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Ukraine-Krieg für Russland „schrecklich schiefgelaufen“: Eliteeinheit offenbar „ausgelöscht“

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Von: Victoria Krumbeck

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Ein Bericht zeigt, wie eine russische Schützenbrigade innerhalb weniger Monate beinahe ausgelöscht wurde. Ein militärischer Schlag, der sinnbildlich für Putins Krieg in der Ukraine steht.

München/Helsinki - Sie nennen sich die „200. Separate Motor Rifle Brigade“. Es sind Soldaten, die auf der russischen Kola-Halbinsel in der Nähe der finnischen Grenze ein Atomwaffenarsenal bewaffnen. Seit dem Kalten Krieg bewachen sie Raketen, die in Bunkern lagern. Zu Beginn des Ukraine-Kriegs wurden die Soldaten nach Charkiw geschickt. Dokumente zeigen, was der Krieg mit der Einheit gemacht hat. Experten sprechen sogar von „Auslöschung“, wie merkur.de berichtet.

Ukraine-Krieg: Russische Elitesoldaten im Krieg „ausgelöscht“

Der Washington Post liegen Dokumente vor, die die dramatischen Auswirkungen des Krieges auf die Elitegruppe zeigen. Als eine der ersten Einheiten drang die 200. Brigade am 24. Februar in Charkiw ein. Als sie Ende Mai wieder nach Russland kam, umfasste die Brigade weniger als 900 Soldaten. Zwischen 1400 und 1600 Soldaten sollen Russland verlassen haben, wie westliche Beamte, die die Einheit beobachten, angaben.

Russische Elitesoldaten aus dem Norden wurden im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt. Von der Brigade ist kaum noch etwas übrig.
Soldaten einer russischen Brigade der Nordflotte während einer Trainingsübung. © Lev Fedoseyev/TASS/IMAGO

Der Kommandeur der 200. Brigade wurde demnach schwer verletzt. Viele bekamen den Status „vermisst“, „hospitalisiert“ oder „Verweigerer“, wie in einem Dokument aufgeführt wird. Es handelt sich dabei um interne russische Militärakten, die von ukrainischen Sicherheitsdiensten beschafft und der Washington Post zur Verfügung gestellt wurde.

Laut den Dokumenten will Russlands Präsident Wladimir Putin die Verluste der Soldaten mit Nachrückern kompensieren. „Sie haben kaum eine Stärke von 60 Prozent und sind gezwungen, sich auf Verstärkungen zu verlassen, die nicht annähernd genug sind“, sagte Pekka Toveri, ehemaliger Direktor des finnischen Geheimdienstes, in einem Interview mit der Washington Post. „Du hast Typen, die sich weigern zu kämpfen, Typen, die vermisst werden. Alles sagt uns, dass der Krieg für Russland schrecklich schiefgelaufen ist.“

Ukraine-Krieg: Von russischer Eliteeinheit „nichts mehr übrig“

In weiteren Gefechten erlitt die Elitegruppe schwere Verluste. So etwa im Juli im nordöstlichen Dorf Hrakove oder bei der ukrainischen Offensive um Charkiw zurückzuerobern. Schlecht ausgebildete Soldaten und veraltete Ausrüstung sind nun das, was die ehemalige Elitegruppe kennzeichnet. „Die Einheit befindet sich in einem Zustand des Verfalls“, sagte ein Soldat der Washington Post, der jetzt in der 200. Brigade dient. Er wurde durch Putins Befehl der Teilmobilmachung eingezogen. „Sie trainieren uns nicht einmal. Sie sagen dir nur: ‚Du bist jetzt ein Schütze. Bitte schön, hier ist ein Maschinengewehr‘“, wie der Soldat weiter berichtete.

Als die 200. Brigade von den ukrainischen Soldaten aus Charkiw verdrängt wurde, war sie kurz vor dem Ende. Die meisten Offiziere wurden getötet oder verletzt. Etwa 70 Prozent der Ausrüstung wurden zerstört oder geklaut. „Von dieser Brigade ist nichts mehr übrig“, sagte Oberst Pavlo Fedosenko, Kommandeur der 92. mechanisierten Brigade der Ukraine, in einem Interview mit der Washington Post. „Sie ist komplett ausgelöscht“, so Fedosenko. Westliche Sicherheitsbeamte schätzen die Lage ähnlich ein. Es soll mehrere Jahre dauern, bis die 200. Brigade wieder aufgebaut ist.

Der Verfall der 200. Brigade spiegelt Russlands Krieg in der Ukraine wider. Die Soldaten der Brigade hatten eine bessere Ausbildung, mehr Erfahrung und bessere Waffen, doch all das verschaffte ihnen im Krieg keinerlei Vorteile. Einmal mehr zeigt der Fall der 200. Brigade, dass Russland mit der Widerstandsfähigkeit der Ukraine nicht gerechnet hat. (vk)

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