Experten sind skeptisch

Trump erwartet "unglaublichen Erfolg" des Nordkorea-Treffens

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US-Präsident Donald Trump spricht auf dem South Lawn (Südrasen) des Weißen Hauses mit Journalisten. Foto: Pablo Martinez Monsivais

Geht es nach Donald Trump, dann steht einem Erfolg der geplanten Atom-Gespräche mit Nordkorea kaum noch etwas im Wege. Aber viele Zweifel bleiben. Tappt der US-Präsident eventuell in eine Falle?

Washington/Seoul (dpa) - Donald Trump erwartet trotz verbreiteter Skepsis bei dem geplanten Atomgipfel mit Nordkorea "einen unglaublichen Erfolg".

Das sagte der US-Präsident am Samstagabend - zwei Tage, nachdem er ein Angebot des nordkoreanischen Staatschefs Kim Jong Un zu einem Treffen überraschend schnell angenommen hatte.

"Wir haben eine Menge Unterstützung. Deshalb glaube ich, dass das mit Nordkorea sehr gut laufen wird (...). Sie wollen denuklearisieren. Und das ist großartig", sagte er vor Journalisten. Im vergangenen Jahr hatte er Kim noch als "little rocket man" verspottet. Der hatte sich revanchiert und Trump einen "geisteskranken Greis" genannt.

Zweifel an den Erfolgsaussichten des Treffens waren deshalb verbreitet. Der "New Yorker" fragte: "Eine unfassbare Fotogelegenheit für den TV-Präsidenten schlechthin - aber was kommt danach?" Ein Gipfel stehe üblicherweise am Ende eines politischen Prozesses und nicht an dessen Anfang. CNN nannte Kims Gesprächswunsch die "von einer Charmeoffensive vorgeglühte, weit aufgespannte Falle eines Diktators". Die "New York Times" meinte, Trump lasse sich mitreißen von seinem dringenden Wunsch, alleine Geschichte schreiben zu wollen. Daran seien schon andere gescheitert.

Der Sicherheitsberater des südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In, Chung Eui Yong, würdigte Nordkoreas Machthaber aber am Sonntag für "seine mutige Entscheidung". Moon und Trump seien entschlossen, die koreanische Halbinsel atomwaffenfrei zu machen und Frieden zu schaffen, wurde Chung von der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap zitiert. 

Trump zeigte sich mit Blick auf die nordkoreanischen Absichten höchst optimistisch: "Ich glaube, sie wollen Frieden schließen." Bereits zuvor hatte er via Twitter erklärt, er glaube den nordkoreanischen Zusagen im Vorfeld des bis Mai geplanten Gipfels. "Nordkorea hat seit dem 28. November 2017 keine Raketentests mehr durchgeführt und versprochen, das während unserer Treffen weiter so zu halten", twitterte der Republikaner. "Ich glaube, sie werden dieser Verpflichtung nachkommen!" 

Der US-Präsident versuchte damit offenbar den verbreiteten Zweifeln daran entgegenzutreten, dass Kim wirklich ernsthaft über eine Denuklearisierung sprechen will. Auch in Deutschland warnten Experten vor überzogenen Erwartungen. Wolfgang Ischinger, Leiter der Münchener Sicherheitskonferenz, sagte der "Bild"-Zeitung, miteinander zu reden könne die heikle Lage auf der koreanischen Halbinsel etwas entspannen. Am Ende müsse es aber darum gehen, dass Nordkorea sein nukleares Rüstungsprogramm aufgebe. Der Historiker Michael Wolffsohn gestand Trump in der "Bild" immerhin zu, er habe "mit seiner Strategie mehr erreicht als seine Vorgänger".

Wie unvorbereitet das Weiße Haus offenbar selber ist, spiegelte sich in verwirrenden Äußerungen von Trump-Sprecherin Sarah Sanders am Freitag wider. Sie vermittelte den Eindruck, dass der Präsident zurückrudern wolle. Das Treffen werde nur stattfinden, wenn Nordkorea konkrete Schritte zu einer Denuklearisierung unternehme, sagte sie. 

Kurz darauf war das Weiße Haus um die Klarstellung bemüht, dass es sich um keine zusätzlichen Vorbedingungen handele. Mit der Äußerung sei lediglich betont worden, dass es Konsequenzen hätte, wenn Kim entgegen seiner Versprechen doch wieder Tests durchführen oder versuchen würde, für Ende März geplante gemeinsame amerikanisch-südkoreanischen Militärübungen zu stören.

Wo sich Trump und Kim treffen könnten, ist bisher unbekannt. In Kreisen des Präsidialamts in Seoul wurden am Sonntag die Schweiz, Schweden, die südkoreanische Insel Jeju und de Grenzort Panmunjom zwischen Süd- und Nordkorea genannt. Als sicher gilt nur, dass Kim als Machthaber seit 2011 noch nie sein Land verlassen hat. Er ging aber in der Schweiz zur Schule. 

Schweden bot sich als Vermittler an. "Wenn wir irgendwie aushelfen können, werden wir es tun", sagte Schwedens Ministerpräsident Stefan Löfven, wie die Nachrichtenagentur TT meldete. Er verwies darauf, dass sein Land seit den 1970er Jahren eine Botschaft in Pjöngjang unterhalte und vor Ort auch die Interessen der USA vertrete. 

Trump informierte den japanischen Regierungschef Shinzo Abe und den chinesischen Staatschef Xi Jinping telefonisch über die jüngste Entwicklung. Abe sei "sehr begeistert" über den bevorstehenden Dialog mit Nordkorea, berichtete Trump am Samstag auf Twitter. Zu Xi schrieb er, dieser habe ihm seine Anerkennung dafür ausgesprochen, "dass die USA lieber daran arbeiten, das Problem diplomatisch zu lösen anstatt die ominöse Alternative zu wählen".

Trump auf Twitter

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