ZDF ist längst von Bord

MS Deutschland: Kein Käufer in Sicht - Kündigung für Reedereipersonal

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Neustadt. Aus der Traum: Die MS Deutschland, größter Kreuzfahrer unter deutscher Flagge und lange Jahre fürs ZDF als Traumschiff unterwegs, sinkt immer tiefer in die Misere.

Nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens heißt es nun: Kein Käufer in Sicht, alle Reisen abgesagt, den letzten 48 Mitarbeitern der einst stolzen Reederei Deilmann in Neustadt/Holstein wird gekündigt. Man habe leider weder Geld noch Beschäftigung, sagte Insolvenzverwalter Reinhold Schmid-Sperber. Sozialplanverhandlungen laufen.

Vorerst bleiben darf die 50-köpfige Stammbesatzung der MS Deutschland. Der weiße Ozeanriese liegt derzeit vor Gibraltar. Auch dort tickt die Uhr: 17 000 Euro soll der bloße Schiffsbetrieb Tag für Tag kosten. Wenn die Kasse der Eigner ganz leer sei, könnten Banken aufs Abwracken der Deutschland dringen, um wenigstens den Schrottwert von geschätzten drei bis fünf Millionen Euro zu sichern, sagt Daniel Bauer, Vorstand der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Zum Abwracken müsste das Schiff vielleicht sogar geschleppt werden. Es sei denn, für den fälligen großen TÜV finden sich zwei Millionen Euro.

Ein Albtraum - das ZDF ist längst von Bord: Neue Traumschiff-Folgen sollen auf der MS Amadea gedreht werden. Die Amadea, 1991 in Japan gebaut, ist zwar sieben Jahre älter als die Deutschland. Sie hat aber - anders als die Vorgängerin - durchgängig die begehrten Außenkabinen, viele sogar mit Balkon: Alle Reisenden gucken also aufs Meer. Reiseveranstalter Phönix hat die Amadea in Monaco gepachtet.

Auf dem alten Traumschiff und seiner Eigentümerin, einer Beteiligungsgesellschaft, lasten laut Insolvenzverwalter 60 Mio. Euro Schulden. Dazu kämen noch zwei Millionen Außenstände der Reederei. 1500 Geldgeber der Beteiligungsgesellschaft sind für den 20. Februar zur ersten Gläubigerversammlung geladen. Über die Jahreswende wurden Japaner, Scheichs und Reiseveranstalter als Käufer des Traumschiffs gehandelt. Angebliche Angebote reichten von einem Euro bis 50 Millionen. Dass Sascha Hehn, TV-Kapitän des Traumschiffs, dem ZDF riet, das Schiff selbst zu kaufen, wurde eher als Witz verstanden.

Die Reederei Deilmann und ihr letztes Schiff sind seit 2010 in der Hand von Investmentgesellschaften. Das absehbare Ende brandmarken die Anlegerschützer in ihrem Schwarzbuch 2014. Die neuen Eigentümer sammelten seit 2012 rund 50 Mio. Euro mit ihrer MS-Deutschland-Anleihe ein. Das Geld floss nicht ins Schiff, sondern bediente vor allem Verbindlichkeiten im Umfeld der Investmentfirmen. Die Topzinsen von fast sieben Prozent gab’s nur ein einziges Mal.

Nun droht Totalverlust: Zwei Drittel der Geldgeber seien Privatanleger, sagt SdK-Vorstand Bauer - Kreuzfahrtfans etwa. Aber auch eine Pensionskasse sei dabei. Risiken solcher Anleihen würden in Verkaufsprospekten „gerne über- oder erst gar nicht gelesen“.

Von Wolfgang Riek

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