Gefahr an Bahnübergängen?

Trotz offener Strecken abseits der Autobahn: Lang-Lkw noch im Leerlauf

Kassel/Berlin. Theoretisch könnten sie seit 1. Januar schon rollen, brummen derzeit aber höchstens im Leerlauf: Gegen die Gigaliner, extra lange Lastzüge, die nun bundesweit getestet werden sollen, rührt sich weiter Protest.

Baden-Württemberg sowie SPD und Grüne im Bundestag drohen mit Klage beim Bundesverfassungsgericht. Sie sehen die Länder vom Bund übergangen.

Weitere Informationen finden Sie hier:

- Fragen und Antworten zum Gigaliner-Feldversuch

- Leitfaden für interessierte Speditionen und Checkliste für die Lkw-Zusatzausrüstung

- Das genehmigte Streckennetz

- Kritik der „Allianz pro Schiene“

- So baut man sich einen Gigaliner zusammen

Das Interesse der Spediteure ist (noch) bescheiden: Drei Teilnahme-Bescheinigungen hat das Bundesamt für Straßenwesen bis gestern verteilt. Dass in unserer Region Gigaliner die Autobahnen 7, 44 und 49 nutzen dürfen, ist schon länger bekannt. Auch freigegebene Anschlussstrecken beidseits der Autobahnen sind seit Ende 2011 veröffentlicht. Schließlich müssen die extralangen Lastzüge Speditionshöfe und Umschlagplätze ansteuern können. Die erlaubten Ziele liegen laut Liste des Bundesverkehrsministeriums in Nordhessen in Baunatal, Gudensberg, Malsfeld und Friedewald (siehe Kasten). Von Speditionen an den Enden der Anschlussstrecken, die unsere Zeitung befragt hat, bekundete aber lediglich Rudolph Logistics in Baunatal Interesse an Gigalinern – ohne Starttermine zu nennen.

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Hessen, das 2011 noch Nachbesserungen gefordert hat, befürwortet den Gigaliner-Testlauf inzwischen. Wiesbaden erwartet, dass die Lang-Lkw Sprit sparen und Kosten senken helfen. Probleme könne es beim Überholen sowie in Engstellen geben, räumt ein Vortrag aus dem Haus von Verkehrsminister Dieter Posch (FDP) ein. Die Ziele abseits der Autobahnen lägen aber vor allem in Nordhessen in Gewerbegebieten, also an Ortsrändern, heißt es weiter. Der Rest ist tabu: Dass sich die 25-Meter-Züge den Kasseler Weinberg hochquälen, in Korbachs oder Witzenhausens Altstadt festfahren, braucht niemand zu fürchten.

Gigaliner-Elefantenrennen sind ebenfalls verboten: Auf der Autobahn dürfen die 25-Meter-Lastzüge gar nicht überholen – und sonst nur Trecker, Radler oder Mähdrescher.

Die „Allianz pro Schiene“ warnt aber vor neuen Problemen: Der Lobbyverband, der lieber mehr Güter auf der Bahn statt in längeren Lkw auf der Straße sähe, hat das Gigaliner-Streckennetz unter die Lupe genommen. Und entdeckt, dass die Routen mindestens 25-mal Bahnschienen kreuzen – was das Bundesverkehrsministerium aus Sicherheitsgründen nicht wollte. Vier der Kreuzungen liegen in Hessen: auf Zubringergleisen in den Frankfurter Osthafen. Bund und Land wollen nun prüfen, ob das zu riskant ist.

Die „Allianz pro Schiene“ s sieht Gefahr im Verzug: Ampelsignale und Schrankenschaltungen deutscher Bahnübergänge seien für die Riesen-Lkw nicht ausgelegt, weil die Räumzeiten nach Lkw-Maximallängen von 18,75 Metern berechnet seien, so Allianz-Geschäftsführer Dirk Flege.

Von Wolfgang Riek

Hintergrund: Lang-Lkw-Routen abseits von A4, A7 und A49

Folgende Strecken abseits der Autobahnen sind seit 1. Januar 2012 für Lang-Lkw freigegeben - sie enden alle vor Standorten großer Speditionen:

• Von der A 7 (Anschlussstelle Malsfeld) auf der L 3435 nach Malsfeld - dort weiter in die Doktor-Reimer-Straße.

• Von der A 4 (Anschlussstelle Friedewald) auf der B 62 über die Gottfried-Schenker-Straße bis zur Einfahrt des Gewerbegebiets in Friedewald.

• Von der A 49 (Anschlussstelle Baunatal-Mitte) über Fehrenberger Straße (Wolfsburger Straße) zum Harzweg und zur Hannoverschen Straße in Baunatal.

• Von der A 49 (Anschlussstelle Gudensberg) über die Bahnhofstraße in Gudensberg bis in den Bahnwiesenweg. (wrk)

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