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Russland-Ukraine-Konflikt: Wird bald das Gas in Deutschland knapp?

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Von: Nail Akkoyun

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Angesichts Sanktionen gegen Russland könnte es zu einem Gas-Versorgungsengpass in Deutschland kommen.
Angesichts Sanktionen gegen Russland könnte es zu einem Gas-Versorgungsengpass in Deutschland kommen. © Dwi Anoraganingrum/Imago

In der Ukraine spitzt sich die Lage zu, die EU und Deutschland kündigen Sanktionen gegen Russland an. Wird daher schon bald das Gas in Deutschland knapp?

Kassel – Während der Ukraine-Konflikt immer weiter zu eskalieren droht, wächst in Deutschland die Sorge vor einem Versorgungsengpass beim Erdgas. Zu Unrecht? Die EU-Kommission hat eine erste Einschätzung der Situation abgegeben, nach der die Gasversorgung der Europäischen Union trotz des Konflikts mit Russland vorerst sicher sei.

Man sei nicht in einer Situation, in der man sich im Fall von Lieferunterbrechungen „von einem Tag zum anderen ohne Gas befinden würde“, sagte ein Sprecher am Dienstag (22.02.2022) in Brüssel. Derzeit seien die Gasspeicher zu etwa 30 Prozent gefüllt. Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) hatte am Wochenende bei der Münchner Sicherheitskonferenz gesagt, dass die EU diesen Winter selbst bei einer völligen Unterbrechung der Gasversorgung durch Russland auf der sicheren Seite sei.

Ukraine-Krise: Mehrere Länder könnten Europa und Deutschland mit Gas beliefern

Selbiges geht aus einem Spiegel-Bericht vom Montag (21.02.2022) hervor, der sich auf Regierungskreise bezieht. Die derzeitigen Gasvorräte in der Bundesrepublik sowie das Flüssiggas, welches sich etwa aus den Vereinigten Staaten einkaufen ließe, würden für den Winter ausreichen, heißt es.

Voraussetzung dafür sei jedoch, dass die Temperaturen ähnlich wie in den letzten Jahren verlaufen. Würde es zu einem längeren Kälteeinbruch kommen, könnte die Situation schon wieder anders aussehen. EU-Angaben zufolge gibt es jedoch mehrere Länder, die in der Lage wären, ihre Flüssiggaslieferungen in die Europäische Union zu erhöhen – darunter Aserbaidschan, Ägypten, Nigeria und Norwegen.

Noch im Januar warnte Energieexperte Georg Zachmann, ebenfalls gegenüber dem Spiegel, vor einem möglichen Lieferstopp der Russen. „Wenn Gazprom gar nichts mehr liefern sollte, wäre das ein Problem: vor allem für Deutschland“, sagte Zachmann. Sogar von einem US-amerikanischen Notfallplan für die Energieversorgung Europas war die Rede, falls es zu einer russischen Invasion der Ukraine inklusive einem Gas-Lieferstopp kommen sollte.

Probleme für Deutschland? Gas-Lieferungen nehmen kontinuierlich ab

Der russische Staatskonzern Gazprom hatte Berechnungen des Branchendienstes S&P Global Platts zufolge im vergangenen Jahr nur rund 130 Milliarden Kubikmeter Gas nach Europa geliefert – knapp 31 Prozent weniger als durchschnittlich in den vorherigen fünf Jahren. Zu Beginn dieses Jahres seien die Lieferungen sogar noch weiter zurückgegangen. Grundsätzlich gelte Gazprom bezüglich seiner langfristigen Lieferverträge als zuverlässig, allerdings werde derzeit – anders als sonst – kein zusätzliches Gas am Markt verkauft.

Bis zuletzt deckte die EU nach Kommissionsangaben knapp ein Viertel (24 Prozent) ihres Energiebedarfs mit Gas, wovon wiederum 90 Prozent importiert werden. 40 Prozent der Importe stammten von dem russischen Unternehmen Gazprom. Es bleibt abzuwarten, inwieweit sich diese Verhältnisse künftig in Europa und Deutschland ändern werden. (nak)

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