Bislang angeblich 58 Tote

Türkei beschießt Kurdengebiete in Syrien und Irak - USA fordern „Zurückhaltung“

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Mit Panzern und anderen gepanzerten Fahrzeugen beladene Lastwagen des türkischen Militärs passierten am 20.01.2018 die türkisch-syrische Grenze

Die Türkei führt ihre Offensive gegen kurdische Stellungen weiter fort. Nun offenbar auch mit Luftschlägen im Nordirak.

Damaskus/Jakarta - US-Verteidigungsminister Jim Mattis hat die Türkei zur "Zurückhaltung" bei ihrer Militäroffensive gegen kurdische Milizen in der syrischen Region Afrin aufgerufen. Die Gewalt in Afrin störe eine bislang "relativ stabile Gegend in Syrien", sagte Mattis in der indonesischen Hauptstadt Jakarta, wo er am Dienstag während seiner Asienreise Station machte. 

Die USA drängten die Türkei zur "Zurückhaltung beim Militäreinsatz und der Rhetorik", sagte Mattis. Die Gewalt in Afrin würde von den internationalen Bemühungen im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) ablenken, fügte er hinzu.

Reaktion auf Beschuss von syrischen Milizen?

Zeitgleich mit ihrer Militäroffensive im Nordwesten Syriens hatte die Türkei Menschenrechtlern zufolge zuvor auch weitere Kurdengebiete in Syrien beschossen. Artilleriefeuer sei am Dienstag am Rande der Stadt Kamischli im Nordosten Syriens eingeschlagen, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Dabei seien zwei Kinder verletzt worden. Die türkische Zeitung Hürriyet berichtete, die in der Grenzprovinz Mardin stationierten Soldaten hätten damit auf Beschuss von kurdischen Milizen aus Syrien reagiert. Von offizieller Seite gab es dafür zunächst keine Bestätigung.

Außerdem hat die türkische Luftwaffe Stellungen der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) im Nordirak bombardiert. Die Angriffe in der nordirakischen Region Zap hätten sich gegen PKK-Kämpfer gerichtet, die Attacken auf türkische Sicherheitskräfte an der Grenze vorbereiteten, teilte die türkische Armee am Dienstag mit. Demnach wurden mehrere Waffenlager zerstört.

Die Kämpfe zwischen türkischen Truppen und kurdischen Verbänden um die Enklave Afrin im Nordwesten Syriens gingen auch am vierten Tag der Militäroffensive Ankaras weiter.

Beobachtungsstelle spricht von 58 Toten seit Beginn der Kämpfe

Die oppositionsnahe Beobachtungsstelle, die sich auf ein Netz aus Aktivisten in Syrien stützt, gab die Zahl der Opfer seit Beginn der Kämpfe mit 58 an, darunter 26 kurdische Kämpfer, 25 protürkische Rebellen und sieben nicht identifizierte Tote. Laut den für Medien kaum überprüfbaren Angaben der in Großbritannien ansässigen Organisation wurden auch 22 Zivilisten bei der türkischen Offensive getötet. 

Die Türkei weist Berichte über zivile Opfer als "Propaganda" zurück und versichert, ausschließlich "Terroristen" ins Visier zu nehmen. Proteste gegen die Offensive in der Türkei werden gewaltsam unterdrückt, Kritik in den sozialen Medien wird von den Behörden verfolgt.

Die von der Türkei am Samstag begonnene „Operation Olivenzweig“ zielt auf die mit den USA verbündeten kurdischen Volksschutzeinheiten YPG in der kurdischen Enklave nahe der türkischen Grenze. Ankara sieht die YPG als Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und bezeichnet die Miliz als Terrororganisation.

Linke ruft zu Protesten auf

Die Linke ruft unterdessen zu Protesten gegen die türkische Militäroffensive in Syrien auf. „Dieser neue Krieg des Erdogan-Regimes gegen die Kurdinnen und Kurden in Syrien ist ein Verbrechen“, hießt es am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung der Partei- und Fraktionsvorsitzenden. „Protestieren wir zusammen mit den Kurdinnen und Kurden und allen Demokratinnen und Demokraten gegen diesen Überfall der türkischen Armee.“

Die Linke nannte die Offensive völkerrechtswidrig und eine „Schande“. Der Bundesregierung warf die Partei vor, „weiter einen türkischen Gewaltherrscher“ zu hofieren. Die Partei- und Fraktionschefs forderten erneut einen Stopp aller Rüstungsexporte in die Türkei.

Lesen Sie auch: Türkei setzt offensichtlich deutsche Panzer in Syrien ein

dpa/AFP/fn

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