"Extreme Gefahr"

Türkischen Luftraum verletzt: Nato warnt Russland

Moskau - Nach mehreren Zwischenfällen mit russischen Kampfflugzeugen an der syrischen Grenze verschärft die Nato im Syrien-Konflikt ihren Ton gegenüber Russland.

Das Bündnis  verurteilte die Verletzung des türkischen Luftraums und sprach von einer "extremen Gefahr". Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu warnte, die türkische Luftwaffe werde im eigenen Luftraum "selbst einen Vogel abfangen". Eine von Ankara angeregte Flugverbotszone in Syrien lehnte Moskau ab.

Am Samstag wurde nach Angaben des Außenministeriums in Ankara ein russisches Kampfflugzeug abgefangen, das in den türkischen Luftraum eingedrungen sei. Am Sonntag habe eine nicht identifizierte Mig-29 zwei türkische Kampfjets "bedrängt". Der russische Botschafter in Ankara sei einbestellt worden, um ihm den "scharfen Protest" der Regierung zu übermitteln. Russland wurde vor weiteren solchen Vorfällen gewarnt, andernfalls müsse es selbst die Verantwortung für "nicht gewollte Ereignisse" tragen.

Außenminister Feridun Sinirlioglu rief seinen russischen Kollegen Sergej Lawrow an, um ihm seinen Unmut zu übermitteln. Auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg verurteilte die "inakzeptablen" Luftraum-Verletzungen.

US-Außenminister John Kerry äußerte sich am Rande einer Konferenz in Chile "sehr besorgt". Die Vorfälle, auf die Ankara rechtmäßig reagiert habe, seien "genau diejenigen", die mit einem Abschuss hätten enden können.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan war am Montag ebenfalls in Brüssel, um mit EU-Vertretern über das russische Vorgehen in Syrien zu sprechen. Erdogan und EU-Ratspräsident Donald Tusk berieten über den Vorschlag Ankaras, eine Flugverbotszone und einen Sicherheitskorridor in Nordsyrien einzurichten. Russlands Vizeaußenminister Michail Bogdanow reagierte mit einer Absage: "Natürlich sind wir dagegen", sagte Bogdanow und verwies auf die "Souveränität" Syriens.

Während die Türkei die syrischen Rebellen unterstützt, ist Russland ein enger Verbündeter von Machthaber Baschar al-Assad. Russland fliegt seit Mittwoch an der Seite der syrischen Regierungstruppen Luftangriffe.

Auch am Sonntag setzte Russland seine Luftangriffe in Syrien fort. Laut dem Verteidigungsministerium wurden neun Stellungen der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in den Provinzen Homs, Idlib und Latakia bombardiert. Moskau will nach eigener Darstellung mit den Luftangriffen die Extremisten der IS-Miliz und der Al-Nusra-Front sowie andere "Terroristen" bekämpfen. Der Westen wirft Russland aber vor, vor allem Assad stützen zu wollen.

Mehr als 40 der wichtigsten syrischen Rebellengruppen warfen Moskau am Montag vor, mit den Angriffen "jeder politischen Lösung den Weg abgeschnitten" zu haben. Die Nato forderte Russland in einer Erklärung auf, "seine Attacken gegen die syrische Opposition und die Zivilisten (...) sofort einzustellen".

US-Verteidigungsminister Ashton Carter, der am Montag zu einer Europareise aufbrach, kritisierte das russische Vorgehen in Syrien. "Russland hat den Bürgerkrieg verschärft und gefährdet eben jene politische Lösung und die künftigen Regierungsstrukturen Syriens, die es nach eigenen Worten bewahren will", sagte Carter. Er hoffe weiterhin, dass Präsident Wladimir Putin einsehe, dass es "eine Verliererstrategie ist".

Die IS-Dschihadisten setzten derweil die Zerstörung der antiken Stätten in Palmyra fort. Nach Angaben der syrischen Altertümerverwaltung sprengten sie am Sonntag den berühmten Triumphbogen der Stadt. Der Direktor der Antikenbehörde, Mamun Abdelkarim, sprach von einer Katastrophe und warnte, dem antiken Palmyra drohe die vollständige Vernichtung.

Die IS-Miliz hatte die zum Weltkulturerbe gehörende antike Stadt Ende Mai erobert. Im August sprengte sie den weltberühmten Baalschamin-Tempel und den Baal-Tempel. Abdelkarim sagte, Palmyra könne nur gerettet werden, wenn die internationale Gemeinschaft die syrische Armee bei der Befreiung der Stadt unterstütze.

afp

Rubriklistenbild: © dpa

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