„Er ist kaltherzig“

Trump kondoliert Witwe eines US-Soldaten - was er sagt, bringt sie erst recht zum Weinen

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Donald Trump hat mit der Witwe eines gefallenen US-Soldaten telefoniert - doch seine Worte kamen nicht gut an.

Nach öffentlichem Druck hat US-Präsident Trump die Witwe (24) eines gefallenen US-Soldaten angerufen. Doch was er ihr gesagt haben soll, sorgt für eine Welle der Empörung.

Mit seinem Umgang mit dem Schicksal gefallener Soldaten hat US-Präsident Donald Trump eine Welle der Empörung ausgelöst. Laut Zeugenberichten fertigte Trump die Witwe eines Soldaten grob am Telefon ab. Ihr Mann habe sicherlich "gewusst, worauf er sich einließ, als er sich verpflichtete", soll er der Frau gesagt haben. "Aber ich vermute, es tut trotzdem weh", fügte Trump demnach hinzu.

Trump habe sich gegenüber ihrem Sohn und der Familie "respektlos verhalten", sagte die trauernde Mutter der Zeitung Washington Post. Der Präsident hatte die Witwe angerufen, während diese auf dem Weg zum Flughafen von Miami war, um die sterblichen Überreste ihres Mannes in Empfang zu nehmen. Johnsons Mutter und die Abgeordnete befanden sich ebenfalls in dem Wagen.

„Trump ist kaltherzig“

Die oppositionelle Kongressabgeordnete Frederica Wilson berichtete in US-Fernsehsendern, sie habe Trumps Worte über die Freisprechanlage mitangehört. Dessen Äußerungen seien "schrecklich" und "unsensibel" gewesen, sagte sie dem Sender MSNBC. Trump habe in einem nüchternen Ton gesprochen und "beinahe geklungen, als würde er scherzen".

Wilson bezeichnete den Präsidenten als "kranken Mann": "Er ist kaltherzig, und er empfindet für niemanden Mitleid oder Mitgefühl." Die Witwe habe während des Telefonats geweint und sei danach zusammengebrochen. Das Schlimmste für sie sei gewesen, dass sich Trump nicht an den Namen ihres Mannes habe erinnern können.

US-Präsident spricht von einer Lüge

Trump wies die von der oppositionellen Abgeordneten Frederica Wilson erhobenen Vorwürfe zurück. Diese habe seine angeblichen Worte "komplett erfunden", schrieb er am Mittwoch im Kurzbotschaftendienst Twitter. Vor Reportern sagte der Präsident später, er habe mit der Witwe eine "nette Unterhaltung" gehabt.

Trump führte an, er habe Beweise dafür, dass die Abgeordnete der Demokraten seine Worte falsch wiedergegeben habe. Allerdings präsentierte er solche Beweise nicht. Wilsons' Darstellung wurde unterdessen von der Mutter des Anfang Oktober im westafrikanischen Niger gefallenen 25-jährigen Soldaten David Johnson gestützt.

David Johnson wurde während eines Anti-Terror-Einsatzes in Niger getötet.

Die 24-Jährige hat zwei Kinder und ist mit einem dritten Kind im sechsten Monat schwanger. Ihr Mann war während eines Anti-Terror-Einsatzes in einen Hinterhalt geraten. Dabei wurde er zusammen mit drei weiteren US-Soldaten getötet.

Trump wehrt sich mit Angriff auf Barack Obama

Trump sah sich in den Tagen nach dem Vorfall mit kritischen Fragen konfrontiert, warum er nicht öffentlich dazu Stellung bezog. Er reagierte daraufhin zu Wochenbeginn mit der Ankündigung, dass er die Hinterbliebenen anrufen werde. Zugleich warf er seinem Amtsvorgänger Barack Obama und anderen früheren Präsidenten vor, solche Anrufe oft versäumt zu haben.

Frühere ranghohe Mitarbeiter Obamas wiesen die Anschuldigungen empört zurück. Ex-Justizminister Eric Holder forderte Trump auf, "mit den verdammten Lügen aufzuhören". Er erinnerte daran, dass Obama im Jahr 2009 persönlich die sterblichen Überreste von insgesamt 18 in Afghanistan gefallenen Soldaten und anderen US-Bürgern in Empfang genommen habe.

