Trotz Zuspruchs für EU

Studie: Viele Jugendliche in Europa zweifeln an der Demokratie

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Die europafreundliche Bewegung "Pulse of Europe" bei einer ihrer Kundgebungen. Laut einer Studie haben Jugendliche aber Zweifel an der nationalen Politik.

Der Brexit scheint manchen wachgerüttelt zu sagen. Einer Studie zufolge wächst die EU-Begeisterung unter Europas Jugendlichen. Doch die Untersuchung gibt auch Anlass zur Sorge.

München - Junge Europäer bekennen sich wieder stärker zur EU, zweifeln aber an den europäischen Institutionen und den demokratischen Grundprinzipien. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der TUI-Stiftung, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Bei einem Referendum über die EU-Mitgliedschaft des eigenen Landes würden 71 Prozent der befragten Jugendlichen gegen einen Austritt stimmen. Vor einem Jahr waren es nur 61 Prozent. In Deutschland stieg der Anteil der EU-Befürworter im gleichen Zeitraum sogar von 69 auf 80 Prozent. „Vielleicht hat der Brexit alle ein wenig aufgeschreckt“, sagte die Geschäftsführerin der TUI-Stiftung, Elke Hlawatschek.

Im Auftrag der Stiftung hatte das Meinungsforschungsinstitut YouGov 16- bis 26-Jährige in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Griechenland, Italien, Polen und Spanien befragt. Danach wächst zwar die Zustimmung zur EU, doch nur jeder Dritte vertraut Einrichtungen wie der EU-Kommission und dem Europaparlament.

28 Prozent befürworten „radikale Veränderungen“

Noch schlechter schneidet die nationale Politik ab: Nur jeder Sechste ist der Ansicht, dass das politische System im jeweiligen Heimatland so funktioniert, wie es sollte. Hingegen sagen 28 Prozent der Befragten, das politische System im Land funktioniere so schlecht, dass „radikale Veränderungen“ notwendig seien. Hier gibt es aber große Unterschiede zwischen den Nationen: Während in Deutschland nur 8 Prozent der jungen Menschen eine radikale Veränderung wollen, sind es in Griechenland 52 Prozent.

Marcus Spittler, Politikwissenschaftler am Wissenschaftszentrum Berlin, sprach von einem „Warnsignal“. Bedenklich sei vor allem das starke Misstrauen gegen politische Eliten und die Bereitschaft, demokratische Grundprinzipien aufzugeben. Jeder Vierte hält die Verletzung demokratischer Regeln für legitim, um wichtige Veränderungen zu ermöglichen. Ähnlich viel Unterstützung gibt es für eine Einschränkung von Oppositionsrechten. Sogar 43 Prozent der Befragten würden es für besser halten, wenn wichtige Entscheidungen von unabhängigen Experten statt von gewählten Politikern getroffen werden.

Entsprechend zurückhaltend ist auch die Begeisterung für die Demokratie im Allgemeinen. Nur 58 Prozent stimmen der Aussage zu, dass die Demokratie alles in allem die beste Staatsform sei. In Frankreich und Polen sind es sogar weniger als 50 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zustimmung zur Demokratie allerdings bei den Jugendlichen aller sieben Nationalitäten gewachsen.

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dpa

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