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Im Staatsfernsehen: Russland droht Polen mit Invasion

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Von: Lukas Zigo

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Mit zunehmender Kriegsdauer entwickelt sich die russische Staatspropaganda in eine erschreckende Richtung. Der Kampf mit der Angst lässt jedoch ungewollt tief blicken.

Moskau – Das russische Staatsfernsehen war schon in der Vergangenheit mit provokativen Aussagen Richtung Westen aufgefallen. Damals wurde von inländischer Kriegspropaganda zu dem Versuch der Einschüchterung westlicher Demokratien übergegangen. In einer politischen Talkshow wurde eine Grafik gezeigt, welche die Flugbahnen von in Kaliningrad stationierten Atomraketen auf London, Berlin und Paris mit entsprechenden Flugzeiten veröffentlicht.

Nun folgt das nächste Kapitel dieser Saga. Laut Julia Davis, Reporterin von Daily Beast und russischsprachige Medienbeobachterin, wird die russische Berichterstattung mit Dauer des Ukraine-Konflikts immer unheimlicher. Während im Westen darüber nachgedacht wird, wie man eine Möglichkeit für einen Exit Russlands aus diesem Krieg bewerkstelligen könne, plädieren führende russische Gesetzgeber und Top-Propagandisten für die Zerschlagung des Westens. Dies ist ihrer Meinung nach das eigentliche Ziel Russlands.

Russisches Staatsfernsehen sieht den dritten Weltkrieg als begonnen an

In der staatlichen Nachrichtensendung 60-Minutes verkündete die Moderatorin Olga Skabeeva: „Ich habe eine unangenehme Nachricht … Auch wenn wir die Waffen, die (an die Ukraine) geliefert werden, methodisch zerstören, zwingen uns die Mengen, in den die Vereinigten Staaten sie schicken, zu einigen globalen Schlussfolgerungen. Vielleicht ist es an der Zeit, anzuerkennen, dass Russlands „militärische Spezialoperation“ in der Ukraine vielleicht zu einem Ende gekommen ist, in dem Sinne, dass ein echter Krieg begonnen hat: der dritte Weltkrieg. Wir sind dazu gezwungen, die Entmilitarisierung nicht nur der Ukraine, sondern auch des gesamten Nato-Bündnisses durchzuführen.“

Polnisch-belarussische Grenze
Ein bewaffneter Grenzsoldat bewacht die Polnische Grenze zu Belarus. © Attila Husejnow/dpa

Oleg Matveychev, ein Parlamentsmitglied, sagte: „Wenn Polen eine Intervention startet (…) werden seine aktuellen Grenzen wertlos sein.“ Skabeeva war damit nicht zufrieden: „Ich habe nicht nur von Polen gesprochen, sondern vor allem von Großbritannien und den USA (…) sie stehen alle in der Reihe.“ Vladimir Avatkov, von der diplomatischen Akademie des Außenministeriums, mischte sich ein: „Kein Grund zur Eile, es gibt eine Warteschlange. Alles zu seiner Zeit!“

Russland und seine Warteschlange: Ist Polen als Nächstes dran?

In der ersten Reihe dieser „Warteschlange“ steht offenbar Polen. Demnach behauptete der Sekretär des russischen Sicherheitsrates, Nikolai Patruschew, am Dienstag (31. Mai 2022) grundlos, Polen wolle sich Gebiete in der Westukraine aneignen, und beschuldigte zahlreiche ungenannte Länder, „aktiv an der Zerstückelung der Ukraine zu arbeiten“.

Im russischen Staatsfernsehen bezeichnen Moderatoren und Experten die Ukraine routinemäßig als „das Gebiet, das früher als Ukraine bekannt war“ und diskutieren sachlich darüber, wie viele Millionen Ukrainer sterben müssten, damit Russland seine sogenannte „Entnazifizierung“ abschließen könnte. Der ehemalige Oberbefehlshaber der Luftstreitkräfte gab in einem Interview zu, dass Russland „durch territoriale Erweiterung aufgebaut wurde“ und nannte Polen als einen der Hauptgegner Russlands.

Russische Staatspropaganda: Mit Napoleon und Hitler zur Kriegsrechtfertigung

Andrei Kartapolov, russischer Abgeordneter, bemühte etwas mentale Gymnastik zur Kriegsrechtfertigung: „Diese Kriege sind nicht die ersten Kriege. Im 19. Jahrhundert war es Napoleon, im 20. Jahrhundert war es Adolf Aloisovic Hitler, und jedes Mal kam ganz Europa auf uns zu. Das Gleiche geschieht jetzt.“

Die Strategie, einen solchen potenziellen Angriff gegen weitere Gegner zu rechtfertigen, entspricht dem früheren Vorgehen des Kremls in Bezug auf die Ukraine: Haltlose Behauptungen, dass das ausgewählte Ziel im Begriff sei, in die Offensive gegen das Mutterland zu gehen. Der bevorstehende Konflikt mit dem Westen wird zum existenziellen Kampf um das Überleben Russlands stilisiert. (Lukas Zigo)

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