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Nach Kritik an Ukraine-Krieg: Ehemaliger Kremlberater verlässt Prestigeprojekt

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Von: Karolin Schäfer

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Arkadi Dworkowitsch war von 2012 bis 2018 stellvertretender Ministerpräsident der Russischen Föderation. (Archivbild)
Arkadi Dworkowitsch war von 2012 bis 2018 stellvertretender Ministerpräsident der Russischen Föderation. (Archivbild) © Arno Burgi/dpa

Der ehemalige Kremlberater Arkadi Dworkowitsch verlässt seinen Posten bei einer angesehenen, russischen Stiftung. Zuletzt hatte er den Ukraine-Krieg kritisiert.

Moskau – Neuerdings ist es in russischen Medien verboten, von „Krieg“, „Invasion“ oder „Einmarsch“ in der Ukraine* zu sprechen. Kritik an der russischen Invasion in die Ukraine sieht der Kreml-Chef Wladimir Putin* also nicht besonders gerne. Vor Kurzem sprach sich Arkadi Dworkowitsch, ein ehemaliger stellvertretender russischer Ministerpräsident, gegen Russlands Vorhaben im Nachbarland aus. Daraufhin warf ihm ein Abgeordneter „nationalen Verrat“ vor und hatte seine Entlassung vom Posten einer angesehenen, russischen Stiftung gefordert. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters.

Dworkowitsch war seit 2018 Vorsitzender der Skolkowo-Stiftung, einem Innovations- und Technologiezentrum in Moskau. Die Stiftung galt nach dpa-Informationen als Prestigeprojekt von Ex-Kremlchef Dmitri Medwedew und wurde als „russisches Silicon Valley“ angepriesen. Nun soll der Vorsitzende zurückgetreten sein. In einer Erklärung gab Skolkowo am Freitag (18.03.2020) den Rücktritt von Dworkowitsch bekannt.

Der 49-Jährige bleibe aber weiterhin Präsident des Internationalen Schachverbandes (FIDE). Hintergrund seines Rücktritts sei die Unvereinbarkeit seiner Aufgaben bei Skolkowo und der Verantwortung bei der FIDE, erklärte Igor Schuwalo Vorstandsvorsitzender der Stiftung. Dworkowitsch wolle sich stattdessen „auf die Entwicklung von Bildungsprojekten konzentrieren“, hieß es in der Erklärung.

Arkadi Wladimirowitsch Dworkowitsch
2008 bis Mai 2012Berater von Wladimir Putin
2012 bis 2018stellvertretenden Ministerpräsidenten
Seit Oktober 2018Präsident des Weltschachverbandes (FIDE)

Krieg in der Ukraine: Ehemaliger Ministerpräsident stellt Russlands Einmarsch infrage

Arkadi Dworkowitsch war von 2012 bis 2018 stellvertretender Ministerpräsident der Russischen Föderation. Er zählte nicht nur zu den ehemals engsten Beratern Putins, sondern auch zu den bekanntesten Persönlichkeiten in Russland*. Dennoch soll er nach Angaben der kremlkritischen Zeitung Nowaja Gaseta den Ukraine-Krieg* gegenüber US-amerikanischen Medien infrage gestellt haben: Seine Gedanken seien bei den ukrainischen Zivilistinnen und Zivilisten. Zudem sprach sich Dworkowitsch für eine friedliche Lösung zum Konflikt aus.

Daraufhin forderte Andrej Turtschak, Abgeordneter der russischen Regierungspartei, seine Entlassung. „Er hat seine Wahl getroffen“, wird Turtschak von Reuters zitiert. „Dies ist nichts anderes als der nationale Verrat, das Verhalten der fünften Kolonne, von dem der Präsident heute gesprochen hat.“ Zuvor hatte Putin solche „Verräter“ vor Konsequenzen gewarnt, die angeblich vom Westen als fünfte Kolonne eingesetzt sollen, um das Russland zu zerstören.

Nach Kritik an Ukraine-Krieg: Dworkowitsch sorgte bereits vorher für Aufmerksamkeit

Arkadi Dworkowitsch hatte bereits in der Vergangenheit immer wieder für Aufsehen gesorgt. Wie die dpa berichtete, soll er die Rückkehr von Wladimir Putin als Präsident 2012 „keinen Grund zur Freude“ genannt haben.

Immer häufiger werden Berichte über Widerstände gegen den Ukraine-Konflikt* bekannt. Inzwischen wurden tausende Menschen in Russland festgenommen, weil sie gegen die Invasion in die Ukraine protestierten. Nach der Protestaktion einer Journalistin im russischen Staatsfernsehen bangt sie nun um ihre Familie. (kas/dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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