Beide Spitzenkandidaten mit positiven Werten

TV-Duell: Zuschauer sehen Titelverteidiger Weil vor Althusmann

Hannover/Göttingen. Das einzige TV-Duell zwischen Stephan Weil (SPD) und Bernd Althusmann (CDU) im NDR-Fernsehen geht knapp an den Amtsinhaber.

So jedenfalls werteten es etwa 900 Zuschauer, die per „Debat-O-Meter“ nach der Sendung am Dienstag live abstimmten und beide Spitzenkandidaten positiv bewerteten.

Die NDR-TV-Zuschauer konnten mit einem Doppel-Plus, einem Plus, Minus und Doppel-Minus die beiden Politiker in Echtzeit beurteilen.

Lag Bernd Althusmann während der Debatte in der Bewertung lange vorne, hatte Stephan Weil nach dem Schlusspfiff die Nase vorn: 47 Prozent der Teilnehmer votierten für den Ministerpräsidenten, 38,5 Prozent für Althusmann. Wichtiger Faktor: Die Unentschlossenen stimmten mit 47,2 zu 35,1 Prozent für Weil.

Der Chefauswerter des Debat-O-Meter Thomas Metz bringt das Ergebnis auf den Punkt: „Weil begann relativ schwach, legte aber deutlich im Debattenverlauf zu. Er wurde auch immer souveräner.“ Allerdings gingen die Bewertungen der Unentschlossenen auch mehrheitlich an Althusmann. Weil punktete bei der Inneren Sicherheit und in der Schlussrunde. Althusmann setzte starke Duftmarken in der Bildungs- und Verkehrspolitik.

Vor dem Fernseh-Duell waren die Teilnehmer ebenfalls befragt worden: Da stand es 33,4 zu 28,1 Prozent – ebenfalls für Weil. Immerhin 38,5 Prozent waren von einem Unentschieden ausgegangen.

Dass die Landtagswahl, die ja quasi im Schatten der Bundestagswahl stattfindet, als weniger wichtig eingeschätzt wird, hatten die Politik-Forscher schon im Vorfeld anhand von Zahlen widerlegt: Die Debat-O-Meter-Teilnehmer hielten dabei mehrheitlich einige landespolitische Themen für wichtiger als bundespolitsche: „Bildung und Ausbildung“ (37,6 Prozent) und innere Sicherheit (18,7 Prozent) rangierten beim Thema Wichtigkeit vor dem Bundesthema „Soziale Gerechtigkeit“ (12,6 Prozent).

„Die Wähler in Niedersachsen sehen die Landtagswahl überwiegend von Landesthemen dominiert, trotz der wichtigen Bedeutung der Wahl für die Bundespolitik“, bilanziert Professor Uwe Wagschal von der Universität Freiburg, die wo das Debat-O-Meter entwickelt wurde. 

Plus-Minus: Das kam bei den TV-Zuschauern besonders an oder nicht

Stephan Weil:

Plus: Mit einem ausgeglichenen Haushalt zu durchgängig gebührenfeier Bildung kommen – auch bei den Kinderartengebühren. Niedersachsen liegt bei der Zahl der Abschiebung von Terrorismus-Gefährdern auf Platz 1 in der Liste aller Bundesländer. Stark wurde das Zitat bewertet: „Machen Sie nicht den Fehler Niedersachsen für unsicher zu erklären, weil sie damit die AfD befördern.“

Minus: Ausschluss einer Koalition mit der Linken

Bernd Althusmann:

Plus: Aussage zu Migranten: „Die, die unsere Grundwerte, unser Grundgesetz nicht achten wollen, die womöglich die Scharia als ihre gesetzliche Grundlage betrachten, dass sie sich dann ein falsches Land ausgesucht haben.“ Zum Thema Verkehr und VW: „Deshalb muss dort dringend aufgeräumt werden. Es geht um 120.000 Arbeitsplätze bei VW und 80.000 bei den Zulieferern.“

Minus: Aussagen generell zur Rolle der Landesregierung beim Thema VW-Skandal.

Hier finden einen Kommentar zum TV-Duell. Eine Analyse lesen Sie hier.

Die Duellanten im Portät

Teetrinker mit kühlem Kopf: Stephan Weil

Stephan Weil (58) trinkt gern grünen Tee. Er habe einmal gelesen, dass grüner Tee zu den bekömmlichsten Lebensmitteln gehöre, sagt Niedersachsens Ministerpräsident. Teetrinken passt zu dem SPD-Politiker, der meist den gelassenen Norddeutschen gibt. Nicht ganz so bekömmlich erwies sich für ihn am Ende sein Bündnis mit dem grünen Koalitionspartner. Es zerbrach durch den Wechsel einer Grünen-Abgeordneten zur CDU. Solche Turbulenzen habe er noch nie erlebt. „Ich bin mit mir sehr im Reinen“, sagt er. Pragmatisch, ruhig und gelassen macht er seitdem weiter. Vor seiner Zeit als Ministerpräsident war er Oberbürgermeister in Hannover. Der in Hamburg geborene Sohn schlesischer Flüchtlinge studierte Jura. Wurde er zu Beginn seiner Amtszeit als Ministerpräsident oft als langweilig, blass und provinziell belächelt, so gewann er an Statur. Der begeisterte Langstreckenläufer genießt bei den Niedersachsen persönliche Zustimmungswerte von 48 Prozent. Er sei bodenständig, ohne Statusallüren, sagt sein Parteifreund, Wirtschaftsminister Olaf Lies. Seit 1987 ist Weil mit der Professorin Rosemarie Kerkow-Weil verheiratet. Sie haben einen erwachsenen Sohn. Weil entspannt beim Wandern und ist Besitzer einer Dauerkarte für Hannover 96. (dpa)

Den Neuanfang schon öfter gesucht Porträt: Bernd Althusmann (CDU)

Bernd Althusmann (50) hat ein Lebensmotto. „Umwege erhöhen die Orientierung“, so der frühere Bundeswehroffizier. Der CDU-Herausforderer von Ministerpräsident Stephan Weil hat einige Umwege in seinem Leben beschritten. Nach der CDU-Niederlage bei der Landtagswahl 2013 ging der Ex-Kultusminister zweieinhalb Jahre als Büroleiter der Konrad-Adenauer-Stiftung nach Afrika. „Es war eine Zeit, die mich geprägt hat“, sagt der Bildungspolitiker in seiner pragmatischen Art. Ruhig und besonnen will er wirken, der Pfarrerssohn aus Lüneburgs Vorort Heiligenthal.

Er habe in Afrika Gelassenheit gelernt. „So ein Stück Fröhlichkeit und Gelassenheit habe ich mir auch aus Afrika mitgebracht“, erklärt der Krimi-Fan, der die Freizeit gerne mit den vier Kindern seiner Patchworkfamilie verbringt.

Hart, aber fair, distanziert und doch nah: Seine politische Handschrift hat der am 3. Dezember 1966 in Oldenburg geborene Politiker früh skizziert. Althusmann gilt nicht als brillanter Redner, eher als sachlich-nachdenklicher Typ, der zuhören kann. Er selbst sieht sich als weltoffen und zugleich wertkonservativ. Berührungsängste mit dem politischen Gegner hat er kaum: „Mein Großvater mütterlicherseits war über 40 Jahre SPD-Mitglied – wir haben öfter miteinander gestritten.“ (dpa)

Rubriklistenbild: © picture alliance / Julian Stratenschulte/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.