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Ukraine fürchtet Putins Terror-Tag – doch in Donezk wollen Russen wohl trotz Drohungen nicht mehr kämpfen

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Von: Leonie Hudelmaier

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Am Mittwoch läuft der russische Angriffskrieg ein halbes Jahr – der ukrainische Unabhängigkeitstag jährt sich. Ein Datum mit Sprengkraft. Kiew bereitet sich auf das Schlimmste vor. 

München/Kiew – Die Sorgen sind groß, die Warnungen laut. „Russland könnte in der kommenden Woche etwas besonders Widerwärtiges und Gewalttätiges unternehmen“, prophezeite der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schon am Wochenende.

Der Grund: Der ukrainische Jahrestag zur Erinnerung an die Unabhängigkeit von der Sowjetunion rückt näher. Währenddessen wächst die Angst vor weiteren russischen Bomben. Denn: Genau an diesem Tag – dem morgigen 24. August – ist es auch sechs Monate her, dass Russland mit dem Überfall auf die Ukraine begann.

Kiew rechnet im Ukraine-Krieg deswegen nicht nur mit einer verstärkten russischen Offensive, sondern auch mit Schauprozessen gegen ukrainische Kämpfer aus der belagerten Hafenstadt Mariupol. „Wenn dieses verabscheuungswürdige Gericht stattfindet, wenn unsere Leute unter Verletzung aller Vereinbarungen, aller internationalen Regeln in diese Lage gebracht werden, wird es Missbrauch geben“, erklärte Selenskyj. Denn vor einem international nicht anerkannten Gericht könnten ukrainische Kriegsgefangene auch zu Todesstrafen verurteilt werden. Sollte Russland wirklich ukrainische Soldaten verurteilen, wird das „die Grenze sein, ab der keine Verhandlungen mehr möglich sind“, warnte Selenskyj, wie merkur.de berichtet.

Ukraine-Krieg: Russland tut sich schwer Soldaten in Separatistengebieten zu motivieren

Die Ukraine bereitet sich bereits auf das Schlimmste vor. Im nordöstlichen Charkiw wurde eine Ausgangssperre verhängt. In Kiew wurden vorsorglich bis Donnerstag alle öffentlichen Veranstaltungen abgesagt. Anlässlich des 31. Unabhängigkeitstags der Ukraine wurden in der Hauptstadt noch am Wochenende zerstörte russische Panzer ausgestellt.

Doch nach sechs Monaten Angriffskrieg gerät Russland immer mehr ins Straucheln. Laut Informationen des britischen Geheimdienstes fällt es Moskau immer schwerer, seine Truppen in den Separatistengebieten für den Krieg zu motivieren. Einige Kommandeure würden ihren Soldaten vermutlich sogar finanzielle Anreize versprechen, teilte das Londoner Verteidigungsministerium mit. So hätten sich Soldaten trotz Drohungen geweigert, etwa in Donezk weiterzukämpfen.

Zerstörte Gebäude und ausgebrannte Autos: Nach einem halben Jahr russischen Angriffskrieg in der Ukraine gehört Zerstörung inzwischen zum traurigen Alltag.
Zerstörte Gebäude und ausgebrannte Autos: Nach einem halben Jahr russischen Angriffskrieg in der Ukraine gehört Zerstörung inzwischen zum traurigen Alltag. © Daniel Carde/dpa

Ukraine-Krieg: Anschlag auf Dugin – russische Untergrund-Truppe bekennt sich

Auch der Anschlag am Rande Moskaus auf den Putin-Befürworter Alexander Dugin, bei dem dessen Tochter Darja Dugina ums Leben kam, zeigt: Der Krieg in der Ukraine führt über die Grenzen des Landes hinaus.

Bekannt hat sich zu der Autobombe bislang eine russische Untergrund-Truppe, wie der oppositionelle Russe Ilja Ponomarjow am Sonntag auf der Videoplattform Youtube verkündete. „Dieser Anschlag schlägt eine neue Seite des russischen Widerstands gegen den Putinismus auf. Eine neue – aber nicht die letzte“, erklärt Ponomarjow, der seit 2016 in der Ukraine lebt.

„Nationale Republikanische Armee“ soll diese Partisanenbewegung heißen, die für den Tod der Tochter des rechtsnationalistischen Ideologen Dugin verantwortlich sein soll. Laut Ponomarjow sind diese russischen Partisanen sogar für weitere Anschläge in Russland verantwortlich – wie etwa Brandanschläge auf Verwaltungsgebäude. Ob diese russische Untergrund-Gruppe tatsächlich existiert, ist bislang unklar.

Dugin-Attentat: Russland verdächtigt „ukrainische Spezialeinsatzkräfte“

Moskau zeichnet indes ein anderes Bild des Attentats. Laut dem russischen Inlandsgeheimdienst FSB sei die „Ermordung“ von Dugina „von ukrainischen Spezialeinsatzkräften vorbereitet und ausgeführt worden“. Demnach soll der Sprengstoff von einer 1979 geborenen Ukrainerin in dem Auto platziert worden sein. Diese Frau soll bereits im Juli zusammen mit ihrer Tochter nach Russland gereist sein und hätte eine Wohnung in dem Haus, in dem auch Dugina lebte, angemietet. Am Samstag – an dem Tag des Attentats – soll die Frau ebenfalls auf dem nationalistischen Festival gewesen sein, an dem auch Dugin und seine Tochter teilnahmen.

Unabhängig davon, ob das Attentat von ukrainischen oder russischen Kreml-Gegnern ausgeübt worden ist – es scheint, als könnte sich Russland nicht mehr in einer solchen Sicherheit wiegen, wie es bislang der Fall war.

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