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US-Experte stellt düstere Prognose für Russlands Zukunft: „Werden dem Drama wohl beiwohnen müssen“

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Von: Franziska Schwarz

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Steht Russland im Ukraine-Krieg vor dem Kollaps? Der Politikwissenschaftler Alexander Motyl warnt den Westen für diesen Fall, alte Fehler nicht erneut zu begehen.

Newark – So unangemessen abgeklärt es klingen mag: Irgendwann wird auch der Ukraine-Krieg enden und die Welt anschließend ihre Machtverhältnisse neu sortieren müssen, je nachdem, wer der Verlierer war. Der Angreifer Russland erstreckt sich über elf Zeitzonen. Ist das Land unter Machthaber Wladimir Putin der Verlierer, bleibt das allein wegen seiner schieren Größe nicht ohne Auswirkungen. Ein Politikwissenschaftler warnt den Westen nun: Bereitet Euch gedanklich auf dieses Szenario vor, berichtet merkur.de.

Alexander Motyl unterrichtet Politikwissenschaften an der Rutgers University–Newark in New Jersey hält eine mögliche russische Niederlage in dem gewaltsamen Konflikt für aktuell zu wenig diskutiert. In einem Gastbeitrag für Foreign Policy vom Samstag (7. Januar) schreibt er: „Es könnte danach nur ein Trigger nötig sein, um den (Anm.: russischen) Kollaps herbeizuführen.“

Ukraine-Krieg: Wladimir Putin auf einer orthodoxen Weihnachtsfeier in Moskau
Aufnahme vom 7. Januar: Putin auf einer orthodoxen Weihnachtsfeier in Moskau © Mikhail Klimentyev/Kremlin Pool/Imago

Die Folgen wären verheerend, sagt er voraus. Als Vergleich zieht er den Ersten Weltkrieg sowie Napoleons Feldzüge heran. „Die darauf folgenden Wirtschaftskrisen und die sozialen Verwerfungen gaben den beteiligten Staaten den Rest.“

Folgen einer russischen Niederlage im Ukraine-Krieg? Pessimisten vs. Optimisten

Weiter schreibt Motyl: „Auch wenn sich aktuell kaum jemand Russlands Kollaps wünscht, ist es dennoch vorstellbar, dass die politische, wirtschaftliche und soziale Schwäche das Landes seine Bestandteile dazu bewegt, ihr Heil in der Unabhängigkeit zu suchen.“ Aber was wären seiner Meinung nach die konkreten Folgen? Motyl ordnet die widersprechenden Einschätzungen jeweils dem Lager der „Pessimisten“ und „Optimisten“ zu.

Worin sich beide Lage laut Motyl aber einig seien: Eine russische Niederlage würde wahrscheinlich einen Bürgerkrieg in dem Land bedeuten. „Unter dem Strich werden wir wohl dem Drama dem Auseinderfallen Russlands beiwohnen müssen.“

Szenario: Russland verliert den Ukraine-Krieg – Experte sieht Einsicht bei Putin

Motyl schränkt dabei ein, dass „Funken unvorherbar“ seien und Russland die durch den Ukraine-Konflikt ausgelöste Krise auch in seiner „aktuellen Form überleben“ könnte, ob nun unter dem aktuellen Kremlchef selbst oder einem von Putins kolportierten Nachfolgern. Dennoch wäre das Land als Staat „massiv geschwächt“ - die „strukturellen Spannungen“ würden bleiben. Dass das sogar Putin selbst schwant, dafür sieht Motyl Hinweise in der Neujahrsrede des russischen Präsidenten. In ihr sprach Putin auch von der Gefahr, die von der russischen Militär-Invasion für die Eigenständigkeit seines Landes ausgeht. Dies sei „etwas, was er zuvor noch nicht thematisierte“, meint Motyl.

Wie soll sich der Westen nun auf das worst-case-Szenario vorbereiten? Motyl empfiehlt, im Falle einer Niederlage den Bedürfnissen Russlands keinen Vorrang vor denen seiner Nachbarn zu geben. Die würden in einem Nachkriegsszenario als „Sperrgürtel“ ohnehin eine Schlüsselrolle für eine Stabilisierung Russlands spielen. Die „beste Garantie“ um die Auswirkungen eines russischen Kollapses zu dämpfen sei auch, die Ukraine weiterhin zu unterstützen.

Alle „worst-case“-Szenarien müsse man aber mit „höchster Vorsicht“ genießen, wiegelt der Politikwissenschaftler dann doch ab. Denn auch, wenn der Kollaps von Staaten bislang meist chaotisch verlaufen sei, war der „Ausgang nicht immer schlecht für die Nachbarstaaten und den Rest der Welt“. (frs)

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