Was passiert nun mit den getrennten Familien?

Trumps Kehrtwende bei Flüchtlingen: Melania soll ihn in privaten Gesprächen dazu gedrängt haben

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Melania und Donald Trump bei seiner Amtseinführung.

Am Ende wurde Trump der Druck zu groß und die Bilder zu hässlich. Nun sollen Flüchtlingsfamilien in den USA nicht mehr getrennt, sondern zusammen eingesperrt werden. Entscheidend soll dabei Melania gewesen sein.

Washington - Es ist eine Schadensbegrenzung ohne ein Abrücken vom politischen Kern: US-Präsident Donald Trump hat verfügt, dass die von seiner Regierung selbst begonnene Trennung illegaler Einwanderer von ihren Kindern ein Ende haben soll.

"Wir müssen die Familien zusammenhalten", sagte Trump im Weißen Haus. Kinder- oder Familienfreundlichkeit dürften allerdings nicht das Leitmotiv sein, werden mit Trumps am Mittwoch unterzeichneten Dekret Kinder doch nun gemeinsam mit ihren Eltern eingesperrt und nicht mehr getrennt von ihnen. Laut Dekret soll von einer Inhaftierung der Kinder nur abgesehen werden, wenn Haft schädlich für ihr Wohl sein könnte.

In den vergangenen Wochen hatten die US-Behörden an der Südgrenze zu Mexiko die Familien von illegal eingewanderten Menschen aus Süd- und Mittelamerika konsequent getrennt. Die Praxis der Trennung von Eltern und Kindern hatte international zu einem Aufschrei geführt.

First Lady soll Trump zur Kehrtwende bewegt haben

Dabei soll First Lady Melania Trump ihren Mann zur Kehrtwende bewegt haben. Wie der US-Sender CNN am Mittwoch aus dem Weißen Hauses erfuhr, hatte sie US-Präsident Donald Trump in mehreren privaten Gesprächen dazu gedrängt, die gängige Praxis der Einwanderungsbehörden zu ändern.

„Meiner Frau liegt sehr viel daran. Mir liegt sehr viel daran. Ich denke, dass das jeder Mensch mit einem Herzen verstehen kann“, sagte Trump am Mittwoch im Weißen Haus, als er die von seiner Regierung selbst begonnene Familientrennung per Dekret beendete. An der Unerbittlichkeit seiner Politik ändert das allerdings nichts. Die wichtigste Neuerung besteht darin, dass Kinder von illegal Eingewanderten nun gemeinsam mit ihren Eltern eingesperrt werden.

"Diese Regierung achtet Familien und Kinder. Aber wir sind auch ein Land mit Gesetzen", sagte ein Regierungsberater zu Reportern. Er antwortete ausweichend auf die Frage, was nun mit den Kindern geschehen soll, die bereits von ihren Eltern getrennt wurden. Der Berater sagte, das Dekret sei auf jeden Fall legal. Das gilt aber rechtlich als nicht vollständig gesichert, gleiches gilt für die Geltungsdauer des Dekrets.

Zuvor: Trump behauptete nichts tun zu können

Trump selbst hatte das vor seiner jähen Wende über Tage anders dargestellt. Er behauptete, er könne nichts gegen die Politik einer Trennung der Kinder tun, denn dies sei Aufgabe des Kongresses. Das lasse sich auch nicht per Dekret lösen.

Nach Informationen der "New York Times" werden mindestens 2300 Kinder, die aktuell von ihren Eltern getrennt sind, nicht rasch zu ihren Eltern zurückkönnen, solange diese vom Staat festgesetzt sind.

Trump hatte sich tagelang geweigert, trotz steigenden Drucks auch aus seiner eigenen Partei von seiner Position abzurücken. Eine harte Hand bei der Einwanderung und das Image eines Präsidenten, der niemals zurückweicht, sind ihm und seinen Anhängern sehr wichtig.

US-Präsident Donald Trump spricht während einer Wahlkampfveranstaltung in Minnesota. Trump hatte sich tagelang geweigert von seiner Position bezüglich der Einwanderung abzurücken. Foto: Susan Walsh/AP

Der US-Präsident gab sich überzeugt, dass jedem, der ein Herz habe, das Dekret gut gefallen müsse. Die Null-Toleranz-Politik solle aber weitergehen. Die vorübergehende Regelung, die nach Worten Trumps "das Problem erledigt", solle von einem Gesetz ersetzt werden.

