991 angehörte. Herbert Günther ist in der Nacht zum Sonntag im Alter von 84 Jahren in Wiesbaden gestorben.

Hessens Sozialdemokratie verliert mit ihm einen Mann, der schon in jungen Jahren als Glücksfall für seine Partei galt: Geboren in Bergshausen am 13. März 1929, machte er am Kasseler Wilhelmsgymnasium Abitur, studierte Jura in Marburg und promovierte 1957. Zwei Jahre später verschlug es den Nordhessen als Referent ins Wiesbadener Sozialministerium, und schon 1963 wechselte er in die Politik: Als jüngster Landrat Hessens im damaligen Kreis Untertaunus. 1972, nachdem aus der Gebietsreform der Landkreis Kassel entstanden war, wurde Günther dort Landrat. Damals gehörte er zu den Initiatoren der Deutschen Märchenstraße, die 1975 gegründet wurde.

Günther selbst war da schon in Wiesbaden - als Justizminister im Kabinett von Albert Osswald (SPD). Das war er von 1974 bis 1987, zwischenzeitlich, von 1982 bis 1984, war er zugleich Innenminister.

Günther engagierte sich in diesen Jahren stark für die Strafrechtsreform auf Bundesebene, damals ging es unter anderem darum, der Resozialisierung stärkeres Gewicht zu verleihen. Von 1987 bis 1993 führte er den nordhessischen Parteibezirk. Das verfestigte seien Ruf als rechter Sozialdemokrat zu einer Zeit, als das südhessische Pendant noch als linke Speerspitze in der Republik galt.

„Häuptling Silberlocke“

Nachdem 1987 die CDU ans Ruder in Hessen gekommen war, wurde der Mann, der ob seines früh ergrauten Haarschopfes und seiner hoch aufgewachsenen Gestalt „Häuptling Silberlocke“ genannt wurde, Vizepräsident des Landtags.

Doch die Oppositionszeit währte nur vier Jahre, 1991 rief Hans Eichel (SPD) den nordhessischen Weggefährten als Innenminister ins Kabinett. Günther brachte in ersten Schritten die zweigeteilte Laufbahn bei der Polizei auf den Weg, bei der Hessen eine Vorreiterrolle spielte.

1993 drohte das skandalöse Versagen der Polizei bei einem Neonazi-Aufmarsch in Fulda die Leistung des Innenministers zu überschatten. Doch nicht er, sondern sein Staatssekretär Christoph Kulenkampff (SPD) trat zurück. Ein Jahr später, nach einem schweren Unfall, zog sich der gesundheitlich angeschlagene Günther aus der Politik zurück.

Die graue Eminenz der hessischen SPD hielt ihrer Heimat Nordhessen stets die Treue, obwohl Günther zuletzt mit seiner Frau in Wiesbaden lebte. 2009 brachte er ein Buch voller Anekdoten aus seinem langen Politikerleben heraus. Das Geschehen in seiner Partei hat Günther bis zuletzt verfolgt - nicht immer glücklich, aber mit kluger Zurückhaltung. Zeit seines politischen Lebens handelte er nach einem Motto, das in den heutigen Tagen aktueller ist denn je: „Politik und Anstand müssen Platz unter einem Dach haben.“

Von Petra Wettlaufer-Pohl und Peter Klebe

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