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Ukraine-Krieg: Schwangere und Baby sterben nach Beschuss der Entbindungsklinik in Mariupol

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Von: Sonja Thomaser

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Berichten zufolge ist die schwangere Frau, die den russischen Bombenanschlag auf eine ukrainische Entbindungsklinik überlebte, nun doch zusammen mit ihrem Baby gestorben.

Mariupol - Die ukrainische Hafenstadt Mariupol steht seit über einer Woche unter russischem Beschuss. Am Mittwoch (09.03.202) wurde eine Entbindungsklinik getroffen, was international für Entsetzen sorgte. Der Kreml behauptete, ohne Beweise dafür vorzulegen, dass sich in dem Krankenhaus keine Patientinnen und Patienten befunden hätten und dass es als Stützpunkt für ukrainische Militäraktivitäten genutzt werde.

Ein Bild wurde im Zusammenhang mit dem brutalen Angriff besonders bekannt. Darauf zu sehen ist eine schwangere Frau mit blassem Gesicht, sie liegt auf einer Trage, ihre linke Hüfte ist blutverschmiert, als sie aus der Entbindungsklinik in Mariupol getragen wird. Das packende Bild, das der Fotograf Evgeniy Maloletka für Associated Press (AP) aufgenommen hat, zeigt die Gräueltaten der russischen Armee an der ukrainischen Zivilbevölkerung. Es wurde auf der ganzen Welt geteilt.

Ukrainische Rettungskräfte tragen die verletzte schwangere Frau aus einer Entbindungsklinik in Mariupol. Sie starb kurze Zeit später.
Ukrainische Rettungskräfte tragen die verletzte schwangere Frau aus einer Entbindungsklinik in Mariupol. Sie starb kurze Zeit später. © Evgeniy Maloletka/dpa

Ukraine: Frau und Baby sterben nach Angriff auf Entbindungsklinik in Mariupol

Nun berichtet die AP, dass die Frau und ihr Baby nach dem Angriff auf das Krankenhaus unter schrecklichen Bedingungen gestorben sind. Die Frau hatte ein zertrümmertes Becken und eine abgetrennte Hüfte und musste notoperiert werden. Der Chirurg Timur Marin, der die Frau behandelte, sagte der AP, dass die Mediziner das Baby dabei per Kaiserschnitt zur Welt gebracht hätten, das Kind aber „keine Lebenszeichen“ zeigte.

Berichten zufolge forderte die Frau die Mediziner auf, „mich jetzt zu töten“, als ihr klar wurde, dass sie ihr Baby verlor. Der Chirurg sagte, es seien „mehr als 30 Minuten“ Versuche unternommen worden, sie wiederzubeleben, aber am Ende seien sie und ihr Baby „beide gestorben“. Ihr Körper wurde aus dem Krankenhaus abgeholt, sagten Mediziner der AP.

Ukraine-Krieg: Möglichkeit zur Versorgung von Schwangeren wird knapp

Die Frau, deren Name nicht öffentlich bekannt gegeben wurde, ist Teil einer Zahl ziviler Todesopfer während des Ukraine-Kriegs, die die Vereinten Nationen mit 596 beziffern, obwohl sie sagten, dass sie „glauben, dass die tatsächlichen Zahlen erheblich höher sind“.

Der schreckliche Vorfall der Frau verdeutlicht die gefährliche Situation für Schwangere im Ukraine-Konflikt, wo die Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit Beginn des Angriffs Russlands vor zweieinhalb Wochen mindestens 31 Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen dokumentiert hat.

Nach Angaben der Vereinten Nationen „werden in den nächsten drei Monaten voraussichtlich 80.000 ukrainische Frauen gebären, während Sauerstoff und medizinische Versorgung, einschließlich zur Behandlung von Schwangerschaftskomplikationen, gefährlich knapp werden“.

Ukraine-Krieg: Selenskyj nennt Angriff in Mariupol „Gräueltat“

Videos und Fotos zeigen, wie Kinder und verletzte schwangere Frauen nach dem Angriff aus dem Krankenhaus in Mariupol geführt werden. Der Stadtrat von Mariupol sagte am Donnerstag (09.03.2022), dass drei Menschen, darunter ein Kind, getötet und 17 – darunter Kinder, Frauen und medizinisches Personal – verletzt wurden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nannte den Angriff eine „Gräueltat“.

„Was ist das für ein Land, die Russische Föderation, die Angst vor Krankenhäusern und Geburtskliniken hat und sie zerstört?“, sagte Selenskyj am Mittwoch in einer Videoansprache. Führende Politikerinnen und Politiker weltweit verurteilten den Angriff, der britische Minister für Streitkräfte, James Heappey, nannte ihn ein „Kriegsverbrechen“.

Ukraine-Krieg: Internationale Organisationen fordern Ende der Angriffe

Internationale Organisationen sagen, der Angriff auf das Entbindungsheim in Mariupol sei nicht der erste gewesen. In einer am Sonntag veröffentlichten gemeinsamen Erklärung forderten die WHO, der United Nations Population Fund und UNICEF ein Ende der Angriffe auf Einrichtungen des Gesundheitswesens.

„Die Schwächsten anzugreifen – Babys, Kinder, schwangere Frauen und diejenigen, die bereits an Krankheiten leiden, und Gesundheitspersonal, das ihr eigenes Leben riskiert, um Leben zu retten – ist ein Akt skrupelloser Grausamkeit“, heißt es in ihrer Erklärung. (sot)

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