Insgesamt wurden 2342 Kinder von ihren Eltern getrennt - in wenigen Wochen

Die Aufnahmezentren für die Immigrantenkinder sind auf 17 Bundesstaaten verteilt. In einem ehemaligen Walmart-Supermarkt- Gebäude in Texas sollen sich allein 1500 Jungen befinden. Das Heimatschutzministerium hatte am Montag mitgeteilt, dass mindestens 2342 Kinder in den vergangenen Wochen von ihren Eltern getrennt wurden.

US-Medien zeigten Bilder von Aufnahmelagern, in denen Kinder auf Gummimatten in Maschendrahtkäfigen nächtigten. Ein Tonbandschnitt verriet, wie Kleinkinder bitterlich weinten und nach ihren Müttern schrien. Am Mittwoch war bekanntgeworden, dass eigene Lager für "Kinder im zarten Alter" eingerichtet worden waren.

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Trump hatte bisher die oppositionellen Demokraten dafür verantwortlich gemacht, dass es nicht zu einer gesetzlichen Regelung gekommen ist. Es gibt aber kein Gesetz, dass eine Trennung der Kinder von ihren Eltern vorschriebe.

Auch die republikanische Mehrheitsfraktion konnte bisher keine klare Mehrheit für ein Gesetz zur Einwanderung herstellen. Am Donnerstag soll es einen neuen Anlauf geben. Er hat wenig Aussicht auf Erfolg.

Der mexikanische Außenminister Luis Videgaray schrieb auf Twitter, es sei unzweifelhaft eine gute Nachricht, dass die US-Regierung die grausame und unmenschliche Trennung der Migrantenkinder von ihren Eltern beendet habe. Von der Trennung sind rund 20 mexikanische Kinder betroffen. Darunter ist nach offiziellen Angaben auch eine Zehnjährige mit Down-Syndrom, die getrennt von ihrer Mutter untergebracht wurde.

Die guatemaltekische Regierung freue sich über die Entscheidung, erklärte sie in einer Mitteilung auf Twitter. Sie hoffe, dass Familien aus dem lateinamerikanischen Land möglichst schnell wieder zusammengeführt werden könnten, ohne dass die Kinder und Eltern einem bleibenden Einfluss der Trennung ausgesetzt sein. Nach Angaben von Außenministerin Sandra Jovel befinden sich 465 Kinder aus Guatemala in Herbergen in Texas und Arizona.

Bericht: Körperlicher und sexueller Missbrauch in Unterkünften für Einwandererkinder in den USA

Gegen mehr als ein Dutzend Unterkünfte für Einwandererkinder in den USA sind einem Bericht zufolge Vorwürfe von Verstößen laut geworden. Die mutmaßlichen Verstöße hätten sich in privat geführten Unterkünften ereignet, in denen die Kinder langfristig untergebracht seien, berichteten das Internetportal der "Texas Tribune" und das Center for Investigative Reporting am Mittwoch.

Demnach soll es zu körperlichem und sexuellem Missbrauch gekommen sein sowie zu Verstößen gegen die Sicherheit und Betreuung von Kindern, wie es unter Berufung auf Regierungs- und andere Berichte heißt. Behördenvertreter im Bundesstaat Texas berichteten demnach von mangelnder medizinischer Versorgung.

Dem Bericht zufolge haben mehr als 70 private Einrichtungen Verträge zur Unterbringung von Einwandererkindern mit der zuständigen US-Behörde für die Umsiedlung von Flüchtlingen. Bei den Kindern handele es sich entweder um solche, die unbegleitet ins Land gekommen oder von ihren Eltern getrennt worden seien.

Seit 2014 seien schwere Vorwürfe gegen 13 Betreiber derartiger privat geführter Unterkünfte laut geworden. Nur zwei von ihnen sei der Vertrag mit der Behörde jedoch gekündigt worden. Die Vorwürfe reichen dem Bericht zufolge teilweise bis zu 20 Jahre zurück, teilweise bezögen sie sich aber auf Vorfälle, die sich erst im vergangenen Monat ereignet hätten.

dpa/AFP

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