Kommentar zu Sigmar Gabriel bei Pegida: Überraschungsbesuch mit zwei Seiten

SPD-Chef Sigmar Gabriel ist überraschend bei einer Diskussion mit Pegida-Anhängern aufgetaucht. Das komme einem Coup gleich, sagt Hagen Strauß. Ein Kommentar.

Eines muss man SPD-Chef Sigmar Gabriel lassen: Instinkt hat er. Überraschend bei einer Diskussionsveranstaltung mit Pegida-Anhängern aufzutauchen, kommt einem kleinen Coup gleich. Die einen reden ständig über den notwendigen Dialog, Gabriel führt ihn. Dass die hochrangige Politik ihnen nicht zuhört, können diese Menschen in Dresden nicht mehr behaupten.

Das ist aber nur die eine Seite der Medaille, die positive. Auf der anderen Seite muss man in der Tat fragen, ob es richtig ist, jene aufzuwerten, bei denen inhaltlich vieles durcheinandergeht; die sich oftmals ihre Wahrheit fern der Realität zimmern und vor fremdenfeindlichen Sprüchen nicht zurückschrecken. Man kann deshalb Verständnis für die Kritiker Gabriels aufbringen. Aber wahr ist auch, dass es eben keinen anderen Weg gibt als das Gespräch, um noch so krude Vorstellungen aus den Köpfen von Menschen zu bekommen. Gewiss, eine Garantie dafür gibt es nicht, dazu braucht es mehr als eine Gabriel-Visite. Und bei Pegida gibt es jede Menge Unbelehrbare. Aber der Versuch ist es allemal wert, jene Anhänger zu erreichen, die „nur“ Mitläufer sind aus politischem Frust.

Jeder Politiker muss nach bestem Wissen und Gewissen selbst entscheiden, ob er das Gespräch mit Pegida-Anhängern suchen will oder nicht. Diese Debatte gibt es auch in der Union, sogar bei den Linken. Nur die Grünen sind offenkundig in ihrer Haltung einhellig. Sie wollen nichts mit den Protestlern zu tun haben wegen der rassistischen Töne. Das ist genauso nachvollziehbar und muss genauso akzeptiert werden.

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