Folgen sind Zugausfälle

Bahn-Betreiber beklagen Nachwuchsmangel bei Lokführern

Schnell in die Lok: Nach der Ausbildung finden Lokführer fix einen Job. Foto: dpa

Hannover. Früher war es der Traumberuf vieler Jungen, heute sind Lokomotivführer zur Mangelware geworden. Händeringend suchen Eisenbahnunternehmen Nachwuchs.

Von der Gewerkschaft durchgesetzte Lohnsteigerungen und die Annäherung des Niveaus zwischen Privaten und dem Staatskonzern alleine haben den Beruf nicht attraktiver gemacht. Die Not ist teilweise so groß, dass Züge ausfallen, wie vor einigen Wochen, als Pendler im Kreis Hildesheim vergeblich auf die Eurobahn warteten. Züge fielen wegen Lokführermangels aus.

„Der Markt ist wie leergefegt, deswegen bilden wir auch selber aus“, sagt Eurobahn-Sprecher Marco Vogel. Ein Kurs für neue Lokführer ende gerade, der nächste laufe an. „Auf dem freien Markt gibt es sehr wenig Arbeitskräfte.“

Auch die Metronom-Bahn, die zwischen Göttingen, Hamburg und Bremen fährt, musste im Sommer kurzfristig Züge aus dem Plan nehmen. Nach Streik und Krankheit war die Personaldecke zu dünn. „Es ist so, dass in Deutschland zur Zeit 800 Lokführer fehlen“, sagt Sprecherin Tina Allerheiligen.

Sieben offene Stellen gebe es derzeit, neben einer Beteiligung an Umzugskosten bietet die Bahn neuen Lokführern am Ende der Probezeit 1500 Euro Prämie. „Die Situation ist in ganz Deutschland angespannt.“ Auch auf Zeitarbeiter setzt die Osthannoversche Eisenbahn (OHE), die im Dezember den Regionalverkehr in der Lüneburger Heide übernimmt und dafür schnell Lokführer benötigt.

„Der Markt ist leergefegt, fertige Lokführer können sie nicht finden“, sagt NordWestBahn-Sprecherin Katrin Hofmann. „Die Lokführer müssen physisch und psychisch belastbar sein, sie sind quasi als Ein-Mann-Unternehmen unterwegs“, meint Katrin Hofmann von der Nord-West-Bahn. Dazu kämen Wechselschichten. 2321,41 Euro Monatslohn brutto plus Zulagen sehe der Branchentarifvertrag vor.

Bundesweit waren bei der Agentur für Arbeit im September 430 Stellen für Lokführer registriert - fast 200 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Mit 78 Tagen dauere es bei Lokführern derzeit deutlich länger, eine freie Stelle zu besetzen als im Durchschnitt, teilte die Agentur mit.

Die Jobaussichten für Berufseinsteiger seien gut, die Experten der Agentur rechnen aber damit, dass sich die Engpässe möglicherweise noch zuspitzen. „Wir schulen Arbeitslose zu Lokführern“, erklärt Arbeitsagentur-Sprecherin Jeanette Hoffmann am Metronom-Firmensitz in Uelzen. 15 Interessenten seien im aktuellen Kurs und haben gute Aussichten: „Die Teilnehmer wechseln vom Fleck weg auf die Lokomotiven.“

Trotz aller Engpässe ist die Begeisterung für den Job aber nicht ganz verflogen. Auch bei den Umschülern gebe es 40-Jährige, die sagten, „das wollte ich schon immer machen“, berichtet NordWestBahn-Sprecherin Hofmann. Die Loks mit viel PS reizten manche Männer. „Diejenigen, die sagen, das ist mein Leben, das mache ich gerne, gibt es nach wie vor“, sagt Eurobahn-Sprecher Vogel. (lni)

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