Für Entrüstung sorgte Trump auch dadurch, dass er den Tod des Sohns seines Stabschefs John Kelly zu instrumentalisieren suchte. "Sie könnten General Kelly fragen, ob er einen Anruf von Obama bekommen hat", sagte er in einem Radiointerview. Damit wollte er offenbar andeuten, dass Kelly keinen Kondolenzanruf Obamas erhalten habe.

Der Ex-General hatte seinen Sohn im Jahr 2010 in Afghanistan verloren. Der Leutnant wurde dort durch eine Mine getötet. Kelly selber hat es stets strikt vermieden, den Tod seines Sohnes politisch zu instrumentalisieren.

Der frühere Verteidigungsminister Leon Panetta bezeichnete Trumps Bemerkung über Kellys Sohn als unter der Würde des Amtes. Dies erwecke den Eindruck, "dass es für diesen Präsidenten keinen heiligen Boden gibt", sagte Panetta der "Washington Post".

Noch ein Fall sorgt für Schlagzeilen

Der Umgang mit einem weiteren Hinterbliebenen eines US-Soldaten sorgt aktuelle ebenfalls für Schlagzeilen: US-Präsident Donald Trump soll dem Vater eines getöteten Soldaten einem Bericht zufolge 25.000 US-Dollar versprochen haben, dies aber nicht eingelöst haben. Trump habe ihn wenige Wochen nach dem Tod seines 22-Jährigen Sohnes in Afghanistan angerufen, sagte Chris Baldridge der Washington Post. Er habe dem Präsidenten von seiner Frustration über die Hinterbliebenenzahlungen des Militärs erzählt. Trump habe daraufhin gesagt, er werde ihm einen Scheck aus seiner eigenen Tasche über 25.000 US-Dollar (rund 21.200 Euro) ausstellen. Dies sei jedoch nicht passiert.

Auch den Streit um angeblich nicht patriotisch Ge sinnung von Sportstars hat Trump nochmal angeheizt. Auch gegen Anschuldigungen sexueller Belästigung musste der Präsident sich jüngst wehren.

Stabschef Kelly verteidigt Trumps Umgang mit gefallenen Soldaten

John Kelly, Stabschef im Weißen Haus, hat US-Präsident Donald Trump gegen Kritik am Umgang mit gefallenen Soldaten zu verteidigen versucht. In einem emotionalen Auftritt vor der White-House-Presse in Washington sagte Kelly am Donnerstag, er sei fassungslos über manche Kritik der letzten Tage. Er habe gedacht, dass zumindest dieser Vorgang heilig sei: der Anruf des US-Präsidenten bei den Hinterbliebenen von Gefallenen.

Kellys Auftritt lässt sich so interpretieren, dass das Weiße Haus versucht, den von Trump verursachten Schaden durch einen seiner besten Leute einzudämmen. Ex-General Kelly hat dafür eine besondere Glaubwürdigkeit. Sein Sohn fiel 2010 in Afghanistan, und als Marines-Kommandeur hat er breite Erfahrung mit dem Tod von Soldaten.

Kelly sagte, er habe Trump zunächst geraten, nicht bei den Familien Gefallener anzurufen. Es sei nicht immer das, worauf Familien sich freuten. Er bestätigte, dass Barack Obama ihn beim Tod seines Sohnes nicht angerufen habe. Das sei aber keine Kritik gewesen, sondern nur ein Fakt. Er glaube nicht, dass alle Präsidenten immer zum Hörer gegriffen hätten.

Interessanterweise bestritt Kelly die inhaltliche Kritik an Trump nicht. Es reklamierte einen angemessenen, würdigen Umgang der Medien mit dem Thema. Zum anderen übte er scharfe Kritik an einer Abgeordneten, die bei einem der Anrufe Trumps bei einer Soldatenwitwe anwesend gewesen war und daraus zitiert hatte.

afp/dpa

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